Unicredit kontrolliert mehr als 30 Prozent der Aktien: Die Schlinge um die deutsche Commerzbank zieht sich langsam zuIm Kampf um die Übernahme hat die italienische Grossbank ein Zwischenziel erreicht. Dass das Frankfurter Institut selbständig bleibt, wird trotz Widerstand der Politik zunehmend unwahrscheinlich.Cornelius Welp, Frankfurt03.06.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenDie Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp.Boris Roessler / DPADie Distanz zwischen Frankfurt und Mailand beträgt fast genau 730 Kilometer. Mindestens ebenso weit liegen die Meinungen von zwei in diesen Finanzmetropolen ansässigen Banken auseinander. Die italienische Unicredit meint, dass sie ihre wichtigsten Ziele bei der Übernahme der deutschen Commerzbank mehr als erreicht hat. Dagegen klagt das Frankfurter Institut einmal mehr über Foulspiel und möglichen Bluff. Dabei geht es um technische Fragen. Und ums Grundsätzliche.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die vom früheren UBS-Investmentbanker Andrea Orcel geführte Unicredit ist im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und will diese komplett übernehmen. Da deren Chefin Bettina Orlopp von diesen Plänen nichts hält, kommt es immer wieder zu Streit. Auslöser des jüngsten Disputs ist eine Meldung der Unicredit, in der sie Auskunft über ihre derzeitigen Anteile an dem deutschen Institut gibt.Laut dieser Meldung haben sich die Italiener infolge ihres im März angekündigten und im Mai lancierten Übernahmeangebots schon vier Wochen vor dessen Ablauf den Zugriff auf weitere knapp 8 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert. Vor der Offerte lag der Anteil bei knapp 30 Prozent, wobei knapp 3 Prozent auf Finanzinstrumente entfielen. Inklusive dieser hätte Unicredit also 38 Prozent der Aktien unter Kontrolle.Auf die Meldung reagierte die Commerzbank, indem sie eine Präsentation auf ihre Website stellte, laut der Unicredit lediglich 31 Prozent der Aktien kontrollieren soll. Sie liess sich als Vorwurf verstehen, dass die Italiener ihre Position absichtlich verschleiern. Wenig später widersprach Unicredit den Annahmen der Commerzbank mit einer erneuten Meldung, laut der die Bank mindestens 34,6 Prozent der Commerzbank-Aktien kontrolliert.Unstrittig ist jedoch, dass die Italiener ihren Anteil an der deutschen Bank mit der Offerte nun bereits auf deutlich mehr als 30 Prozent gesteigert haben. Damit haben sie das Ziel erreicht, das Orcel mit der Offerte verfolgt hat. Denn jenseits dieser Schwelle kann er jederzeit am Markt weitere Aktien der Commerzbank zukaufen, ohne ein weiteres formales Angebot vorlegen zu müssen.Die Italiener können Schwankungen ausnutzenDadurch kann er zum Beispiel für ihn günstige Schwankungen des Kurses ausnutzen. Die Schlinge um die Commerzbank zieht sich damit weiter zu. Wege, über die sie sich befreien könnte, scheinen immer weniger ersichtlich. Auch wenn Vertreter der Bank und Berliner Politiker weiter auf die Eigenständigkeit pochen, macht sich in Frankfurter Finanzkreisen die Meinung breit, dass der Kampf bereits entschieden ist.Dabei hat die Bank weiter alles versucht, um Investoren davon zu überzeugen, dass sie allein vor einer besseren Zukunft steht: In ihrer Mitte Mai veröffentlichten Stellungnahme lehnte sie das Angebot aus Mailand mit der Begründung ab, dass dieses die Ertragsverluste nach einer Übernahme unterschätze, die Synergien zu hoch ansetze und ausserdem einen unrealistischen Zeitplan verfolge.Die eigene «Momentum 2030» betitelte Zukunftsstrategie schaffe mit weniger Risiko mehr Wert. Der Anfang Mai präsentierte Zukunftsplan sieht unter anderem den Abbau von 3000 weiteren Stellen vor. Parallel dazu sollen die Erträge von 12 auf 17 Milliarden Euro und die Eigenkapitalrendite von 10 auf 21 Prozent steigen.Für Privatanleger ist das aktuelle Angebot von Unicredit unattraktiv. Das Gleiche gilt für die meisten institutionellen Investoren. Wenn sie sich aber in Zukunft entscheiden, Aktien zu verkaufen, könnte Unicredit diese einsammeln. Wirklich verlassen kann sich die Commerzbank deshalb bislang nur auf die Berliner Politik, die derzeit noch rund 12 Prozent der Aktien kontrolliert. Bundeskanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil haben sich zwar immer wieder gegen die Übernahme ausgesprochen. Instrumente, um diese zu verhindern, haben sie jedoch kaum zur Verfügung.Die unter anderem vom Frankfurter SPD-Abgeordneten Armand Zorn formulierte Idee, dass die staatliche Förderbank KfW Commerzbank-Aktien kaufen sollte, gilt in der Praxis als ausgeschlossen. Ein anderer Frankfurter Bundespolitiker hat kürzlich dazu aufgefordert, den Widerstand aufzugeben: Omid Nouripour, grüner Vizepräsident des Bundestages, plädierte via «Handelsblatt» für ein Ende der Blockade. Und dafür, in Verhandlungen das herauszuholen, was noch möglich ist.Passend zum Artikel
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Im Kampf um die Übernahme hat die italienische Grossbank ein Zwischenziel erreicht. Dass das Frankfurter Institut selbständig bleibt, wird trotz Widerstand der Politik zunehmend unwahrscheinlich.














