Ein Vormittag vergangenes Wochenende, am Flughafen Cork trinken manche der wartenden Passagiere ihren ersten Kaffee, neben ihnen sitzen bereits wieder eingeschlafene Männer. Flankiert sind sie von halb leeren Biergläsern, man ist ja fast im Urlaub, Guinness natürlich, man ist schließlich noch in Irland. Solche Szenen sind nicht ungewöhnlich auf den britischen Inseln, für viele gehört der Absturz vor dem Boarding schon zur Reise, in Irland wie im Vereinigten Königreich. Nur ab und zu machen die Betrunkenen richtig Ärger, aber in einem so sensiblen Betrieb wie dem des Fliegens ist ab und zu dann doch oft genug. Mittlerweile passiert es so häufig, dass die Politik in die Angelegenheit eingreift.„Jeder sollte am Flughafen ein Pint genießen können, aber unsoziales Verhalten an Bord von Flügen ist absolut inakzeptabel“, sagte ein Vertreter der britischen Regierung Anfang der Woche der BBC. Die Rüpel gefährdeten im Vollrausch die Sicherheit der Passagiere und der Besatzung. Nach Angaben der britischen Zivilluftfahrtbehörde stieg die Zahl der Meldungen über gewalttätige oder randalierende, in den meisten Fällen betrunkene Fluggäste von 390 im Jahr 2019 in den folgenden vier Jahren auf 1245, seither ist die Zahl durchwegs vierstellig geblieben.Noch diesen Juni – laut Statistik traditionell der wildeste Monat – will sich das britische Verkehrsministerium mit den Fluglinien darüber abstimmen, auffällig gewordene Passagiere in einer Datenbank zu registrieren. Auf diese schwarze Liste sollen dann sämtliche Airlines zugreifen können. Bislang kann ein Kunde, den ein Anbieter wegen früheren Fehlverhaltens schon nicht mehr mitnimmt, einfach bei der unwissenden Konkurrenz buchen – und womöglich seinen Mitreisenden wieder einen Flug vermiesen. Drei Viertel der Briten würden laut Umfrage die geplante schwarze Liste begrüßen.Ryanair-Chef Michael O`Leary rechnet in der Times vor, dass vor zehn Jahren im monatlichen Durchschnitt vier seiner Maschinen unplanmäßig hätten landen müssen, weil sich jemand an Bord massiv daneben benommen hat. Heute liege die Zahl bei dreißig. Wobei der Alkohol nicht alleine die Schuld an der Entwicklung trage, sagt der irische Unternehmer und schimpft auf die „Leute, die sich Pulver in die Nase ziehen“. Früher hätten müde getrunkene Passagiere, siehe Cork, nach dem Einsteigen in das Flugzeug einfach weitergeschlafen. „Heute gibt es eine Mischung aus Alkohol und Drogen, die Leute wollen sich prügeln, sie sind total aufgedreht“, sagt er. „Und die Frauen sind dabei genauso schlimm wie die Männer.“Auch frühe Flüge sind betroffen. Normale Pubs dürfen im Vereinigten Königreich erst ab dem späten Vormittag Alkohol ausschenken, für die Pubs am Flughafen gilt die zeitliche Begrenzung nicht. Und das, sagen nun die Verteidiger des zweifelhaften Brauchs, sei eben „Teil der Magie“. So beschreibt es ein Kolumnist des Telegraph in seiner Replik auf die Forderungen nach Limits. Das Bier vor dem Flug markiere den Urlaubsbeginn, es am frühen Morgen zu trinken, liege außerhalb der gängigen gesellschaftlichen Normen, „magic“, also „bitte, lasst uns unser Frühstücksbier“.