Worte sind nicht unbedingt sesshaft, manche wandern in andere Sprachen aus, meist reisen sie in jemandes Gepäck. Im Südseeraum gibt es einige Ausdrücke für Handwerkszeug, die aus dem Deutschen kommen. In Neuguinea sagen sie supka, also Schubkarre, im pazifischen Inselstaat Nauru heißt es amar, Hammer. Auch Nauru gehörte einst zum deutschen Kolonialreich, und in den Missionsschulen wurde den Kindern häufig ein Handwerk beigebracht.

Im 19. Jahrhundert war die deutsche Chemie führend, was dazu führt, dass in fast allen Sprachen der Welt für bestimmte Elemente das deutsche Wort verwendet wird. Zink etwa ist bis ins Chinesische gekommen.

Manche Wörter erzählen von deutscher Geschichte. Im Russischen etwa gibt es lager und schlagbaum, im Japanischen gasumasuku (Gasmaske). Und in England sprechen sie von blitzkrieg, selbst wenn es nur um eine großangelegte Werbekampagne geht. In der Corona-Zeit war in der New York Times plötzlich von kurzabeit (ohne r) die Rede.

Ins Englische sind die meisten deutschen Wörter eingewandert. Dort heißt es gesundheit, wenn einer niesen muss, es gibt den kindergarten, die schadenfreude, weltschmerz. Germanismen heißen die deutschen Lehnwörter in anderen Sprachen. Ein Wort qualifiziert sich dann zum Migranten, wenn es eine Benennungslücke gibt, wie Linguisten das nennen. In der Sprache, in die ein Wort einwandert, hat es vorher keinen Begriff dafür gegeben.