Als Emmanuel Macron vor acht Jahren zum ersten Mal Wirtschaftschefs aus aller Welt ins Schloss von Versailles lud, präsentierte er stolz Investitionszusagen im Umfang von 3,5 Milliarden Euro. Heute wäre diese Summe für Frankreichs Staatspräsidenten ein Grund zur Betrübnis. Längst ist seine „Choose France“ getaufte Veranstaltung zu einem wichtigen europäischen Wirtschaftstreffen avanciert, bei dem sich Manager um die Teilnahme reißen und Milliardenvorhaben präsentieren. Die Zusagen für Investitionen in Frankreich sind in die Höhe geschnellt. Nach rund 41 Milliarden im vergangenen Jahr kündigte der Élysée-Palast am Montag 71 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 93 Milliarden Euro an.Das mit Abstand größte Einzelvorhaben stammt diesmal von Softbank. Der japanische Technologieinvestor will 45 Milliarden Euro in Datenzentren in der Region Hauts-de-France stecken und Frankreich zu Europas führendem Standort für Infrastruktur im Bereich der Künstlichen Intelligenz machen. Möglicherweise werde man die Investitionen gar auf 75 Milliarden Euro aufstocken, teilten die Japaner mit. Die Methodik von „Choose France“ ist streng, betont man im Élysée-Palast. Berücksichtigt würden nur Beträge, deren Realisierung zum aktuellen Zeitpunkt sicher ist und die von den Unternehmen zu 100 Prozent bestätigt wurden. In Summe schüfen die diesjährigen Investitionsankündigungen 15.600 Arbeitsplätze.Investorenkonferenz im Schloss von VersaillesAFPOb die Vorstandsvorsitzenden von Schaeffler, Sartorius, DHL oder SAP – auf der mehr als 340 Teilnehmer zählenden Liste fand sich auch dieses Jahr wieder reichlich Wirtschaftsprominenz aus Deutschland. Dort gilt „Choose France“ als wichtiges Netzwerkevent, das die Bundesregierung mit dem Investorengipfel „Made in Germany“ vergangenes Jahr erstmals nachgeahmt hat. Macron und seiner Regierung wiederum dient die Veranstaltung vor allem als Nachweis, dass ihr Bemühen um Standortpflege weiterhin erfolgreich ist. Frankreich bleibe für ausländische Investoren das attraktivste Land Europas, unterstrich der Élysée-Palast mit Verweis auf die jährliche Erhebung der Beratungsgesellschaft EY.Frankreich steckt Folgen des Irankriegs besser wegMacrons Status als Investorenliebling kann über die innerfranzösischen Probleme gleichwohl nicht hinwegtäuschen. Der Kontrast ist groß: Hier der von seinem Umfeld hochgehaltene direkte Draht zur Wirtschaft, ergänzt durch andere von Investoren geäußerte Standortvorteile wie die gute Betreuung durch die Förderagentur „Business France“, die solide Infrastruktur und der günstige, CO₂-arme Atomstrom – dort die polarisierte Gesellschaft, die erdrückende Staatsverschuldung und das seit knapp zwei Jahren anhaltende Patt im Parlament. Macrons Beliebtheitswerte bleiben im Keller, in einer jüngsten Meinungsumfrage nannten ihn nur 23 Prozent der Franzosen einen guten Präsidenten.Lange hatte es danach ausgesehen, als wäre die französische Wirtschaft weitgehend immun gegen die politischen Krisen. Weniger industrielastig und exportorientiert als die deutsche, waren ab 2021 auch die Wirtschaftswachstumsraten positiv, sieht man von zwei stagnierenden Quartalen ab. Frankreichs Kernkraft und geringere Abhängigkeit von fossilem Energieimport erleichtern es zudem, die Folgen des Irankriegs besser wegzustecken als etwa Italien, sagte Manuela Goretti vom Internationalen Währungsfonds. Doch inzwischen ist auch die Konjunktur abwärtsgerichtet. Ende vergangener Woche revidierte das nationale Statistikamt das Wachstum im ersten Quartal von null auf minus 0,1 Prozent.Es habe „mehrere konjunkturelle Gegenwinde“ gegeben, beschwichtigte Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure, der der heimischen Presse zwar viele Interviews gibt, aber längst nicht mehr so viel Machtfülle auf seinem Posten vereint wie ehedem ein Bruno Le Maire. Auch habe die verspätete Haushaltsverabschiedung bei einigen Wirtschaftsakteuren womöglich zu einer abwartenden Haltung geführt. Dabei leuchteten im ersten Quartal alle Konjunkturampeln klar rot: minus 0,2 Prozent beim Privatkonsum, plus 0,2 Prozent bei der Sparquote, minus 0,6 Prozent bei den Investitionen, minus 3,5 Prozent beim Export. Die bislang für das Gesamtjahr prognostizierten 0,9 Prozent Wachstum ließen sich nicht länger erreichen, sagte Frankreichs scheidender Notenbankgouverneur François Villeroy de Galhau am Montag in Radio Classique.Arbeitslosenquote deutlich gestiegenAls politisch explosiv gilt dabei insbesondere die zuletzt wieder deutlich gestiegene Arbeitslosenquote. Dank umfassender Reformen war es in den ersten Jahren von Macrons Präsidentschaft gelungen, sie von 9,4 bis auf 7,4 Prozent zurückzuführen. Zwischenzeitlich hielt man auf Regierungsseite gar fünf Prozent für möglich. Doch in den vergangenen Quartalen war die Tendenz wieder aufwärtsgerichtet, und Anfang dieses Jahres erreichte die Arbeitslosigkeit 8,1 Prozent. Mit 21,1 Prozent weit überdurchschnittlich hoch ist und bleibt dabei die Arbeitslosigkeit in der Kohorte der 15- bis 24-Jährigen.Größere Reformen gelten vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr als ausgeschlossen. Die ursprünglich geplanten Kürzungen bei Höhe und Bezugsdauer der Arbeitslosenversicherung sind mit der Parlamentsauflösung Mitte 2024 auf Eis gelegt worden.
Schloss von Versailles: Die Investoren kommen – das Wachstum schwindet
Emmanuel Macron ist der Liebling ausländischer Investoren. Doch trotz ihrer Milliardenprojekte stagniert die Wirtschaft. Kann der Präsident das Ruder noch rumreißen?













