Der Iran-Krieg ist lukrativ: Schweizer Rohstoffhändler wie Trafigura und Glencore verdienen prächtigDas Geschäft mit Öl floriert. Trafigura erzielt eines der besten Halbjahresergebnisse. Aber Vorsicht bleibt: Wird die Krise zu gross, wird sie auch für die Händler zum Problem.04.06.2026, 16.36 Uhr4 LeseminutenDer Iran-Krieg eröffnet neue Wege für Händler: Ein Tanker mit amerikanischem Rohöl wird vor Japans Küste zum Entladen geschleppt.Kyodo / ReutersDie Schweiz ist eine wichtige Drehscheibe des Rohstoffhandels. Seit Beginn des Iran-Kriegs rotiert diese Scheibe auf Hochtouren. Viele der Handelsgesellschaften in Genf und Zug kaufen und verkaufen Erdöl und Erdölprodukte. Das sind zunehmend knappe und begehrte Brennstoffe, weil die Exporte aus den Golfländern drastisch eingeschränkt sind. Inmitten der Tumulte zwischen den USA und Iran bieten sich für Händler grosse Chancen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Einen Vorgeschmack auf das neue Gewinnpotenzial gibt Trafigura, einer der weltgrössten Ölhändler, dessen wichtigste Handelsabteilung in Genf angesiedelt ist. In den sechs Monaten bis Ende März 2026 erzielte der Rohstoffgigant einen Reingewinn von 4,1 Milliarden Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum und das beste Halbjahresergebnis seit der europäischen Energie-Krise durch den Ukraine-Krieg.Sprudelnde Gewinne aus dem ÖlhandelIn Trafiguras Geschäftszahlen ist nur der Anfang des Iran-Kriegs enthalten, nämlich die vier Wochen seit dem Kriegsausbruch Ende Februar. Das Unternehmen schlüsselt den Geschäftsverlauf nicht detaillierter auf. Ein «substanzieller Teil» des Gewinns sei bereits von Oktober bis Dezember 2025 angefallen, betonte es am Donnerstag.Auffällig ist, wie stark der Handel mit Energieträgern zum Halbjahresgewinn beitrug. Der Betriebsgewinn in diesem Bereich hat sich auf 6,6 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Er stellte den Gewinn aus dem Handel mit Metallen, zum Beispiel Kupfer, deutlich in den Schatten.Der Kriegsmonat März dürfte signifikant dazu beigetragen haben. Bis zum Ausbruch des Konflikts befand sich der Erdölpreis im Sinkflug und lag tiefer als im Vorjahreszeitraum. Durch den Kriegsbeginn Ende Februar verteuerte sich das Erdöl schlagartig und notiert seither auf dem höchsten Niveau seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022.Trafigura betont, erhöhte Rohstoffpreise seien nicht per se ausschlaggebend für die Gewinnentwicklung. Entscheidend sei die Komplexität der Versorgungslage. Tatsächlich tun sich für Händler lukrative Möglichkeiten auf, wenn am Markt solch ein Durcheinander herrscht wie derzeit.Wenn die Preise für Ölprodukte je nach Land und Region stark variieren, können die Trader beim Dirigieren von Lieferungen an die rentabelsten Orte gut verdienen. Trafigura betreibt nach eigenen Angaben die weltgrösste Flotte von Öltankern, ist aber gleichzeitig nicht erheblich im Nahen Osten engagiert und deshalb weniger von Lieferausfällen betroffen.Wird die Krise zu gross, trifft sie auch die HändlerGelegenheiten bieten sich an vielen Orten – zum Beispiel in den USA. Amerika hat die Ölexporte seit Beginn des Iran-Kriegs stark ausgeweitet. Viele Tanker wurden an die Küsten der USA umgeleitet, um von dort den Rest der Welt zu versorgen. Selbst Teile der strategischen Ölreserven, die in den USA nicht an lokale Raffinerien, sondern an Ölhändler abgegeben werden, wurden exportiert. Trafigura erhalte signifikante Mengen aus diesen Reserven, teilte die Firma mit.Das dürfte das Geschäft vor allem im laufenden Quartal beflügeln. Auch seit Anfang April seien die Geschäfte «gut» verlaufen, kommentierte Trafigura. «Je mehr Schocks es gibt, desto relevanter sind wir für unsere Kunden», sagte Finanzchef Stephan Jansma in einer Videobotschaft. Eine Prognose für das Gesamtjahr traut er sich aber nicht zu.Das ist verständlich, denn der Verlauf des Iran-Konflikts ist kaum vorherzusagen. Ein schneller Frieden zwischen Washington und Teheran würde eine Rückkehr zur Normalität ermöglichen. Hält hingegen die Blockade der Strasse von Hormuz an, könnte der Mangel an Öl die Weltwirtschaft empfindlich schwächen. Dann leidet auch die Nachfrage nach anderen Rohstoffen.Trafigura-Chefökonom Saad Rahim konstatierte, die Welt sei an einem kritischen Punkt, weil sich Öllager derzeit schnell leerten. Für einen Angebotsschock dieses Ausmasses gebe es schlichtweg nicht genug Öl, um die Nachfrage zu befriedigen.Auch die starken Schwankungen des Erdölpreises sind ein potenzielles Problem: Sie können dazu führen, dass die Händler an den Rohstoffbörsen viel Geld für Finanzinstrumente nachschiessen müssen, mit denen sie ihre Geschäfte absichern. Trafigura hat sich deshalb bei Banken eine Kreditlinie über 3 Milliarden Dollar gesichert, musste sie allerdings bis heute nicht antasten.Auch Glencore profitiertSomit ist nicht garantiert, dass die Rohstoffhändler die Rekordgewinne der Ukraine-Krise wiederholen können. Darauf deuten auch die Erwartungen der Finanzanalysten für den börsenkotierten Rohstoffriesen Glencore mit Sitz in Zug hin.Die Analysten sagen Glencore derzeit für 2026 im Durchschnitt einen Reingewinn von 6,9 Milliarden Dollar voraus. Das wäre erheblich mehr als im vergangenen Jahr und eines der besten Ergebnisse der jüngsten Firmengeschichte – aber weniger als halb so viel wie im Jahr 2022, als die Ukraine-Krise losbrach.Glencore hat bereits mitgeteilt, dass der Betriebsgewinn des Handelsgeschäfts im ersten Quartal 2026 so gut ausgefallen ist, dass die Zielspanne für dieses Segment im Gesamtjahr «komfortabel» übertroffen werde. Die Bank of America erwartet hier 4,1 Milliarden Dollar. Während der Ukraine-Krise im Jahr 2022 fuhr das Handelsgeschäft einen Betriebsgewinn von 6,4 Milliarden Dollar ein.Passend zum Artikel
Lukrativer Iran-Krieg: Schweizer Rohstoffhändler Trafigura und Glencore verdienen prächtig
Das Geschäft mit Öl floriert. Trafigura erzielt eines der besten Halbjahresergebnisse. Aber Vorsicht bleibt: Wird die Krise zu gross, wird sie auch für die Händler zum Problem.








