Der Aufstieg des «kleinen Trumps»: Der amerikanische Präsident installiert Bill Pulte als vorläufigen GeheimdienstkoordinatorDer Erbe eines Immobilienimperiums übernimmt in Washington interimistisch das wichtige Amt des Geheimdienstkoordinators. Überzeugt hat Bill Pulte den Präsidenten mit seiner Loyalität und einem Stil, der an Trump selbst erinnert.04.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenBill Pulte steigt in Washington vom Chef der Wohnfinanzierungsbehörde zum interimistischen Geheimdienstkoordinator auf.Bonnie Cash / CNP / ImagoEs war ein kühner Vorschlag, den Bill Pulte neulich Donald Trump unterbreitete. Nach dem Rücktritt der bisherigen Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard vor zehn Tagen brachte sich Pulte gleich selbst als Nachfolger ins Spiel. Kühn war diese Idee darum, weil der Immobilienmagnat Pulte überhaupt keine Erfahrung im Geheimdienst- und Sicherheitsbereich oder in der Aussenpolitik mitbringt. Innerhalb der Trump-Regierung hatte er bisher bloss als Chef der technokratischen Wohnfinanzierungsbehörde FHFA gedient.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In dieser Funktion hatte Pulte Trump mit seiner Loyalität beeindruckt und mit dem Willen, Verfahren gegen politische Gegner des Präsidenten anzustrengen. Nun versprach Pulte, er werde die aussenpolitische Agenda des Präsidenten und sein Vorgehen in Iran bedingungslos unterstützen. Trump liess sich überzeugen und setzte Pulte am Dienstag als interimistischen Geheimdienstkoordinator ein – auch zur Überraschung etlicher Mitarbeiter und Verbündeter.Geldgeschenke auf TwitterDenn der 38-jährige Pulte ist alles andere als ein klassischer Spitzenbeamter. In Washington wird er mitunter als der «kleine Trump» bezeichnet, weil sein politischer Stil, aber auch seine Biografie Parallelen zum Werdegang seines grossen Vorbilds aufweisen.Als Enkel von William J. Pulte, der das gigantische Bauunternehmen Pulte Group aufbaute, wuchs Bill Pulte in sehr vermögenden Verhältnissen in Florida auf. Früh fiel er durch sein Sendungsbewusstsein auf. An der Northwestern University in Chicago studierte er Rundfunkjournalismus. Vor seinem Eintritt in die Politik machte er sich einen Namen mit seiner «Twitter-Philanthropie»: Er verschenkte auf der Online-Plattform spontan Bargeld an seine Follower, womit er sich als unkonventionellen Wohltäter inszenierte und sich eine treue Fangemeinde in den sozialen Netzwerken aufbaute.Als ausdrücklicher Befürworter des Iran-Kriegs hebt sich Pulte von seiner Vorgängerin Tulsi Gabbard ab. Die 45-jährige ehemalige demokratische Abgeordnete hatte ihren Rücktritt Ende Mai mit der Krebserkrankung ihres Mannes begründet. Doch hatten sich vor ihrem Abgang die Hinweise gehäuft, dass Gabbard Trumps Gunst zu verlieren drohte. Zuletzt war sie zu sicherheitsrelevanten Sitzungen gar nicht mehr eingeladen gewesen.Gabbard galt als Kritikerin einer interventionistischen Aussenpolitik. Sie begründete dies mit den Lektionen, die sie als Reservistin im Irak-Krieg gelernt habe. Als Reaktion auf den Iran-Krieg sind auch andere Isolationisten aus Gabbards Umfeld zurückgetreten. Zu ihnen gehörte der ehemalige Direktor des nationalen Zentrums für Terrorabwehr, Joe Kent, der den Einfluss kritisierte, den Israel angeblich auf den amerikanischen Präsidenten ausübe. Auch Amaryllis Fox Kennedy, Gabbards Stellvertreterin und die Schwiegertochter des Gesundheitsministers Robert F. Kennedy, hat ihren Abgang angekündigt.Die bisherige Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard hat ihren Rücktritt mit der Krebserkrankung ihres Mannes begründet.Alex Brandon / APSkepsis im SenatDer Posten des Geheimdienstkoordinators gehört zu den einflussreichsten Ämtern im amerikanischen Regierungsapparat. Der Koordinator ist für die Abstimmung der achtzehn Geheimdienste der Bundesregierung