Es ist der 2. Juni, 17 Uhr, Berlin-Lankwitz. Hinter einer unscheinbaren Fassade liegt der Candy-Shop – ein Bordell, das sich selbst als seriösen Betrieb versteht. Heute ist internationaler Hurentag, ein Datum, das seit Jahrzehnten an die Rechte und auch an die oft gefährliche Lage von Sexarbeiterinnen weltweit erinnert. Johanna Weber, seit über 30 Jahren in der Branche und heute politische Sprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen, sitzt gegenüber. Neben ihr: Aurel Johannes Marx, Betreiber des Hauses. Was sie erzählen, unterscheidet sich erheblich von dem, was in der Bundespolitik gerade vorbereitet wird.
Die politische Sprecherin des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen, Johanna Weber, posiert in einem der Arbeitszimmer des Bordells.
© Thomas Meyer/Ostkreuz
Ein Milliardenmarkt, den fast niemand sehen will
Die Dimensionen des Marktes sind kaum fassbar: Schätzungen von Beratungsstellen und Fachverbänden zufolge kaufen in Deutschland täglich bis zu eine Million Männer Sex. Dem gegenüber stehen zuletzt rund 32.000 nach dem Prostituiertenschutzgesetz angemeldete Sexarbeiterinnen – bundesweit. Die Lücke zwischen Nachfrage und offizieller Realität zeigt, wie groß der unregulierte Bereich ist. Und warum so viele Frauen in der Grauzone arbeiten: aus Angst vor Stigmatisierung, aus Angst vor Behörden.







