Ich bin froh, dass Wim Wenders seinen Film „Falsche Bewegung“ von 1975 zurückzieht, in dem Nastassja Kinski als 13-Jährige halbnackt und in Aktion mit einem viel älteren Mann in eine sexualisierte Szene gedrängt wurde, die sie bis heute belastet. Die Diskussionen nach dem Deutschen Filmpreis hätten ihn zum Umdenken gebracht, lässt er mitteilen. Wir wissen nicht, ob das die Wahrheit ist, wir können es nur hoffen. Vielleicht war auch der Druck zu groß und stimmte ihn das beinahe einhellige Medienecho um. Selbst Alice Schwarzer fuhr ihn schließlich in ihrer Emma an, „diese verdammten zwei Minuten« herauszuschneiden. Und will man derjenige sein, der es sich mit der eigenen Branche verscherzt, die einen so frenetisch verehrt?

Die Filmakademie plant eine Veranstaltung dazu

Noch bei seiner Dankesrede für die Ehren-Lola live im Palais am Funkturm hatte der Regisseur auch etliche von denen eingewickelt, die ganz klar „Team Kinski“ und dafür waren, dass er die zwei Minuten anhaltender Demütigung für die Schauspielerin aus seinem Film schneidet. Ich weiß es, zwei Freundinnen von mir saßen im Publikum, sie berichteten mir davon. Seine Reue hatte Wenders wohlfeil verpackt und empathiesuchend vorgetragen und sich als denjenigen dargestellt, der über diese Bitte von Kinksi „nicht allein“ entscheiden könne und wolle.