Die Börse ist zu kompliziert? Dieser Vorwand gilt heute nicht mehr: Mit Aktien reich werden ist kinderleichtMein erstes Mal Investieren an der Börse: Dank Finanz-Apps ist dies spielend einfach. Die neuen Technologien führen zu einer Demokratisierung der Geldanlage.13.04.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenIllustration Simon Tanner / NZZWas ist der grösste Fehler beim Sparen? Die Antwort lautet: zu wenig Geld in Aktien investieren. Wer Vermögen aufbauen will, darf sein Geld nicht auf dem Sparkonto lassen. Die Banken zahlen darauf praktisch keinen Zins mehr.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das war nicht immer so: Über die letzten fünfzig Jahre lag der Sparzins in der Schweiz im Schnitt bei rund 2 Prozent. Trotzdem hat die Inflation den allergrössten Teil der Erträge wieder weggefressen. Wer im Jahr 1975 10 000 Franken auf ein Sparheft einzahlte, besitzt heute teuerungsbereinigt gerade einmal 12 000 Franken.Ganz anders sieht es aus, wenn man vor fünfzig Jahren 10 000 Franken an der Börse investierte. Der Wert eines diversifizierten Portfolios aus Schweizer Aktien ist bis heute auf stattliche 320 000 Franken angewachsen. Auch diese Summe ist teuerungsbereinigt. Schweizer Aktien erzielten in dieser Zeit eine reale jährliche Rendite von 7,3 Prozent – nominal waren es sogar 8,9 Prozent.Diese Berechnungen sind zwar hypothetisch. Die anfallenden Gebühren und Steuern sind nicht berücksichtigt. Zudem mussten die Dividenden reinvestiert werden. Dennoch: Die Überlegenheit der Aktienanlage ist eklatant. Wenn aber die Fakten so klar sind: Warum gibt es trotzdem viele Leute, die Aktien verschmähen?Mein erstes Mal investierenSei es der erste Immobilienerwerb, die ersten Kinder oder auch der erste Verlust: Die NZZ zeigt in dieser Serie, worauf man beim erstmaligen Investieren oder bei neuen Lebensumständen achten muss und wo die Fallstricke sind.Alle Artikel dieser Serie anzeigenJeder Zweite bleibt der Börse fernLaut einer Erhebung der Hochschule Luzern hat die Hälfte der Bevölkerung keinerlei Geld in Wertschriften angelegt. Bei den Frauen erreicht der Anteil sogar 60 Prozent. Die Schweizer Privathaushalte bunkern ihre Ersparnisse am liebsten auf dem Sparkonto. Die Summe aller Bankeinlagen und Bargeldreserven erreicht laut Statistik der Nationalbank knapp 1000 Milliarden Franken – das sind über 100 000 Franken pro Kopf.Die häufigste Erklärung für den Verzicht auf Aktien lautet, man habe zu wenig Interesse an Finanzthemen. Auf Rang zwei folgt gemäss der Analyse der Hochschule Luzern die Begründung, der nötige Aufwand werde als zu hoch wahrgenommen.Diese Argumente sind allerdings schwach: Denn noch nie war es so einfach, Geld in Aktien zu investieren. Dem Internet sei Dank hat das Investieren in den letzten Jahrzehnten eine eindrückliche Demokratisierung durchlaufen. Früher war der Zugang hauptsächlich wohlhabenden und finanziell versierten Personen vorbehalten. Heute dagegen genügt es, auf dem Smartphone eine App herunterzuladen. Mit wenigen Klicks kann jeder aus einem breiten Angebot an Anlagen auswählen und zum Aktionär werden.Ebenso wichtig ist die sekundenschnelle Verfügbarkeit der relevanten Informationen an den Finanzmärkten. Dass wie früher ein paar wenige Insider den grossen Reibach machen, während den Laien die Brosamen übrig bleiben, ist