PfadnavigationHomeRegionalesHamburgOlympia-ReferendumLinke fordert Kurswechsel nach Olympia-Nein – Fokus auf Breitensport und soziale FragenStand: 13:01 UhrLesedauer: 4 MinutenEckart Maudrich (v.l.), Sprecher der Hamburger Bürgerinitiative „Nolympia“, Heike Sudmann, Co-Fraktionsvorsitzende, und Martin Wolter, Fachsprecher für Sport, (beide Die Linke)Quelle: Georg Wendt/dpaNach dem Olympia-Referendum sieht sich die Hamburger Linke bestätigt und fordert Konsequenzen vom Senat. Das Nein der Wähler sei ein Signal für neue Prioritäten – weg von Prestigeprojekten, hin zu Breitensport und sozialen Themen.Schon 2015 gehörte die Hamburger Linke zu den treibenden Kräften in der Runde der Gegner einer Hamburger Olympiabewerbung. Nun hat der Hamburger Senat die Abstimmung erneut verloren und die Fraktion der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft sieht ihre Kritik bestätigt und leitet aus dem gescheiterten Olympia-Referendum zugleich konkrete politische Forderungen ab. Einen Tag nach der Abstimmung, bei der knapp 55 Prozent der Hamburger gegen eine Bewerbung gestimmt haben, verlangte die Fraktion eine Neuausrichtung der Sportpolitik und eine Überprüfung der Prioritäten des Senats.Co-Fraktionsvorsitzende Heike Sudmann sprach von einem „eindeutigen Ergebnis“. Die Linke habe über Monate hinweg Schwachstellen der Bewerbung offengelegt: „Wir haben zig Anfragen gestellt, wir haben in den Ausschüssen fast immer alleine die Fragen gestellt und versucht herauszufinden, was in dem Konzept alles fehlt.“ Dass diese Kritik bei den Wählern Resonanz gefunden habe, wertete sie als Bestätigung. Zugleich betonte Sudmann, das Ergebnis sei kein parteipolitischer Erfolg: „Es ist eine Mehrheit der Hamburgerinnen, die kritisch geguckt hat.“Lesen Sie auchIm Zentrum der Kritik steht die Ausrichtung der Bewerbung. Aus Sicht der Linken wurde in der Kampagne ein verzerrtes Bild vermittelt. „Es gab viele, viele schöne Bilder“, sagte Sudmann. Zentrale Aspekte seien dagegen „völlig ausgeblendet“ worden – etwa Kosten für große Bauprojekte oder Sicherheitsausgaben. Der starke Fokus auf Emotionen habe einen Hintergrund gehabt: „weil das Finanzkonzept etliche Schwachstellen hatte“.Vor allem aber verbindet die Fraktion das Abstimmungsergebnis mit konkreten Forderungen. Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher, verwies auf das Verhältnis geplanter Investitionen im Olympiakonzept: eine Arena „für 1,4 Milliarden“ gegenüber „167 Millionen Investitionen in Trainingsstätten“. Dieses Verhältnis sei „falsch“, sagte Wolter, „wir müssen das umkehren“.Der Senat hatte stets betont, dass die geplante Multifunktionsarena auch ohne einen Olympia-Zuschlag gebaut werde. Wolter kündigte an, dass die Linkenfraktion sich dafür einsetzen werde, dass die Arena nicht kommt. Man sehe deren Notwendigkeit nicht und werde mit Anfragen an den Senat aufzuklären versuchen, inwieweit das bestehende Volksparkstadion die angeblich bestehende Lücke schließen könne. Die durch die Nichtrealisierung der Arena frei werdenden Mittel sollten gezielt in bestehende Defizite fließen. In Hamburg fehlten „Sporthallen, Schwimmbäder, Eishalle, verschiedene Sportstätten“. Das Geld könne „viel besser“ eingesetzt werden – für Neubau und Modernisierung sowie „auch im Bereich der Barrierefreiheit“.Lesen Sie auchÜber die Sportpolitik hinaus formulierten die Linke und der Verein „Nolympia“, der Olympiagegner, Bedingungen für künftige Großprojekte. Eckart Maudrich vom Verein „Nolympia“ betonte, das Ergebnis sei kein grundsätzliches Nein zu internationalen Veranstaltungen. „Ist das das Ende von Großsportveranstaltungen in Hamburg? Nein, ganz sicher nicht“, sagte er. Das Votum setze jedoch klare Maßstäbe: „Was wir nicht akzeptieren können, ist, dass alle Lasten und alle Kosten auf unserer Schulter liegen.“Maudrich kritisierte zudem die öffentliche Debatte im Vorfeld des Referendums. In der Darstellung der Bewerbung seien „Zerrbilder“ entstanden – etwa bei Kosten oder möglichen Gewinnen. Auch der Umgang mit Informationsmaterial, etwa für Schulen, sei problematisch gewesen. Unterrichtsmaterialien ohne kontroverse Darstellung bezeichnete er als „Überschreitung einer roten Linie in einer Demokratie“. Seine Forderung lautet: „Lasst uns wieder zurück zur Sachlichkeit kommen.“Sudmann sieht den Senat nach dem Votum insgesamt in der Pflicht – und verbindet das ausdrücklich mit einer politischen Kurskorrektur. Die Regierung habe aus ihrer Sicht über weite Strecken nicht erkannt, „was die Hamburger eigentlich gerade an Problemen haben“. Während Themen wie soziale Spannungen viele Menschen unmittelbar beträfen, habe der Senat mit der Olympia-Bewerbung andere Prioritäten gesetzt.Das Ergebnis sei deshalb auch ein Hinweis darauf, dass Politik und Alltag auseinandergerückt seien. Der Senat müsse sich nun fragen, ob er noch „am Kurs der Stadt“ sei und ob seine Entscheidungen tatsächlich die Lebensrealität der Menschen abbildeten. Es gehe nicht nur um das Projekt Olympia, sondern um ein grundlegendes Verständnis von Politik in der Stadt.Eine Rücktrittsdebatte lehnt Sudmann allerdings ab. Es sei „billig“, jetzt einzelne Personalfragen in den Vordergrund zu stellen. Entscheidend sei vielmehr, dass die Regierung die Kritik ernst nehme und ihre Politik überprüfe. Der Senat müsse zeigen, dass er verstanden habe, „was die Botschaft war“, die die Wähler mit ihrem Votum gesendet hätten.Redakteurin Julia Witte genannt Vedder arbeitet in der Hamburg-Redaktion von WELT und WELT AM SONNTAG. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Hamburger Politik.
Olympia-Referendum: Linke fordert Kurswechsel nach Olympia-Nein – Fokus auf Breitensport und soziale Fragen - WELT
Nach dem Olympia-Referendum sieht sich die Hamburger Linke bestätigt und fordert Konsequenzen vom Senat. Das Nein der Wähler sei ein Signal für neue Prioritäten – weg von Prestigeprojekten, hin zu Breitensport und sozialen Themen.















