PfadnavigationHomePanoramaBuchungsanfrage abgelehnt„In unserem Hotel sind keine Juden erlaubt“ – Antisemitismusvorwurf gegen bayerisches HotelStand: 10:54 UhrLesedauer: 5 MinutenBlick auf den Großen Arber in Lam im Bayerischen WaldQuelle: picture alliance/imageBROKER/Günter Gräfenhain„Sind wir wieder in den 1930er-Jahren?“, fragt die israelische Generalkonsulin Talya Lador. Zuvor hatte sie eine inakzeptable Absage an jüdische Touristen publik gemacht. Das betroffene Hotel spricht von einem „bedauerlichen Fehler“.Ein Hotel in Bayern sieht sich mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert. Zuerst publik gemacht hatten den judenfeindlichen Vorfall Medien wie das Portal y.net Global, „Times of Israel“ und die „Jüdische Allgemeine“. Auch reichweitenstarke Influencer griffen die Story auf. Demnach hatten jüdische Touristen einen Aufenthalt im „Hotel zum Hirschen“ in Lam (Bayern, Landkreis Cham) über die Plattform Booking.com gebucht. Vom Hotel selbst sei per E-Mail eine Absage gekommen: „Sorry, there are no Jews allowed in our hotel,“ auf Deutsch: „Es tut uns leid, aber in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt“. Eingeschaltet hat sich am Montag auch das israelische Konsulat in München, es bestätigte und verurteilte den Vorfall. Kommentiert wurde der Vorfall auch von Talya Lador, der israelischen Generalkonsulin in Süddeutschland. Sie schrieb auf X: „Sind wir wieder in den 1930er-Jahren? Ein Hotel hat einem Israeli folgendes geantwortet: ‚Sorry, there are no Jews allowed in our hotel'.“ Dazu stellte sie einen Screenshot der Booking.com-Nachricht online und begrüßte die kurzzeitige Sperrung des „Hotels zum Hirschen“ bei dem Anbieter. Das Hotel verfügt über 40 Zimmer, es besteht nach eigenen Angaben seit 150 Jahren und ist in Familienhand. Die Touristen reichten Beschwerde beim Beauftragten des bayerischen Justizministeriums für die Bekämpfung von Antisemitismus ein. Dort werde laut den Medienberichten geprüft, ob rechtliche Schritte möglich seien. Ob daraus ein förmliches Verfahren entsteht, sei derzeit jedoch noch offen.Laut der „Jüdischen Allgemeinen“ habe das Hotel zunächst bestritten, für die Mitteilung verantwortlich zu sein. Später sei jedoch eingeräumt worden, dass ein Mitarbeiter die Nachricht verschickt habe. Gegenüber WELT nannte das „Hotel am Hirschen“ den Vorfall ebenfalls einen „bedauerlichen Fehler“, der auf persönliches Versagen zurückzuführen sei. Man teile aber keinesfalls „antisemitisches Gedankengut“ und empfinde die Berichterstattung als verkürzt. Mittlerweile, so die Familie Sperl-Vogl, erreichten das Hotel Drohungen und Mordaufrufe. Die Gäste hatten sich außerdem bei Booking.com beschwert; das Portal entfernte den Anbieter daraufhin vorübergehend von seiner Plattform. Recherchen und auch WELT-Informationen zufolge spielte die Buchungsplattform aber womöglich selbst eine nicht unerhebliche Rolle bei der diskriminierenden Absage. Eine flapsige Nachricht, entstanden aus Überlastung? Der Journalist Tobias Huch, der für einen Beitrag auf X ebenfalls mit den Inhabern gesprochen hat, erklärt den Vorfall so: Das Hotel habe seit Wochen mit betrügerischen Anfragen im Umfeld von Booking.com zu kämpfen. Die Angestellten hätten die Anfrage der jüdischen Touristen für einen vermeintlichen Betrugsversuch gehalten. Dieser Ablauf wurde WELT von der Inhaberfamilie Sperl ebenfalls so bestätigt. „Das Hotel Zum Hirschen kämpft seit Monaten gegen eine Flut gefälschter Buchungen über Booking.com. Gestohlene