Herr Stang, seit Kurzem dürfen Privatleute kein Rattengift mehr kaufen und auslegen. Wird die Rattenplage jetzt schlimmer?Da frage ich erst einmal zurück: Welche Plage? Ich vermag nicht zu schätzen, wie viele Ratten es in Deutschland gibt, aber ich wäre vorsichtig damit, von einer Rattenplage zu sprechen. Es gibt sicher in den großen Städten Bereiche, wo es vermehrt Ratten gibt und wo man lokal von einer Rattenplage sprechen kann.Fakt ist: Dort dürfen die Betroffenen jetzt keine Köder mehr auslegen. Ich kann verstehen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher irritiert sind. Aber das hat seine Gründe. Die Produkte enthielten den Wirkstoff Coumatetralyl, das ist ein Blutgerinnungshemmer, ein Antikoagulans der ersten Wirkstoffgeneration, die schon seit den Vierzigerjahren gegen Schadnager verwendet wird.Die Ratte verblutet innerhalb weniger Tage, wenn sie den Köder frisst. Ja, der Köder wirkt zeitverzögert. Würde eine Ratte an einem Akutgift sterben, würden das die anderen Ratten sofort merken. Die gingen dann nicht mehr an den Köder heran. Bei der Rattenbekämpfung ist es aber mit der Köderauslage nicht getan. Christoph Stang ist Umweltwissenschaftler und befasst sich am Umweltbundesamt unter anderem mit Bioziden.privatBislang war das die Praxis. Betroffene gingen in den Baumarkt und legten die Köder zu Hause aus. So hören wir das auch, aber zielgerichtet und sachgerecht ist das oft nicht, die Köder müssen an der richtigen Stelle platziert werden. Anders wiegt man sich in trügerischer Sicherheit. Um Ratten effizient zu bekämpfen, muss man viel über ihre Lebensweise und Verhalten wissen. Das gehört nicht zum Allgemeinwissen, und daher ist es fragwürdig, ob man Ratten allein mit solchen Produkten effizient bekämpfen kann. Was soll der Hausbesitzer künftig tun, wenn er ein Rattenproblem hat?Er ist gut beraten, einen Schädlingsbekämpfer zu rufen. Das sind ausgebildete Leute, die wissen, wo sich die Ratten verstecken, wo man die Köder platzieren muss – und was alles noch zu tun ist, um das Problem zu beseitigen. Das klingt vernünftig, aber in den Städten muss man teilweise Monate auf einen Termin warten, und nicht jeder Hausbesitzer kann sich das leisten.Wenn ein Rattenproblem auf dem Grundstück auftritt, wird die Mehrheit der Menschen mit eigenen Mittel nicht Herr der Lage. Da muss ein Profi ran. Wir hören aus der Branche, dass die Verbraucher viel ausprobieren, aber am Ende dann doch die Schädlingsbekämpfer holen. Verbraucher dürfen Fallen aufstellen, aber das Auslegen von Ködern von Laien halten wir im Hinblick auf das Risikoprofil der enthaltenen Wirkstoffe nicht mehr für vertretbar.Sind Ratten zu intelligent für Fallen?Ratten sind grundsätzlich intelligent, daher ist das schon eine Herausforderung, aber das ist bei den Ködern nicht anders, zumal die frei verfügbaren sehr niedrig dosiert waren.
Rattenexperte: Bei einer Plage muss ein Profi ran
Ratten in Garten und Haus konnten bisher mit Gift aus dem Baumarkt bekämpft werden. Das ist nun verboten. Ein Rattenkenner erklärt, wie man die Tiere dennoch loswird.









