Impfstoffproduktion im Biontech-Werk Marburg: Die einzige Anlage für mRNA-Großproduktion in Deutschland steht zum Verkauf

Der Ausstieg kam abrupt und hat schwere Nebenwirkungen: Mit dem Biontech-Stopp für die Impfstoffproduktion fällt ein wichtiger Baustein aus der Pandemievorsorge der Bundesregierung ersatzlos aus. Das Mainzer Biotechunternehmen gehörte zusammen mit dem Anfang des Jahres übernommenen Tübinger Konkurrenten CureVac zu den fünf Pharmaunternehmen, mit dem das Zentrum für Pandemieimpfstoffe und Therapeutika beim Paul-Ehrlich-Institut im Mai 2022 Lieferverträge für den Ernstfall unterzeichnet hatte. Berlin verpflichtete sich dabei zu Zahlungen von bis zu 2,86 Milliarden Euro, verteilt auf sieben Jahre.

Das Prinzip war simpel: Der Staat zahlt eine jährliche Pauschale, die Unternehmen verpflichten sich, Fertigungskapazität vorzuhalten – und bei Ausbruch einer neuen Pandemie die Produktion anlaufen zu lassen. Drei Jahre nach Unterschrift haben zwei der fünf Vertragspartner (Celonic und GlaxoSmithKline) die Vereinbarung bereits gekündigt. Nun macht auch Biontech seinen Standort in Marburg bis Ende 2027 dicht. Damit steht eine der größten mRNA-Produktionsanlagen Europas vor dem Aus.