Nutzerdaten, erfundene Identitäten, nie erschienene Gäste. Die Masche ist immer dieselbe: Eine Buchung geht ein, dann nimmt jemand über den Booking.com-Chat Kontakt auf, versucht Vertrauen zu erschleichen oder die Kommunikation auf externe Kanäle zu verlagern, um Bankdaten abzugreifen“, heißt es in der Recherche von Huch und auch in der Mitteilung, die WELT vorliegt. Die Anfrage aus Israel sei demnach von den Mitarbeitern als potenzieller Betrugsversuch gewertet worden: Selten gebe es Anfragen außerhalb der EU. Die Schreibweise in der Anfrage sei zudem ein Wirrwarr aus Groß- und Kleinbuchstaben gewesen, die Adresse der Auftraggeber habe sich bei Google nicht finden lassen. „Alles, was die Rezeption in den Wochen zuvor als Warnsignale gelernt hatte, schien sich zu wiederholen“, schreibt Huch und überlegt dann, ob die kurze, abwertende Antwort einer Überforderung entsprungen sei. Er schreibt: „Gemeint war dem Sinne nach: ‚Schon wieder so ein Betrugsversuch. Lasst uns in Ruhe‘. Rausgekommen ist: ‚Sorry, there are no Jews allowed in our hotel.‘“Eine Darstellung, die das „Hotel zum Hirschen“ auch gegenüber WELT geltend macht. Eine solche Entschuldigung jedoch lassen viele Kommentatoren bei X nicht gelten. Auch wenn die Situation überlastend und unübersichtlich gewesen sei, sei eine pauschale Ablehnung von Juden nicht zu erklären oder zu verzeihen, heißt es dort. Und auch Huch selbst räumt in seinem Text ein: „Dennoch muss klar gesagt werden: „Was hier passiert ist, darf nicht passieren. Es spielt keine Rolle, wie groß der Frust über Fake-Buchungen war. Es spielt keine Rolle, wie erschöpft die Rezeption war. Kein einziger Betrug der Welt rechtfertigt es, einer Person zu schreiben, dass sie wegen ihrer Herkunft oder Religion nicht willkommen ist – erst recht nicht in Deutschland, erst recht nicht mit dieser historischen Konnotation.“ „Das darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren“, schreiben die InhaberDem stimmt auch die Betreiberfamilie in ihrem Schreiben zu, das in Kopie an die Bayerische Staatskanzlei und die Betroffenen ging: „Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten. Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurden, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen. (... es folgen Beispiele für Betrugsversuche) und daher kam wohl der Ärger über eine möglicherweise erneute Fake-Buchung.“ Weiter heißt es in dem Brief: „Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren. Jedoch ist es so wie überall, wir, und unsere Mitarbeiter sind auch nur Menschen, und manchmal geht der Ärger mit einem durch.“Das Hotel versucht sich aktuell bereits in Schadensbegrenzung. In der Entschuldigung an die Touristen, die WELT vorliegt, heißt es: „Wir hoffen daher, dass Sie uns verzeihen (...) Es entspricht nicht unserem Leitbild, jemanden zu diskriminieren oder auszugrenzen. Bei uns arbeiten und arbeiteten Angestellte aus verschiedenen Nationen, Deutschland, Tschechien, Rumänien, oder den Philippinen (...)“. Ferner sind die zuvor abgewiesenen Gäste nun für eine Woche kostenlos eingeladen. Ob diese das Angebot annehmen werden, ist aber noch offen. In den vergangenen Jahren und insbesondere seit dem Angriff Israels auf die radikalislamische Hamas nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 mit 1200 Toten kommt es weltweit immer wieder zu antisemitischen Vorfällen gegen israelische Touristen und als jüdisch wahrgenommene Personen. Diese reichen von verbalen Beschimpfungen bis hin zu organisierten Angriffen.krott