Roie Galitz' Foto einer Eisbärin auf einem Pottwalkadaver im arktischen Eis wirkt daneben fast wie ein Symbolbild. Ja, die Arktis erwärmt sich rasant, Meereis verschwindet, Lebensräume verändern sich. Doch das Bild zeigt nicht einfach den "letzten Eisbären" am Ende der Welt. Es zeigt ein Tier, das frisst, weil ein Kadaver da ist. Anpassung, Überleben, Zufall, Verfall – alles liegt in dieser Aufnahme. Die Klimakrise ist nicht nur ein zukünftiger Kollaps. Sie ist bereits Gegenwart, in der sich Nahrungsketten, Küsten, Jagdweisen und Lebensformen verschieben.
Zwischen diesen schweren Bildern steht Chantal Pinzis marokkanische Reiterin nicht als hübscher Gegenakzent, sondern als eigenes politisches Bild. Es erinnert daran, dass Veränderung nicht nur als Katastrophe erscheint. Manchmal ist sie auch der Moment, in dem jemand einen Platz beansprucht, der für sie oder ihn nicht vorgesehen war. Die Reiterinnen der Tbourida sprengen keine Weltordnung. Aber sie verrücken etwas. Sie zeigen, dass Tradition nicht neutral ist, sondern umkämpft. Auch das gehört in eine Ausstellung, die von der Gegenwart erzählt.
Die Fotografien wirken gerade deshalb, weil sie Unterschiede stehen lassen. Sudan ist nicht New York, Bondi nicht Fanalei, eine ukrainische Drohnenwerkstatt nicht die marokkanische Tbourida. Und doch berühren sich die Bilder. Immer wieder zeigen sie Orte, die nicht mehr halten, was sie versprechen: die Universität, das Gericht, der Strand, das Zuhause, die Werkstatt, das Eis, die Tradition.








