Die USA und China ringen um eine neue Weltordnung. Doch der Kampf der Grossmächte findet anders statt als früher. Das zeigen die Kriege in Iran und in der Ukraine.05.06.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenIran erhält im Krieg gegen die USA Unterstützung von China, allerdings nur im Hintergrund: Ein amerikanischer Helikopter startet Anfang März von einem Flugzeugträger.U.S. Navy via ImagoDie Welt kann sich dem Iran-Krieg nicht entziehen. Bereits wenige Tage nach Beginn wurde in Indien das Kochgas knapp. Die Philippinen haben Ende März den Energienotstand ausgerufen. Vor allem in Ländern Asiens und Afrikas führt die Sperrung der Strasse von Hormuz zu Problemen mit der Treibstoffversorgung. Auch die Lebensmittelpreise steigen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Iran-Krieg hat eine globale Dimension. Während die militärische Auseinandersetzung auf ein Minimum reduziert ist, hat sich der Konflikt auf die wirtschaftliche Ebene verschoben. Die Bedeutung der Meerenge von Hormuz ist ein Druckmittel für Iran. Dieses Vorgehen könnte typisch werden für Konflikte der nächsten Jahre.Die Grossmächte ringen um eine neue Weltordnung. Der Konflikt zwischen China und den USA hat bereits vor Jahren mit dem Handelskrieg begonnen. Russland versuchte mit dem Ukraine-Krieg, den Einfluss in seiner Nachbarschaft zu sichern. Präsident Trump will sich aussenpolitisch stärker auf die unmittelbare Nachbarschaft fokussieren und Europa stärker sich selbst überlassen. Das rüttelt zusätzlich am bisherigen Weltgefüge.Die machtpolitischen Turbulenzen werden sich verstärken. Doch das bedeutet nicht, dass der Konflikt zwischen Russland, China, den USA und möglicherweise Europa in einem offenen dritten Weltkrieg eskalieren wird. Die Entwicklung der vergangenen Monate deutet eher darauf hin, dass es zu längerfristigen hybriden Konflikten unterhalb der Kriegsschwelle kommen wird, die nur in Teilen in eine vorübergehende militärische Auseinandersetzung münden.Die Ära der Grauzonen-Konflikte hat bereits begonnen und könnte noch Jahrzehnte dauern. Das zeigt der Iran-Krieg.Der Iran-Krieg ist zurück in der GrauzoneDie USA und Israel befinden sich seit Jahren in einem hybriden Konflikt mit Iran. Verdeckte Operationen sollten das iranische Atomprogramm sabotieren oder das Regime schwächen. Es kam zu Cyberangriffen und gezielten Tötungen. Iran wiederum versuchte, die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen oder Trump zu ermorden. Mit der Unterstützung von Proxy-Gruppen in der Region führte Teheran jahrelang einen Krieg gegen Israel.Der Iran-Krieg von Ende Februar ist die militärische Eskalation des früheren Konflikts. Doch eine Entscheidung hat er nicht gebracht.Die USA sind militärisch überlegen, doch ohne den Einsatz von Bodentruppen können sie ihre Ziele nicht erreichen. Die finanziellen und die innenpolitischen Kosten des Militäreinsatzes wurden für den US-Präsidenten Trump rasch zu hoch. Inzwischen ist der Krieg wieder ausgesetzt. Beide Seiten versuchen nun, den Gegner mit einer Blockade der Strasse von Hormuz zu Zugeständnissen zu bewegen.Der Konflikt ist damit zurück in der Grauzone. Die Parteien können auf die Mittel des hybriden Kriegs zurückgreifen: wirtschaftlicher Druck, Sabotageakte, Cyberattacken oder einzelne militärische Angriffe – und alles umrahmt von Beeinflussungsaktionen im Informationsraum. In dieser Form kann die Auseinandersetzung noch lange andauern.Ukraine-Krieg könnte zum eingefrorenen Konflikt werdenAuffallend sind die Parallelen zum Ukraine-Krieg. Diesem ging ebenfalls ein jahrelanger hybrider Konflikt voraus, mit Sabotage, Einflussnahme und einem begrenzten Krieg in der Ostukraine. Sein politisches Ziel konnte Russland damit jedoch nicht erreichen. Es gewann den politischen Einfluss auf die Ukraine nicht zurück. Daraufhin begann Präsident Putin den offenen Krieg.Eine