zuständig. Damit greift er zwar nicht operativ in die Arbeit der Dienste ein, kann aber über das Budget und strategische Vorgaben Einfluss nehmen. Zudem hat der Koordinator die wichtige Aufgabe, den Präsidenten täglich mit einer vertraulichen Zusammenfassung der Analysen und Lagebeurteilungen der Geheimdienste zu versorgen. Wichtig ist dabei, dass er dem Präsidenten die ungeschönten Erkenntnisse präsentiert und ihm nicht nach dem Mund redet.Da es sich um eine vorläufige Ernennung handelt, darf Pulte seinen neuen Posten maximal bis Ende Jahr ausüben. Trump, der das Ende des Iran-Kriegs seit längerem herbeizureden versucht, dürfte hoffen, dass der Konflikt bis dann tatsächlich vorbei ist. Denkbar ist, dass er in einem zweiten Schritt versuchen wird, Pulte als permanenten Geheimdienstkoordinator einzusetzen.Für eine dauerhafte Ernennung wäre eine Bestätigung durch den Senat erforderlich. In ersten Reaktionen zeigten sich neben den Demokraten auch einige Republikaner skeptisch. «Ich sehe keinerlei Hinweise auf eine Qualifizierung für den Job» sagte der Texaner John Cornyn. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, John Thune, spielte derweil auf die Befürchtung an, Pulte könnte sein neues Amt nutzen, um gegen Trumps Gegner vorzugehen. «Wir können keine politische Instrumentalisierung des Geheimdienstkoordinators gebrauchen», sagte Thune.Diese Befürchtungen gründen in Pultes Amtsführung als Chef der Wohnfinanzierungsbehörde FHFA. Dort war er für die Aufsicht über die staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zuständig, wobei er sich selbst auch gleich als Vorsitzenden der beiden Finanzinstitute installierte.Vor allem aber nutzte er sein Amt, um gegen Trumps Kritiker vorzugehen. 2021 strengte er gegen die Gouverneurin der Zentralbank Federal Reserve, Lisa Cook, ein Verfahren wegen angeblichen Hypothekenbetrugs an. Wegen ähnlicher Vorwürfe gerieten auch die New Yorker Justizministerin Letitia James sowie Adam Schiff, ein demokratischer Senator aus Kalifornien, ins Visier der FHFA. Nachdem Trump Cook aufgrund der Vorwürfe der FHFA entlassen wollte, hat diese eine Gegenklage eingereicht, die vor dem Supreme Court hängig ist.Unkonventioneller StilMit seinem forschen und unkonventionellen Stil machte sich Pulte innerhalb der Regierung nicht nur Freunde. Laut dem «Wall Street Journal» soll er Trumps Entourage mit seinen wiederholten Versuchen verärgert haben, die internen Abläufe zu umgehen und sich direkt bei Trump einzuschmeicheln. So suche er den Präsidenten gerne an Wochenenden auf dem Golfplatz auf, um ihn mit Themen fernab seines eigentlichen Portfolios zu konfrontieren. Oft führe er dabei grosse Postertafeln mit sich, auf denen er Trump seine Argumente unterbreite.Zu einem offenen Streit soll es im vergangenen Jahr zwischen Pulte und Finanzminister Scott Bessent gekommen sein. Als Bessent zu Ohren kam, dass Pulte ihn bei Trump schlechtrede, soll er laut Medienberichten damit gedroht haben, ihm mit der Faust ins Gesicht zu schlagen.Doch der Präsident hielt stets an Pulte fest. Dieser dankte es Trump mit seiner loyalen Unterstützung im Iran-Krieg. Zu den Aufgaben der FHFA zählt eigentlich, der amerikanischen Bevölkerung den Zugang zu erschwinglichem Wohneigentum zu erleichtern. Dennoch zeigte sich Pulte ob des Anstiegs der Hypothekarzinsen als Folge des Konflikts gänzlich unbesorgt. «Das ist alles nur temporär», sagte er dem «Wall Street Journal» im März. «Schon bald wird Iran keine Bedrohung mehr für die Welt darstellen.»Passend zum Artikel
Bill Pulte wird Trumps Geheimdienstkoordinator: Ein «kleiner Trump» in Washington
Der Erbe eines Immobilienimperiums übernimmt in Washington interimistisch das wichtige Amt des Geheimdienstkoordinators. Überzeugt hat Bill Pulte den Präsidenten mit seiner Loyalität und einem Stil, der an Trump selbst erinnert.










