PfadnavigationHomeRegionalesHamburgElbphilharmonieBallett-Uraufführung mit internationalen StarsStand: 15:37 UhrLesedauer: 5 MinutenEdvin Revazov (l.) und Leon Gurvitch vor der ElbphilharmonieQuelle: Bertold FabriciusChoreograf Edvin Revazov und Komponist Leon Gurvitch setzen ihre Zusammenarbeit mit der Uraufführung des Balletts „5 Seasons“ in der Elbphilharmonie fort – mit Spitzentänzern aus fünf Compagnien.Reigen und Rundtänze waren neben faszinierenden Pas de deux nicht zufällig ein tragendes Element, als das Hamburger Kammerballett und Solisten des Hamburg Balletts im vergangenen Jahr die gefeierte Uraufführung „Silentium“ von Edvin Revazov in der Elbphilharmonie auf die Bühne brachten. Die ist schließlich kreisrund und auf allen Seiten vom Publikum umgeben. Revazov, Erster Solist des Hamburg Ballett, stammt aus der Ukraine und arbeitet seit Jahren auch als Choreograf. Sein Ballett „Silentium“ entwickelte er auf Basis des Werkes für Klavier und Streichorchester von Leon Gurvitch, der aus Belarus stammt und seit 25 Jahren in Hamburg lebt. Beide stellten den Abend mit Livemusik des Leon Gurvitch Ensembles damals unter das Motto „Tanz für den Frieden“.Tänzerinnen und Tänzer aus Mailand, Dresden, WienDas Motto ändert sich nicht, wenn das Erfolgsduo nun am 6. Juni in zwei Vorstellungen das neue Ballett „5 Seasons“ zur Uraufführung bringt, erneut live begleitet von Gurvitchs diesmal zwölfköpfigem Ensemble. Nichts ersehnen die Künstler mehr als ein Ende des Krieges in der Ukraine. Erneut wird das 2022 von Revazov gegründete Hamburger Kammerballett, in dem aus der Ukraine geflüchtete Tänzerinnen und Tänzer in Hamburg eine neue berufliche Heimat finden, eine wichtige Rolle spielen – durch weitere Tänzer bereichert, wie Revazov im Gespräch mit WELT AM SONNTAG erzählt.Die im musikalischen Werk dargestellten fünf Jahreszeiten werden, der Idee des Choreografen folgend, von Mitgliedern fünf renommierter Ballett-Compagnien getanzt. Die Hamburger arbeiten mit internationalen Tanzstars zusammen. Vom Wiener Staatsballett kehrt der Erste Solist Allessandro-Lucia Frola nach Hamburg zurück, der gemeinsam mit der Ersten Solistin Anna Laudere vom Hamburg Ballett auftritt. Martina Arduino und Marco Agostino vom Teatro alla Scala sind mit von der Choreografie-Partie, ebenso Hyo-Jung Kang und Jun Xia von der Semperoper Dresden. Vom Hamburg Ballett tritt die Aspirantin Zeynep Demirel gemeinsam mit dem Solisten Florian Pohl auf. Silvia Azzoni und Alexandre Riabko in der ElbphilharmonieGanz besonders freuen dürfen sich die Besucher auf zwei Stars, die Sonderdarsteller Silvia Azzoni, die seit 1993 beim Hamburg Ballett auf der Bühne steht, und Alexandre Riabko, der 1996 von John Neumeier engagiert wurde. Die Kostüme und die Bühne gestaltet Edvin Revazov erneut selbst, vor drei Monaten haben die Proben begonnen. Auf die Frage, wie er die Aufgaben als Kreativer zusätzlich zu seinem Job als Erster Solist beim Hamburg Ballett bewältigen kann, antwortet Revazov schelmisch lächelnd: „Mit Liebe schafft man alles.“ Die Einstellung zur Arbeit teilt er mit dem Komponisten, der die Freiheit in der Arbeit besonders schätzt. Gurvitch: „Das ist unser Leben. Wenn wir ein Ziel haben, dann streben wir gemeinsam danach, dass wir es erreichen. Egal zu welcher Uhrzeit, ganz gleich zu welcher Jahreszeit.