Die OECD sieht Gefahren für die globale Wirtschaft: Der Iran-Krieg erhöht das Risiko einer RezessionSogar wenn der Konflikt bald endet, ist mit einer Teuerungswelle zu rechnen. Doch die hohe Verschuldung erschwert es den Staaten, die Konsumenten zu entlasten.03.06.2026, 15.36 Uhr3 LeseminutenBlockierte Schiffe in der Strasse von Hormuz: Weder mit Bombenangriffen noch mit Verhandlungen haben es die USA geschafft, die Energielieferungen aus dem Nahen Osten zu normalisieren.Reuters / REUTERS«Der Energieschock und die steigende Inflation verschlechtern die Aussichten für die globale Wirtschaft.» Das war die Hauptbotschaft von OECD-Generalsekretär Mathias Cormann, als er die jüngsten Wachstumsprognosen seiner Organisation vorstellte. Am Tag der Präsentation flammten die Gefechte zwischen den USA und Iran wieder auf, was zu einem Anstieg des Ölpreises führte. Gleichzeitig kündigten die USA neue Zölle gegen 60 Länder an.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Besteht die Gefahr, dass diese geopolitischen Turbulenzen zu einer Rezession führen? «Je länger die Störungen anhalten, desto grösser werden auch die wirtschaftlichen und sozialen Kosten», warnte Cormann. Ins Detail ging der OECD-Chef dabei nicht. Allerdings legte seine Organisation erstmals keine Basisprognose für die globale Wirtschaft vor, sondern zwei unterschiedliche Szenarien.Selbst im positiven Fall, wenn der Krieg im Nahen Osten bald endet und die Strasse von Hormuz wieder dauerhaft geöffnet wird, erwartet die OECD eine spürbare Abkühlung der Konjunktur. Stark nach unten revidiert wurde das prognostizierte Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) in der Euro-Zone mit einem Plus von nur noch 0,8 Prozent im laufenden Jahr. Deutschland liegt mit einer Zunahme von 0,7 Prozent leicht darunter. Noch im Dezember lag die Vorhersage bei 1,0 Prozent.Amerikaner leiden unter starker InflationFür die Schweiz erwartet die OECD immerhin ein Wachstum von 1,1 Prozent. Derweil hängen die USA mit einem Anstieg von 2,0 Prozent die europäischen Länder einmal mehr ab. Aber auch in diesem eher optimistischen Szenario gerät der Lebensstandard laut Cormann unter Druck. Der Grund ist die markante Zunahme der Inflation.Einen starken Teuerungsschub erleben derzeit die Konsumenten in den USA mit einer Jahresinflation von 3,8 Prozent. Deutschland steht mit einer erwarteten Teuerungsrate von 2,7 Prozent nur wenig besser da. Positiv dagegen hebt sich die Schweiz ab, wo der Preisanstieg lediglich 0,7 Prozent erreichen dürfte.Deutlich negativer entwickelt sich die Konjunktur im Szenario eines verlängerten Nahostkonflikts. In diesem Fall könnte die Inflationsrate in den 20 grössten Ländern auf über 5 Prozent klettern. Dies würde laut OECD dann eintreten, wenn der Ölpreis von aktuell knapp 100 Dollar pro Fass längerfristig auf 115 Dollar steigt.Bleibt die weltweite Energieversorgung für längere Zeit eingeschränkt, so bringt dies zahlreiche Regierungen in ein Dilemma. Um das Abrutschen in eine Rezession zu verhindern, haben sie Massnahmen ergriffen, um den Preisschock bei der Energie und den Nahrungsmitteln abzufedern. Populär sind namentlich Steuersenkungen auf Benzin.Mathias Cormann ermahnte die Politik allerdings, solche Rabatte dürften nicht mit der Giesskanne verteilt werden. Denn sonst würde das Schuldenwachstum ausser Kontrolle geraten: «Fiskalische Massnahmen zur Abfederung des Schocks müssen gezielt denjenigen zugutekommen, die sie am dringendsten benötigen.» Laut dem OECD-Generalsekretär sei eine Mehrheit dieser Programme zu wenig zielgenau. Dadurch fehle der Anreiz, Energie zu sparen und die Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren.Schulden treiben die Zinsen nach obenZu den Ländern mit dem stärksten Schuldenanstieg gehören die USA. Das Haushaltsdefizit erreicht derzeit 8 Prozent des BIP. Der OECD-Bericht ermahnt die USA daher, die öffentlichen Finanzen nachhaltig zu sanieren. Denn die Verschuldung steige in diesem Jahr auf 128 Prozent des BIP, was zu den höchsten Quoten aller Mitgliedsländer der OECD gehöre.Mit Besorgnis wies Cormann an der Präsentation darauf hin, dass die Zinsen der Staatsanleihen weltweit deutlich gestiegen sind. Höhere Finanzierungskosten aber würden den Spielraum der Regierungen vermindern. Auch die Notenbanken könnten die Wirtschaft nicht mit einer geldpolitischen Lockerung unterstützen, weil gleichzeitig die Inflation ansteige.Eigentlich sei die Weltwirtschaft mit einer robusten Dynamik ins neue Jahr gestartet, erklärte Cormann. Je länger die Unsicherheit aber anhalte, desto stärker würden die Firmen ihre Investitionen drosseln. Das würde selbst den Boom bei der künstlichen Intelligenz ausbremsen, welche die Zuversicht an den Märkten bisher angetrieben hat.Passend zum Artikel