Entscheidung hat die militärische Eskalation jedoch ebenfalls nicht gebracht. Der blutige Krieg in der Ukraine dauert weiterhin an, aber grössere Verschiebungen der Frontlinie gibt es seit Monaten nicht. Der Krieg ist zu einem Abnützungskampf der Ressourcen geworden. Die Kosten der Beteiligten steigen.Ein denkbares Szenario ist deshalb, dass der Ukraine-Krieg in den nächsten Monaten oder Jahren in einen eingefrorenen Konflikt übergeht. Dazu wäre nicht einmal ein Abkommen oder ein formeller Waffenstillstand nötig. Keine der beiden Seiten müsste dem Gegner unpopuläre Zugeständnisse machen.Der hybride Konflikt um die Ukraine wird jedoch andauern, noch Jahre oder gar Jahrzehnte.Für Europa würde eine solche Entwicklung keine Entspannung bedeuten. In den vergangenen Monaten haben die verdeckten Operationen Russlands zugenommen. Eine Pause der Kriegshandlungen in der Ukraine würde daran nichts ändern. Im Gegenteil: Der Kreml könnte seine Aktionen gegen Europa sogar intensivieren, um politischen Einfluss zu nehmen.China hilft seinen Partnern mit TechnologieIn beiden Kriegen, in der Ukraine und in Iran, spielt China eine bedeutende Rolle. Als Folge der westlichen Sanktionen ist Russland von China abhängig geworden. Peking liefert Technologie und Waffenteile für den Krieg und sorgt mit Energiekäufen für dringend benötigte Einnahmen. Die Grossmacht ist zum Juniorpartner Chinas geworden.Iran kann ebenfalls auf Hilfe aus Peking zählen. Dank chinesischer Technologie gelang es Teheran, mehrere wichtige Radarstationen der Amerikaner zu treffen und ein wertvolles Aufklärungsflugzeug der US-Luftwaffe zu zerstören.Mindestens zwei chinesische Firmen lieferten laut amerikanischen Angaben entscheidende Satellitenaufnahmen, die dem iranischen Militär Angriffe auf US-Streitkräfte ermöglicht haben sollen. Die iranischen Revolutionswächter hatten zudem bereits 2024 von einer chinesischen Firma einen Aufklärungssatelliten im All gekauft.Iran konnte so Low-Tech-Waffen wie Raketen und Kamikazedrohnen mit Aufklärung aus Hightech-Quellen kombinieren. Ein geschicktes Vorgehen, um gegen die überlegene Militärmacht USA zu kämpfen.Dass Teheran im Krieg gegen die USA möglichst gut bestehen kann, liegt im Interesse Chinas. Die Amerikaner benötigten in der Hochphase des Kriegs grosse Mengen an Munition, sowohl für ihre Angriffe als auch zur Abwehr iranischer Drohnen und Raketen. Dies schwächt die USA und ihre Verbündeten weltweit.Handelssanktionen schaden beiden SeitenIran versucht nun mit der Sperrung der Strasse von Hormuz, die globalen wirtschaftlichen Verflechtungen als Druckmittel gegen die USA einzusetzen. Doch ob das Vorgehen tatsächlich wirksam ist, lässt sich noch nicht beurteilen. Denn unter der Sperre leiden zahlreiche Länder, gerade in Asien und Afrika, aber auch Iran selbst.China hat derzeit noch grosse Treibstoffvorräte. Als wichtiger Partner Irans könnte Peking das Regime in Teheran vermutlich zum Einlenken bewegen. Doch China dürfte damit keine Eile haben. Der Konflikt im Golf wird für den Gegner USA zum strategischen Nachteil.In einer global vernetzten Welt ist wirtschaftlicher Druck allerdings ein ambivalentes Mittel. Im Konflikt zwischen den USA und China setzten die Parteien seit Jahren auf Handelsbeschränkungen und Zölle. Dort zeigen sich auch die Nachteile dieses Vorgehens.Um dem Gegner zu schaden, müssen selbst grosse Einbussen in Kauf genommen werden. Die Abhängigkeit besteht gegenseitig. Deswegen konnte China im Zollstreit mit den USA im vergangenen Jahr so grossen wirtschaftlichen Druck aufbauen, dass Trump die Zölle weitgehend zurücknehmen musste.Die USA können nicht komplett mit China brechen. Das führt zu der grotesken Situation, dass die beiden Länder sich als Gegner gegenüberstehen, aber dennoch zusammenarbeiten müssen.Mehr Einfluss dank Geduld und hybriden AktionenIn der Ukraine und in Iran zeigt sich