heute kaum noch der Fall. Ökonomen sprechen von einer hohen Markteffizienz.Das passive Investieren boomtDas Verschwinden der Informationsvorsprünge hat auch den Aufstieg der Indexanlagen ermöglicht. Diese passiven Investments bilden eine Länderbörse wie die Schweiz oder ein bestimmtes Marktsegment eins zu eins ab. Ein Fondsmanager, der aktiv einzelne Aktien analysiert und kauft, ist damit nicht mehr nötig.Das passive Investieren ist bequem und vor allem auch kostengünstiger. Aus diesem Grund erzielen viele dieser Indexprodukte – in der Regel sind es Exchange-Traded Funds (ETF) – höhere Renditen als aktiv verwaltete Fonds. Der Vorwand, als Anleger brauche man zu viel Zeit oder Wissen fürs Investieren, gilt daher nicht mehr. Mit einem ETF auf den Swiss-Market-Index (SMI) zum Beispiel kann man sich den Schweizer Aktienmarkt ins Depot holen. Oder mit einem ETF auf den MSCI World die weltweit 1300 grössten kotierten Firmen aus 23 Ländern.Nehmen wir als Beispiel den grössten Staatsfonds der Welt, jenen von Norwegen, der ein Vermögen von 1,8 Billionen Euro verwaltet. Seit seiner Gründung 1996 hat er eine jährliche Rendite von 6,6 Prozent erzielt, im letzten Jahr waren es gar 15 Prozent. Im Internet findet man Anleitungen, wie man das Portfolio dieses Fonds auf unkomplizierte Art mithilfe von ETF nachbauen kann.Dank den neuen Technologien ist es zwar sehr einfach geworden, sein Geld zu investieren. Umso mehr allerdings sollte man einige Grundprinzipien beachten. Dazu gehört namentlich eine breite Diversifikation. Viele ETF weisen diesbezüglich Mängel auf. Es lohnt sich daher, die Zusammensetzung der Indexanlage genauer zu prüfen. Den meisten Investoren ist nicht bewusst, dass solche ETF oft Klumpenrisiken aufweisen.Vorsicht vor KlumpenrisikenDer beliebte Index MSCI World zum Beispiel besteht zwar aus 1300 Aktien. Doch trotz der Bezeichnung «World» gehen über 70 Prozent des angelegten Geldes in die USA. Weit abgeschlagen folgt Japan mit 6 Prozent auf dem zweiten Rang.Beim amerikanischen Leitindex S&P 500 sind es primär die grossen Tech-Konzerne, die zu einer problematischen Konzentration führen. So vereinen allein die zehn grössten Aktien 40 Prozent der Marktkapitalisierung auf sich. Das bedeutet: Falls die Euphorie über die künstliche Intelligenz in eine Spekulationsblase münden sollte, dann würde dieser Index überproportional an Wert verlieren. Auch die Schweizer Börse weist ein hohes Klumpenrisiko auf. Im Swiss-Performance-Index vereinigen allein die drei Weltkonzerne Nestlé, Novartis und Roche ein Gewicht von 37 Prozent auf sich.Um also eine einseitige Ausrichtung des Portfolios zu verhindern, hat sich in der Praxis die Core-Satellite-Strategie durchgesetzt. Dabei bildet man einen Kern, bestehend aus den wichtigsten Indizes, und ergänzt diesen mit Satelliten, welche zum Beispiel kleinere Länder, Nebenwerte (Small-Caps) oder einzelne Branchen abdecken. Diese Satelliten können auch aus aktiv verwalteten Fonds bestehen.Zentral ist ebenso die Frage, in welchem Mass man auf heimische Aktien setzen will. Ein sogenannter Home-Bias, ein Übergewicht des Heimmarktes, ist sinnvoll. Dies gilt besonders, wenn man in einer starken Währung wie dem Schweizerfranken rechnet. Denn die Kursgewinne auf ausländischen Aktien werden regelmässig durch Währungsverluste geschmälert.Bei