Der Schauspieler Christian Ulmen hat ein Interview der „Zeit“ über die Vorwürfe seiner Ex-Frau Collien Fernandes nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Das berichtet die Wochenzeitung in ihrer aktuellen Ausgabe. Demnach trafen sich Ulmen und die „Zeit“-Journalisten Ende März, also kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe, zu einem fünfstündigen Gespräch auf Mallorca. Der Schauspieler lebt dort. Während des Interviews soll Ulmen ausführliche Antworten gegeben haben. Auch Ulmens Medienanwalt Christian Schertz war der Zeitung zufolge beim Interview anwesend und wurde später einzeln in Berlin befragt. Beide hätten jedoch im Anschluss keine Zitate freigegeben.Es habe eine „wochenlange Auseinandersetzung über Formulierungen“ gegeben, schreibt die „Zeit“. Es sei zuvor abgesprochen gewesen, dass die Interviewten mitentscheiden dürften, welche Zitate in ihrem Namen veröffentlicht werden dürfen – ein im deutschen Journalismus übliches Vorgehen bei Interviews, die im Wortlaut erscheinen. Vorwürfe der digitalen Gewalt Der „Spiegel“ hatte am 21. März in einer Titelgeschichte über Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen berichtet. Darin warf Fernandes Ulmen vor, sie „virtuell vergewaltigt“ zu haben. Es ging um digitale sexualisierte Gewalt und mutmaßliche körperliche Übergriffe.So soll der Schauspieler unter Fernandes’ Namen Fake-Profile in sozialen Netzwerken angelegt und damit Kontakt zu Männern aufgenommen haben, darunter in ihrem beruflichen Umfeld. Auch Nacktaufnahmen und Pornos, die den Eindruck erweckten, sie zeigten Fernandes, soll Ulmen verschickt haben. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.Gegen die Berichterstattung des „Spiegels“ war Ulmen vorgegangen – und unterlag vor Gericht vorläufig in vier von fünf Punkten. Das Nachrichtenmagazin durfte über bestimmte Vorwürfe von Collien Fernandes, darunter Gewaltvorwürfe, schreiben, urteilten die Richter. Ulmens Anwälte legten nach eigenen Angaben „umgehend“ Beschwerde dagegen ein und bezeichneten die Gerichtsentscheidung als „evident rechtsfehlerhaft“. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt Collien Fernandes hatte gegen ihren Ex-Mann in Spanien Anzeige erstattet. Inzwischen hat die spanische Justiz den Fall an die deutschen Behörden abgegeben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen eines Teils der Vorwürfe gegen Christian Ulmen. Das frühere Paar hatte vor seinem Umzug nach Mallorca im Jahr 2023 in der brandenburgischen Landeshauptstadt gelebt. Die Vorwürfe von Collien Fernandes führten in Deutschland zu einer breiten Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte an, Schutzlücken im Strafrecht schließen zu wollen. (Tsp)