Als eine „Oase der Erholung“ beschreibt die Stadt München den Riemer See auf dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau. Die Stadtratsfraktion ÖDP/Bündnis Kultur/München Liste ist da skeptischer und bezieht sich in einer Anfrage an Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) auf die aktuelle Badegewässer-Bewertung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention. Dort wird der Riemer See – zumindest am Nordufer – als mangelhaft eingestuft.Bei der Bewertung von Badeseen sind hauptsächlich die Messungen zu Escherichia coli und intestinalen Enterokokken maßgeblich. Erhöhte Werte dieser Bakterien können laut ÖDP auf eine Verschmutzung des Wassers beispielsweise durch Fäkalien von Vögeln hinweisen. Insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem könne eine Belastung zu gesundheitlichen Beschwerden wie Fieber, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen führen.„Der Riemer See ist einer der beliebtesten Badeseen Münchens. Tausende Menschen verbringen hier ihre Freizeit und verlassen sich darauf, dass die Wasserqualität stimmt“, sagt Johann Sauerer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. „Umso alarmierender ist es, dass ausgerechnet München das einzige mangelhaft bewertete Badegewässer in ganz Bayern hat. Wir dürfen nicht akzeptieren, dass ein Badeausflug im schlimmsten Fall krank macht.“ Mit ihrer Anfrage will die ÖDP nun unter anderem klären, wann die Stadtverwaltung über die mangelhafte Bewertung informiert wurde und welche Sofortmaßnahmen ergriffen werden.Das Gesundheitsreferat der Stadt, das die Wasserproben an den Seen entnimmt, gibt hingegen Entwarnung. Bei der Einstufung handle es sich um ein „retrospektives Gesamturteil“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit: In die Bewertung fließen demnach nicht nur aktuelle Messwerte ein, sondern auch die der drei vorangegangenen Jahre. Und in den Jahren 2023 und 2024 habe es tatsächlich kurzzeitige Verschmutzungen gegeben. Das Gesundheitsreferat vermutet, dass der Kot von Wasservögeln die Ursache dafür war.Seit Sommer 2024 habe man daher mehrere Maßnahmen eingeleitet, um die punktuelle mikrobielle Belastung zu reduzieren. Grünflächen rund um den See werden öfter gemäht, es wurden mehr Mülleimer aufgestellt, die zudem krähensicher sein sollen, und während der Badesaison wird mittlerweile täglich gereinigt. Auch wird das Fütterungsverbot stärker durchgesetzt. All das soll dazu führen, dass sich weniger Wasservögel am Ufer aufhalten, die den See potenziell verschmutzen könnten.Dem Gesundheitsreferat zufolge wirken die Maßnahmen: Bereits in der Saison 2025 seien die Proben „durchweg unauffällig“ gewesen. Auch die ersten Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2026 würden darauf hindeuten, dass die Qualitätsanforderungen jetzt wieder durchgängig eingehalten werden. Das Baden sei „überall bedenkenlos möglich“. Auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit habe angesichts der Entwicklung kein Badeverbot ausgesprochen. Um die Situation im Blick zu behalten, will das Gesundheitsamt in der aktuellen Saison an drei zusätzlichen Stellen Proben entnehmen. Alle zwei Wochen soll das Wasser untersucht werden.Nach Ansicht der ÖDP muss die Bewertung weitere Konsequenzen haben. „Vor allem erwarten wir, dass die Erfahrungen aus dem Riemer See unmittelbar in die Planungen für den neuen Badesee in Freiham einfließen“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Johann Sauerer.