generell, warum grosse, länger andauernde Kriege für die beteiligten Parteien politisch oft schwierig sind. Sie verursachen finanzielle Kosten, haben wirtschaftliche Folgen und sind gegenüber der eigenen Bevölkerung oft schwer zu rechtfertigen. In Demokratien wiegen diese Faktoren allerdings deutlich schwerer als in autokratischen Staaten.Die klassischen militärischen Fähigkeiten, wie sie die Grossmächte haben, stossen in der asymmetrischen Kriegsführung an ihre Grenzen. Zivile Technologien und die Informationsverarbeitung werden wichtiger. Das hilft kleineren Staaten wie der Ukraine oder Iran. Sie können den Krieg zwar nicht zu ihren eigenen Gunsten entscheiden, aber die Kosten für den Gegner in die Höhe treiben.Angesichts dieser Entwicklung bieten sich die Mittel der hybriden Kriegsführung als Alternative an. Mit Operationen und Angriffen unterhalb der Kriegsschwelle ist es meist einfacher und billiger, einen politischen Wandel beim Gegner herbeizuführen oder Einfluss zu gewinnen. Zumindest für jene, die in längerfristigen Zeiträumen von Jahren bis Jahrzehnten denken.Militärische Mittel werden dadurch nicht obsolet. Die instabile geopolitische Lage macht regionale Konflikte sogar noch wahrscheinlicher. Die militärische Abschreckung gewinnt an Bedeutung. Wenn Bündnisse zerfallen, ist jeder auf sich gestellt.Bei China stellt sich die Frage, was diese Entwicklung für den Taiwan-Konflikt bedeutet. Der hybride Krieg ist dort bereits in vollem Gange – mit militärischer Einschüchterung, Cyberangriffen und starker politischer Einflussnahme. Viele Beobachter erachten es beinahe als gegeben, dass China in den nächsten Jahren einen militärischen Angriff lancieren wird. Doch das ist nicht sicher.Ein wichtiger Grund spricht dagegen: China mag keine Unsicherheit. Doch genau das brächte ein Krieg gegen Taiwan. Die globalen Folgen lassen sich kaum abschätzen. Es droht ein weltwirtschaftliches Chaos. Und selbst wenn sich die USA aus dem Krieg heraushalten würden, droht eine lange militärische Auseinandersetzung oder gar ein Patt wie in der Ukraine. Chinas Aufstieg als Weltmacht wäre gebremst.Die Welt muss sich auf turbulente Zeiten vorbereitenChina hat die Kriege in der Ukraine und in Nahost geschickt für sich genutzt. Es hat die Weltmacht Russland abhängig gemacht und bindet die USA in Nahost. Peking hat seinen globalen Einfluss vergrössert und führt die autoritäre Achse aus China, Russland, Iran und Nordkorea unbestritten an. Eine direkte Kriegsbeteiligung war dafür nicht nötig.Der amerikanische Präsident Trump trägt zudem zu Chinas Stärke bei. Indem er das transatlantische Bündnis mit Europa infrage stellt, verlieren die USA an Einfluss. Die neue amerikanische Politik schwächt nicht nur die Grossmacht selbst, sondern auch den freiheitlichen Westen als Ganzes.Der Konflikt zwischen China und den USA wird die Welt für die nächsten Jahre und Jahrzehnte bestimmen. Die Globalisierung wird dabei nicht rückgängig gemacht. Im Gegenteil, die internationalen Verflechtungen nehmen weiter zu. Allerdings fallen Vorteile des Freihandels weg. Die Unsicherheiten in der Lieferkette nehmen zu. Es drohen Unterbrüche oder Handelsbeschränkungen. Die Wirtschaft muss sich auf schwierigere Rahmenbedingungen einstellen.Der Iran-Krieg zeigt, wie rasch ein regionaler Konflikt globale Folgen hat. Auch unbeteiligte Staaten leiden darunter. Chinas Staatschef Xi Jinping hat dies erkannt, als er anlässlich des Besuchs von Donald Trump im Mai warnend sagte: Ein Konflikt zwischen den beiden Grossmächten würde ihnen selbst und der gesamten Welt schaden. Dieser Konflikt hat bereits begonnen. Offen ist nur, wie stark er eskalieren wird.Passend zum Artikel
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Der Kampf um die neue Weltordnung ist im Gange. Er wird nicht wir frühere Weltkriege geführt, sondern als jahrzehntelanger hybrider Konflikt.











