Am Donnerstag ist wieder so ein Feiertag, von dem nicht jeder auf Anhieb weiß, was da eigentlich gefeiert wird. Zwar stehen die Touristen bereit, wenn die in Trachten herausgeputzten Gläubigen in Booten über den Staffelsee pilgern oder in Bamberg Dutzende Männer die geschmückten Heiligenfiguren und das gut sechs Zentner schwere Domkreuz durch die Stadt schleppen. Schließlich lässt sich die barocke Sinnesfülle, die das katholische Bayern einst prägte, an kaum einem anderen Tag noch so bestaunen wie an Fronleichnam.Aber wieso noch mal? „Do kummd der Hergott ja nei die Strass“, so erklärt es ein altes Sprichwort der Bamberger Gärtner, die das Fest so intensiv feiern, dass sie am Sonntag nach Fronleichnam gleich noch eine zweite Prozession abhalten, die sogenannte Bratwurst-Prozession.Die heißt so, weil die Träger der Heiligenfiguren immer dann, wenn die Prozession einen Altar erreicht und der Pfarrer zum Gebet ansetzt, ihre Figur absetzen und kurz entschwinden, um eine Bratwurst zu essen und ein Bier zu trinken. Das dient allein der körperlichen Stärkung, schließlich wiegen die Figuren schwer und die Wegstrecke ist lang. Das lässt sich allein mit geistlicher Erbauung schlecht meistern.Nun soll ein Bamberger Pfarrer schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts „Unandächtigkeiten“ zu Fronleichnam beklagt haben, weil geschäftstüchtige Menschen die Zugkraft der Veranstaltung erkannt und nicht nur Verkaufsstände aufgebaut, sondern bereits morgens Kneipen aufgesperrt und später einen Mittagstisch angeboten hatten. Heute noch gehören die Bratwürste im Innenhof einer Altstadt-Metzgerei für die Bamberger zur Tradition. Nach der Prozession allerdings.Der neue Bamberger Oberbürgermeister, selbst ein Gärtner, hat gerade angekündigt, dass er bei der Prozession nicht wie seine Amtsvorgänger neben den anderen Honoratioren hinter dem Allerheiligsten herlaufen will. Er wird weiter, nach alter Familientradition, im schwarzen Gehrock, mit Blumenkränzchen auf dem Kopf, zusammen mit den Kollegen eine Heiligenfigur tragen. Das „Massdä“-Bild nämlich, auf gut Fränkisch, die Meister-Darstellung, die den auferstandenen Jesus als Gärtner zeigt, daneben Maria Magdalena. Die hatte Jesus nach seiner Auferstehung erst mit dem Gärtner verwechselt, bevor sie ihn erkennt und mit Rabbuni, Meister, anspricht.Ganz schön viel Tradition, aber wieso das nun alles? Etwas formeller als die Gärtner ausgedrückt, wird der Leib des Herrn (vom althochdeutschen Wörtchen „fro“) in Gestalt der Hostie in der Monstranz aus den Kirchen hinaus in die Welt getragen. Der Glaube zeigt sich, ein Event also, immer schon. Da können ein paar Zuschauer nicht schaden. Und ein paar Bratwürste auch nicht.