“Kennengelernt haben sich die beiden, als Revazov 2023 die Uraufführung von Gurvitchs „Silentium“ in der Elbphilharmonie hörte, die ihn „sehr faszinierte“. Damals hatte der Choreograf einen Auftrag für ein Ballett vom Theater Kiel erhalten und fragte Gurvitch nach Musik. Der spielte ihm seinen Klavierzyklus „Musique Mélancolique“ vor, den beide zum Ballett „Kintsugi“ entwickelten, das in Kiel, Lübeck und in der Elbphilharmonie Erfolge feierte. Die Zusammenarbeit war der Beginn einer wunderbaren Künstlerfreundschaft. „Zunächst gibt es die Musik von Leon“, erzählt der Choreograf, „dann entwickle ich den Tanz dazu, und wenn ich merke, dass ich noch etwas brauche, eine Energie, eine Stimmung, um die Spannung zu halten, frage ich Leon. Die Zusammenarbeit ist sehr organisch.“ Leon biete stets sofort etwas an, und zwar so „dass es musikalisch und bildlich interessant ist.“ Der Komponist bekennt: „Edvin hat konkrete Vorstellungen von der Musik, nicht nur zu der, die schon komponiert ist, sondern darüber hinaus. Dass er mich fragen kann, ist ein Vorteil lebender Komponisten.“ Bei „Kintsugi“ habe Revazov ihn gebeten, „etwas zwischen Barock und Neuer Musik“ beizusteuern, da habe er ihm drei Improvisationen geschickt. „Nun war die von ihm gewählte so virtuos, so schwer zu spielen, dass ich als Pianist sehr viel üben musste.“Altweibersommer, Indian Summer, Bab‘ye letoDas neue Werk „5 Seasons“ überzeugte Revazov, nachdem Gurvitch ihm am Klavier vorgespielt hatte. „Zu der Idee dachte ich erst, die ‚Vier Jahreszeiten‘ gibt es ja schon“, so der Choreograf, „aber dann gefiel mir die interkulturelle Perspektive, weil ich mich an den chinesisch-japanischen Sekki-Kalender erinnert habe, einen Sonnenkalender mit 24 Jahreszeiten, der Naturereignisse betont.“ Bei der fünften Jahreszeit in handelt es sich um den Altweibersommer, der auf Englisch Indian Summer heißt und in den slawischen Ländern Bab’ye leto (Weibersommer), jene warme Phase im Frühherbst, in der die Feldarbeit vorbei war. Das von älterer Musik inspirierte Werk ist auch der zeitgenössischen Musiksprache verbunden. Stellenweise lassen sich folkloristische Elemente erkennen, doch versteht sich das Stück in erster Linie als konsequente Weiterführung der klassischen Konzerttradition für Soloinstrument und Orchester.Zur Choreografie in der Elbphilharmonie werden zwölf Musikstücke erklingen, dem Jahreskalender entsprechend. Kreisrund ist die Sache also erneut. Gurvitch dirigiert sein Ensemble während der Aufführung vom Piano aus und stimmt mit Revazov überein: „Natürlich sind wir sehr international, die Musik kommt aus unterschiedlichen Ländern, und was uns vereint, ist eben der Tanz für den Frieden, ganz gleich, ob jemand aus der Ukraine, Belarus, Georgien, Japan oder Amerika kommt.“Uraufführung in der Elbphilharmonie, „5 Seasons“: 6. Juni, 16 und 20 Uhr
Elbphilharmonie: Ballett-Uraufführung mit internationalen Stars - WELT
Choreograf Edvin Revazov und Komponist Leon Gurvitch setzen ihre Zusammenarbeit mit der Uraufführung des Balletts „5 Seasons“ in der Elbphilharmonie fort – mit Spitzentänzern aus fünf Compagnien.







