Mit dem Portionieren kennt sich Ernesto C. (Name geändert) aus. Der Mann arbeitet schließlich seit fast 30 Jahren als Koch, die meiste Zeit davon in München und Umgebung. Zuletzt war er Pächter des Vereinsheims eines bekannten Sportklubs im Landkreis München. Doch Ende August vergangenen Jahres endete das Engagement abrupt, nachdem Ermittler der Polizei das Lokal unter die Lupe genommen und in der Küche nicht weniger als knapp drei Kilogramm eines Kokaingemischs gefunden hatten. Ernesto C. kam in Untersuchungshaft. Seit diesem Dienstag muss sich der Gastronom vor der 9. Strafkammer am Landgericht München I wegen bewaffneten Handeltreibens in Tateinheit mit dem Besitz von Betäubungsmitteln verantworten.Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass C. seit Mitte Mai 2025 im Großraum München einen schwunghaften Handel mit Kokain am Laufen hatte. Als Fahnder am Morgen des 22. August vergangenen Jahres das Vereinsheim auf den Kopf stellten, fanden sie die typischen Utensilien für Drogengeschäfte wie elektronische Feinwaagen und Vakuumierfolie.Das gesamte Kokain war bereits portioniert und abgepackt. In unmittelbarer Nähe der Droge lagen laut Anklage griffbereit ein Teleskopschlagstock und eine Schreckschusspistole. Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Im Falle einer Auseinandersetzung habe Ernesto C. damit das Kokain und seine Verkaufserlöse vor dem Zugriff anderer schützen wollen. Fündig wurden die Ermittler an jenem 22. August auch in der Wohnung von Ernesto C. in München. Insgesamt fanden sie dort knapp 31 Gramm eines Kokaingemischs sowie rund 1500 Euro Bargeld, das aus dem Verkauf der Droge stammen soll.Der Vorwurf des bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln hat es in sich. Die Mindeststrafe beträgt im Fall einer Verurteilung fünf, die Höchststrafe sogar 15 Jahre. „Sie schauen unglücklich aus“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Daimer zu Ernesto C., nachdem er ihn über den Strafrahmen informiert hatte. Immerhin handle es sich bei Kokain um eine „schwere, harte Droge“, so der Richter. Und die bei ihm gefundene Menge, hielt er dem Gastronomen vor, sei zudem von sehr guter Qualität.Da ein von Ernesto C.s Verteidiger Tim Weller angeregtes Rechtsgespräch mit der Kammer und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft zu keinem Ergebnis führte, bat der Anwalt um eine Pause. Nach einer längeren Unterredung mit Ernesto C. präsentierte Weller dem Gericht eine Erklärung des Gastronomen, die den Fall in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen soll.Die zentrale Figur in der Erklärung spielt ein angeblicher Freund von C. Dieser soll ihm vorgeschlagen haben, die knapp drei Kilogramm Kokain im Vereinslokal des Sportklubs zu lagern. Ernesto C. sollte das Koks portionieren. Im Gegenzug sollte er etwas davon für sich behalten dürfen. Doch auch wenn dies alles zutreffen sollte, ändere dies nichts an dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, entgegnete Richter Daimer. „Es ist immer noch bewaffnetes Handeltreiben“, so der Vorsitzende.Ein Urteil in dem Prozess wird für Mitte Juni erwartet.