New York verfällt dem Knicks-Fieber: Warum Basketball-Tickets plötzlich 7000 Dollar kostenDie Basketballer der New York Knicks könnten die erste grosse Sporttrophäe seit Jahren in die amerikanische Metropole bringen. Die New Yorker lassen es sich sehr viel kosten, live dabei zu sein.05.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenSehen und gesehen werden: Im Play-off-Spiel zwischen den New York Knicks und den Cleveland Cavaliers sassen die üblichen Verdächtigen in der «Celebrity Row», unter ihnen Ben Stiller (links) und Timothée Chalamet (rechts).Brad Penner / Imagn ImagesDie New Yorker sind ein reiches und kompetitives Völkchen. Sie geben viel Geld dafür aus, um am richtigen Ort gesehen zu werden: 98 Dollar zuzüglich Trinkgeld und Steuern für das Veal Parmigiana im «Carbone», einem trendigen italo-amerikanischen Restaurant. Oder 785 Dollar für zwei gute Plätze im Broadway-Hit «Hamilton».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Ökonom Fred Hirsch sprach von «Positionsgütern»: Dinge, die ihren Wert nur dadurch erhalten, dass sie so rar und teuer sind, und ihrem Eigentümer daher einen hohen sozialen Status versprechen. In New York kommen und gehen solche Positionsgüter im Jahresrhythmus. Früher war es der Liegeplatz am Pool des exklusiven Mitgliederklubs Soho House; jedenfalls bis der vor seinem Börsengang 2021 begann, zu viele neue Leute hineinzulassen.Treue Fans könnten reich werdenDas neueste Statussymbol, um das sich die New Yorker reissen: Basketball-Tickets. Seit die New York Knicks wieder richtig gut Basketball spielen und nun gegen die San Antonio Spurs in den NBA-Finals antreten, gibt es kein Halten mehr. Tickets für die beiden Heimspiele kosten um die 2000 Dollar, wenn man sich mit den billigen Plätzen begnügt – von den Amerikanern «nosebleed seats» genannt, weil sie so hoch oben gelegen sind, dass man von der Höhenluft Nasenbluten kriegt. Im Durchschnitt gehen die Eintrittskarten auf der Verkaufsplattform Seatgeek für 6000 bis 7000 Dollar weg.Gute Plätze reichen weit bis in den fünfstelligen Bereich und stürzen offenbar altgediente Saisonkarteninhaber in ein Dilemma, wie amerikanische Medien berichten: Sie haben ihrem Team auch in schlechten Zeiten die Treue gehalten. Aber wenn sie den Knicks jetzt einmal illoyal werden und ihr Finalticket für 10 000 Dollar oder mehr verkaufen, könnten sie einen Teil ihrer Studienschulden bezahlen oder sich sogar ein neues Auto leisten.An Apéros rechnen einem New Yorker Banker derweil vor, dass es inklusive Flug und Hotel günstiger sei, sich ein Spiel in San Antonio im fernen Texas anzuschauen anstatt im Heimstadion, im Madison Square Garden in New York. Aber im Grunde wissen alle Fans, dass Heimspiele mehr wert sind.Die Preise könnten weiter ansteigen, etwa wenn die Knicks am Freitag auch das zweite Auswärtsspiel in San Antonio gewinnen. Dann stiege nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Finalserie frühzeitig mit einem Sieg der Knicks enden könnte und es kein drittes Heimspiel in New York gäbe.Geld allein reicht nichtAuch Prominente lassen sich von der Euphorie anstecken und sichern sich mit ihren Beziehungen die ultimativen Positionsgüter: die besten Plätze in der «Celebrity Row», der vordersten Sitzreihe direkt gegenüber der Spielerbank. Man sitzt dabei so nahe am Spielfeldrand, dass man stets im Blickwinkel der Kameras und der Fotografen ist, die jede Gemütsregung für die Nachwelt erfassen.Mit Geld kann man sich diese Plätze nicht ergattern. Ein geheimes Komitee vergibt sie nach einer Reihe von Kriterien. Einerseits muss man sehr berühmt sein, andererseits aber auch ein loyaler Fan und einigermassen beliebt bei der Fanbasis der Knicks. Der Filmemacher Spike Lee oder der Schauspieler Ben Stiller haben das Team seit Jahrzehnten von der Seitenlinie aus unterstützt und sind daher ständig in der «Celebrity Row» anzutreffen. Auch die Sängerin Alicia Keys oder Timothée Chalamet sind regelmässige Gäste.Chalamet schafft jeweils den Cut, weil er zum einen im nahen Quartier Hell’s Kitchen aufgewachsen ist und seit über 15 Jahren regelmässig Knicks-Spiele besucht. Zum anderen, weil er einen hohen Glamour-Faktor mitbringt: Er zählt zu den bekanntesten Schauspielern seiner Generation und ist mit dem Superstar Kylie Jenner aus dem Kardashian-Clan zusammen. Diese weist auf Instagram immerhin 382 Millionen Follower auf.Ein Vetorecht, wer die Spiele besuchen darf, kommt dem Knicks-Besitzer James Dolan zu, dessen Familie auch der Madison Square Garden gehört. Für Spiel 3, das am kommenden Montag stattfindet, soll Dolan sogar Donald Trump eingeladen haben, berichtete «The Athletic», das Sportmagazin der «New York Times». Trump wäre der erste amtierende US-Präsident, der sich ein NBA-Finalspiel anschaut. Er ist zwar gebürtiger New Yorker, in der politisch linken Stadt und unter Knicks-Fans aber nicht sehr beliebt. Er müsste sich auf Buhrufe einstellen, wenn er auf der Videoleinwand im Stadion zu sehen wäre.Eine Stadt wird emotionalDie New Yorker kokettieren damit, besonders tough zu sein. Doch seit dem Siegeszug ihres Basketballteams zeigen sie sich von einer ungewohnt emotionalen Seite: Als die Knicks am Montag vor einer Woche die Cleveland Cavaliers auswärts mit 130 zu 93 wegputzten und erstmals seit 27 Jahren wieder in den NBA-Final einzogen, verfiel New York in kollektiven Freudentaumel. Tausende Fans strömten auf die Strassen von Midtown Manhattan, legten den Verkehr auf weiten Teilen der Sixth Avenue lahm und feierten das Ende einer langen Durststrecke.Viele jüngere Fans waren noch gar nicht auf der Welt, als die Knicks letztmals so erfolgreich waren. In den vergangenen 25 Jahren verpassten sie die Play-offs regelmässig. Man mag den New Yorker Sportfans den Übermut nachsehen, wurden sie in den vergangenen Jahren doch, über alle grossen amerikanischen Sportarten hinweg gesehen, nicht von Erfolg verwöhnt: Die beiden Football-Teams haben nur wenig auf die Reihe gebracht, seit der Quarterback Eli Manning die Giants 2008 und 2012 zum Super Bowl geführt hatte. Auch die Eishockey- und Baseball-Teams warten schon lange auf einen grossen Titel.Auch an den lange erfolglosen Knicks sind die New Yorker fast verzweifelt. Aber jetzt können sie dabei sein, wenn Sportgeschichte geschrieben wird: Manche sagen, das sei unbezahlbar. Andere geben dafür einfach 7000 Dollar auf Seatgeek aus.Passend zum Artikel
Eine Stadt im Basketball-Fieber: warum New Yorker 7000 Dollar für Knicks-Tickets zahlen
Die Basketballer der New York Knicks könnten die erste grosse Sporttrophäe seit Jahren in die amerikanische Metropole bringen. Die New Yorker lassen es sich sehr viel kosten, live dabei zu sein.













