Nach dem Abpfiff der Partie zwischen dem FC Würzburger Kickers und dem 1. FC Lokomotive Leipzig konnten die Gefühlswelten am Montagabend vor 10.717 Besuchern in der Würzburger Akon Arena unterschiedlicher nicht sein. Die Gastgeber bejubelten frenetisch einen 2:1-Erfolg. Dieser ließ für die Kickers im zweiten Aufstiegsspiel nach dem 1:0-Sieg vom Hinkampf keine Zweifel am Erreichen der 3. Liga entstehen.Die Würzburger Spieler, die nach vier Jahren in die 3. Liga zurückkehrten, stürmten wie im Rausch auf den Platz. Schnell wurden weiße Hemden mit dem Slogan „Würzburg ist zurück – Aufstieg 25/26“ übergestreift.Während sich bei den Hausherren wilde Umarmungen und Bierduschen abwechselten, flossen bei den Leipzigern viele Tränen – auf dem Platz und im mit 2000 mitgereisten Anhängern prall gefüllten Gästeblock. Besonders feucht wurde es bei Kapitän Djamal Ziane. Der populäre Stürmer hat alle drei Nicht-Aufstiege in den letzten sechs Jahren von Lok miterleben müssen. Zuvor war der FCL als Meister 2020 vom SC Verl gestoppt worden, im Vorjahr vom TSV Havelsee.

Kritik an Ungerechtigkeit der Aufstiegsregelung

Als sich die trauernde Lok-Mannschaft vor den mitgereisten Anhängern aufstellte, weinte der 34 Jahre alte Ziane minutenlang. Das setzte sich fort, als er am Zaun im Pulk der gelben Wand der Lok-Fans mit Angehörigen und Freunden sprach. Ziane macht sich sicher nun noch mehr Gedanken über ein mögliches Karriereende. Aber in diesem Moment machte sich Leere bei ihm breit. „Ich stehe das dritte Mal so da. Es ist schwer die richtigen Worte zu finden. Man wird auch nicht junger“, sagte er in der kleinen Mixed-Zone des größtenteils aus Rohrgerüsttribünen bestehenden „Dalle“, wie das einstige Dallenbergstadion im Volksmund weiterhin genannt wird.Während der Leipziger Trauer zollte selbst die in der Schlussphase vor dem Gästeblock in voller Kampfnatur aufgezogene Polizei Respekt. Die Beamten lösten die zuvor über die gesamte Grundlinie gehende Kette auf und wichen nach außen aus, um den Fans einen freien Blick auf ihre Spieler zu ermöglichen. Einen Platzsturm gab es weder von den Würzburger noch von den Leipziger Anhängern. Davor hatte der Stadionsprecher mit Durchsagen auch eindringlich gewarnt.Die Lok-Supporter ließen Worte sprechen. Sie kritisierten die Ungerechtigkeit der Aufstiegsregelung, die bisher nur vier von fünf Regionalliga-Meistern den Aufstieg in die die 3. Liga ermöglicht. „Euer System ist krank“, stand auf dem riesigen Banner, dass nach Spielschluss im Gästebereich minutenlang hochgehalten wurde.