Sie hinterließ ihrem Ehemann und Vater ihrer Kinder einen Abschiedsbrief. Darin stand sinngemäß, dass sie sich wegen der Corona-Maßnahmen in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen würde. Drohungen soll es in dem Schreiben nicht gegeben haben. Dann packte die im Raum Cottbus lebende Karla S. ihre Sachen, nahm ihre sieben Jahre alte Tochter und ihren acht Jahre alten Sohn – und verschwand. Die Ermittler gehen davon aus, dass Karla S. ihr Verschwinden einige Zeit geplant hatte.

Als der Familienvater von der Arbeit zurückkehrte, war die Wohnung leer. Er ging noch am selben Abend zur Polizei und erstattete Anzeige. Die Beamten leiteten gegen die Kindesmutter ein Ermittlungsverfahren wegen Entziehung Minderjähriger ein.

Das war im August 2021. In Brandenburg galt damals die sogenannte 3G-Regel. Nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete durften Gaststätten oder Veranstaltungen besuchen. An den märkischen Schulen fand wieder Präsenzunterricht statt. Doch Mädchen und Jungen mussten in der Schule und auf dem Gelände der Bildungseinrichtungen eine medizinische Maske tragen.

Fast fünf Jahre lang blieb die Suche nach der Mutter und ihren Sprösslingen erfolglos. Doch jetzt ist die Odyssee der mittlerweile zwölf und 13 Jahre alten Geschwister zu Ende. Am vergangenen Freitagnachmittag meldete sich Karla S. nach einer Öffentlichkeitsfahndung freiwillig bei der Polizei in Seelow im Landkreis Märkisch-Oderland – die 44-Jährige hatte ihre beiden Kinder dabei.