Es war noch eine knappe Stunde bis zum Start des Lufthansa-Fluges von Frankfurt nach Los Angeles. Die Maschine, eine fast nagelneue Boeing 787-9, stand am Gate, um das Flugzeug wuselten Ladearbeiter und Techniker. An Bord war eine Reinigungcrew beschäftigt. Ein wenig noch, dann sollte das Boarding beginnen.Doch dann fuhr plötzlich das Bugfahrwerk ein und das Flugzeug setzte sich auf die Nase. Einige der Mitarbeiter an Bord trugen leichte Verletzungen davon und mussten daraufhin auch behandelt werden. Das Flugzeug ist beschädigt, wie sehr, müssen die Experten von Lufthansa Technik und Boeing beurteilen. Der Vorfall gilt aber als Unfall und wird deswegen von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) auch analysiert.Die Frage, was genau passiert ist, wird Gegenstand der Untersuchung sein. Gemäß internationaler Regeln muss die BFU innerhalb von 30 Tagen einen ersten Zwischenbericht vorlegen, in dem die bis dahin bekannten Fakten und Analysen aufgelistet werden. Sollte die BFU schon zu ersten Schlussfolgerungen kommen, kann sie in dem Bericht auch Empfehlungen aussprechen.Dass das Fahrwerk am Boden einfährt, ist ein extrem seltener Zwischenfall. Was genau bei dem Lufthansa-Flugzeug passiert ist, darüber wird in den einschlägigen Foren bereits heftig diskutiert. Denkbar sind Fehler bei der Wartung oder beim Bedienen, auch ein Produktionsmangel ist möglich. Vor einigen Jahren ist etwas Ähnliches bei einem Flugzeug der British Airways passiert, damals hatten die Bodenmitarbeiter einen Stift, der das Einfahren des Fahrwerkes am Boden verhindern soll, offensichtlich nicht an der richtigen Stelle angebracht.Die Lufthansa bestätigt zwar den Zwischenfall, äußert sich aber inhaltlich nicht zu den Ursachen. Das darf sie gemäß den Vorgaben bei Untersuchungen dieser Art auch nicht.Die Fluggesellschaft trifft der mutmaßlich wochen- oder monatelange Ausfall des Flugzeuges empfindlich, denn die neuen 787 werden dringend gebraucht, um ältere und unwirtschaftlichere Modelle ausmustern zu können – gerade angesichts der aktuell hohen Spritpreise.