einem Crash die Nerven bewahrenNeben der Diversifikation ist ein langfristiger Anlagehorizont wichtig, da die Börsenkurse kurzfristig stark schwanken können. Den grössten Einbruch verzeichneten Schweizer Aktien im Jahr 2008 mit einem Minus von 34 Prozent. Wer damals aber Geduld hatte und die Nerven behielt, wurde belohnt: Nach fünf Jahren war der Verlust wieder ausgebügelt, und selbst wer kurz vor dem Crash kaufte, hat seinen Einsatz inzwischen fast verdreifacht.Statistisch kann man bei einer Haltedauer von einem Jahr davon ausgehen, dass die eigenen Aktien mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent im Plus sind. Nach drei Jahren steigt die Gewinnchance bereits auf 77 Prozent und nach sieben Jahren auf 88 Prozent.Wer in risikoarme Staatsanleihen investiert, kann aber ebenfalls Kursverluste erleiden; im Jahr 2022 etwa waren es 12 Prozent. Der Grund dafür war das abrupte Aufflammen der Inflation, was die Zinsen nach oben trieb. Bestehende Anleihen mit einer tieferen Verzinsung wurden deshalb unattraktiv und büssten an Wert ein.Zudem müssen Anleger die Geldentwertung berücksichtigen. In der Schweiz erreichte die Jahresteuerung seit Beginn des 19. Jahrhunderts im Schnitt 2,1 Prozent. Somit genügte die Rendite auf den festverzinslichen Anlagen in vielen Jahren nicht, um den Verlust an Kaufkraft zu kompensieren.Der Herdentrieb verstärkt die ÄngsteInvestoren kennen das Phänomen: Man nimmt sich vor, die gekauften Aktien für eine lange Frist zu behalten. Doch sobald die Kurse fallen, wird man nervös. Der Herdentrieb führt dazu, dass man sich von der pessimistischen Stimmung anstecken lässt. Sobald ein Crash droht, braucht es Disziplin, um an der ursprünglichen Strategie festzuhalten.Ein wirksames Mittel, um die eigenen Emotionen im Zaum zu halten und ein vorschnelles Handeln im Affekt zu verhindern, ist der Fondssparplan. Bei diesem wird das Kapital regelmässig mittels eines Dauerauftrags investiert. Die Zahlungen können monatlich oder auch quartalsweise erfolgen. Zudem sind Sparpläne auch für kleinere Beträge offen, so dass kein hohes Einkommen nötig ist.Wer sich für eine automatisierte Strategie entscheidet, braucht weniger Selbstdisziplin, um daran festzuhalten. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass eine zeitliche Streuung des Risikos stattfindet. Das Aufteilen in kleine, regelmässige Beträge senkt die Gefahr, einmalig zu einem falschen Zeitpunkt, etwa kurz vor einem Crash, zu investieren.Entscheidend ist die richtige StrategieDer Anleger profitiert dabei vom Durchschnittskosteneffekt: Durch das Einzahlen mit einer gleichbleibenden Rate erwirbt man mehr Anteile an einem Fonds oder einem ETF, wenn die Kurse gefallen sind, und umgekehrt weniger Anteile bei hohen Kursen.Bei der Wahl des Fondssparplans sollte man auf die Gebühren achten. Wichtig sind ebenso eine breite Auswahl an Anlageprodukten und die Flexibilität, den einbezahlten Betrag sowie die Zusammensetzung der Produkte jederzeit wechseln zu können.Wer mit dem richtigen Konzept ans Geldanlegen herangeht, kann reich werden, ohne viel Arbeit dafür verrichten zu müssen. Entscheidend ist aber, dass sich die gewählte Strategie auf lange Frist bewährt. Dies benötigt einen einmaligen Effort, den man nicht vermeiden kann. Doch ist diese Zeit auf jeden Fall gut investiert.Passend zum Artikel