Oh ja, der Anblick von ganz da oben ist arkadisch. Ludwig Persius, der Architekt der Villa Schöningen, muss anno 1843 genau dieses Feeling beabsichtigt haben, als er das Domizil im toskanischen Stil für den preußischen Hofmarschall von Schöningen entwarf. Die Treppe hoch zur Terrasse unterm Turm verlangt zwar etwas Sportlichkeit. Dafür ist der Blick übers Wasser des Jungfernsees wahrlich „paradiesisch“, wie einst Prinz Wilhelm von Nassau 1842 über dieses Stück Havellandschaft, geprägt von Lennés entlang der Havel angelegten Parks, als „preußisches Arkadien“ schrieb. Mit Sicht zum Schloss Glienicke, zur Heilandskirche Sacrow, hinten, verdeckt von Laubbäumen, Schloss Babelsberg und dem Flatowturm.
Lisa Seebach: „Future Healing Pills“, 2019/2026, dreiteilige Installation
© Villa Schöningen/Sascha Herrmann
Die Villa Schöningen und ihr Garten, einst als Ideal inszeniertes Stück Leben in der Natur, liegen als Sehnsuchtsort freilich an einer Stelle, die auch ein ganz anderes Geschichtskapitel widerspiegelt. Die Landschaft und der Fluss waren im Kalten Krieg Sperrzone, ab dem Mauerbau 1961 bis zum Mauerfall 1989 Zonengrenze mit Todesstreifen, Grenzern und Bluthunden. Und die Glienicker Brücke erlangte weltweit berüchtigte Berühmtheit als „Brücke der Spione“, Kulisse für spektakulären Top-Agentenaustausch zwischen den USA und der Sowjetunion.







