PfadnavigationHomePolitikAuslandSPD-Chefin„Ich bin ein personifiziertes Feindbild geworden“, klagt Bärbel BasStand: 06:10 UhrLesedauer: 3 MinutenBärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und SozialesQuelle: Bernd von Jutrczenka/dpa„Nicht einfach, das auszuhalten“: SPD-Chefin Bärbel Bas spricht beim „Ständehaus-Treff“ über Hass, Anfeindungen und Zweifel am Durchhalten. Außerdem gewährt sie Einblicke in ihr Verhältnis zu Bundeskanzler Friedrich Merz.Auch der resoluten SPD-Chefin Bärbel Bas fällt es nicht immer leicht, Hasstiraden und Beleidigungen auszuhalten. „Das ist schon sehr persönlich, ja“, sagte die Bundessozialministerin beim „Ständehaus-Treff“ der „Rheinischen Post“ (RP) in Düsseldorf. „Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden.“ Es bleibe „nicht so einfach in den Klamotten hängen, was man so lesen muss“.Gerade rechte Netzwerke versuchten, starke, selbstbewusste Frauen mit Hass und persönlichen Angriffen kleinzukriegen, kritisierte Bas. Besonders schlimm sei es, wenn das bei Kindern ankomme, deren Eltern sich politisch engagierten. „Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben.“Viele Anzeigen stelle sie nicht, erzählte Bas. „Aber es ist nicht einfach, das auszuhalten.“ Es gehe dabei nicht um sachliche Kritik, sondern um puren Hass, „auch um Vergewaltigungsfantasien – was man sich nicht alles anhören muss“, schilderte die 58-jährige Politikerin. „Also um die Sache immer gerne Streit, Auseinandersetzung, aber da geht es darum, die Person kleinzumachen, die Person fertigzumachen, dass sie irgendwann aufgibt.“Lesen Sie auchDazu habe sie allerdings keine Veranlagung, sagte die Duisburgerin. Wenn sie sehr gestresst sei und viel um die Ohren habe, käme ihr aber auch schon mal der Gedanke: „Ich könnte es mir mal irgendwie einfacher machen“, räumte Bas ein. Dann denke sie aber letztlich immer wieder: „Nein, den Gefallen tue ich denen nicht.“ Sie gebe aber zu: „Je härter und stärker das wird, umso mehr denkt man darüber nach, wie lange hält man das aus?“„Dürfen nicht den Populisten das Feld überlassen“Natürlich machten Politiker nicht immer alles richtig. „Gar keine Frage, wir sind auch keine Superhelden“, sagte Bas. Es sei aber wichtig, Verantwortung zu übernehmen und aufzupassen, dass das Gemeinwesen nicht durch Hass und Anfeindungen kaputtgehe. „Demokratinnen und Demokraten, wir dürfen uns nicht zurückziehen und den Populisten das Feld überlassen“, sagte Bas unter dem Applaus ihrer Zuhörer.Auf den Vorhalt von RP-Chefredakteur Moritz Döbler, sie würde aber auch – ähnlich wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) – „regelmäßig missverständliche Sätze raushauen“, räumte Bas ein: „Ja, wir telefonieren darüber auch sehr oft. Und deswegen arbeiten wir wahrscheinlich ja auch ganz gut zusammen.“ Das sei wirklich so. „Wir reden viel auch über das, wer was so über wen gesagt hat.“Er habe ihr auch nach einer gemeinsamen Dienstreise im Regierungsflieger „das Du“ angeboten, erzählte Bas. Und eine Woche darauf habe sie sich dann im vergangenen Sommer auf eine Äußerung des Kanzlers zum Sozialstaat mit dem Wort „Bullshit“ bezogen. Als Merz sich daraufhin bei ihr gemeldet habe, habe sie gleich gefragt, ob er das „Du“ jetzt wieder zurückziehen wolle. „Nein, nein, aber wir sollten mal drüber reden“, habe der Kanzler geantwortet. „Das kann ja so nicht weitergehen.“ Stattdessen habe es dann „einen Versöhnungssalat mit zwei Bier“ gegeben.Bas dringt auf Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung„Wir brauchen ein gemeinsames System, wenn man eine große Reform haben will“, sagte sie darüber hinaus. „Wenn alle einzahlen, dann hätten wir mehr im Topf und der Staat muss nicht so viel zuzahlen“, sagte die Ministerin, die zugleich SPD-Vorsitzende ist.„Ich weiß, dass es ein langer Weg ist“, schränkte Bas ein. Aber erste Schritte in Richtung einer Einbeziehung von Beamten könnten durchaus bei der jetzt geplanten Rentenreform bereits getan werden. „Alle Bundesländer müssen dabei mitmachen“, merkte Bas weiter an. „Deshalb muss man mit den Ministerpräsidenten darüber reden, wenn man das will.“Bas zeigte sich grundsätzlich auch offen für ein höheres Renteneintrittsalter über 67 Jahre hinaus nach 2031. Allerdings müsse es für die, die nicht so lange arbeiten könnten, spezielle Lösungen geben, betonte die SPD-Chefin. Dabei könnte es eine Möglichkeit sein, das Renteneintrittsalter zumindest teilweise an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln.dpa/jho/ceb
Bärbel Bas: „Ich bin ein personifiziertes Feindbild geworden“, klagt die SPD-Chefin - WELT
„Nicht einfach, das auszuhalten“: SPD-Chefin Bärbel Bas spricht beim „Ständehaus-Treff“ über Hass, Anfeindungen und Zweifel am Durchhalten. Außerdem gewährt sie Einblicke in ihr Verhältnis zu Bundeskanzler Friedrich Merz.
Bärbel Bas (SPD) kritisiert koordinierte Hasskampagnen rechter Netzwerke gegen Frauen in Führungspositionen. Trotz Zweifeln am Durchhalten verweigert sie Rückzug; mit Merz (CDU) bewahrt sie konstruktiven Dialog.










