Die Börse, so eine alte Investorenweisheit, ist das einzige Casino, in dem die Spieler glauben, sie seien keine Spieler. Nun ist es sicher übertrieben zu sagen, dass jegliches Investieren ein Spiel ist, aber die Finanzbranche hat längst entdeckt, dass Menschen lieber spielen als investieren.Sie nutzt diese Vorliebe, um auf Kundenfang zu gehen mithilfe eines Konzepts, das sich „Gamification“ nennt. Die Idee kommt aus der Psychologie und besteht darin, spielerische Elemente in eigentlich nicht spielerische Bereiche einzubauen, um Motivation und Engagement zu steigern.Auf diese Weise versuchen Finanzunternehmen, die Nutzer ihrer Apps dazu anzuregen, dort mehr Wertpapiere zu handeln. Viele dieser Kniffe haben sich die Macher solcher Apps bei Videospielen abgeschaut. Dazu zählt beispielsweise das Konfetti oder das Feuerwerk, das als visuelle Belohnung über den Bildschirm fliegt, sobald man seinen ersten Kauf getätigt hat.Kleine psychologische Schubser, große WirkungDas ist ganz ähnlich wie in Videospielen, wenn man eine Spieletappe gewinnt. Ähnliche Belohnungs- oder Motivationseffekte haben Klänge, Farben oder Ranglisten mit den erfolgreichsten Investoren, die dazu einladen sollen, sich auf einen Renditewettlauf einzulassen. In der Psychologie bezeichnet man all dies als „Nudging“, was so viel heißt wie „schubsen“. Mit kleinen psychologischen Schubsern will man das Verhalten von Menschen beeinflussen.Warum die Anbieter ihre Apps mit spielerischen Elementen auffrischen, liegt auf der Hand: Sie verdienen umso mehr, je mehr ihre Kunden handeln. Bis 2026 finanzierten sie in Deutschland ihre extrem günstigen Tarife über sogenannte „Payment for Order Flows“ – sie leiteten die Aufträge ihrer Kunden an bestimmte Handelsplätze und bekamen dafür Provisionen.Weil die EU hinter diesem Modell Interessenkonflikte witterte, hat sie es verboten; in Deutschland gilt dieses Verbot von Juli an. Die Anbieter von Finanz-Apps werden zwar ihre Geschäftsmodelle umstellen oder haben das bereits getan, beispielsweise indem sie eigene Handelsplätze betreiben. Es ändert sich aber im Prinzip nichts daran, dass sie gut verdienen, wenn ihre Kunden rege handeln.