Schuhmacherei ist ein sterbendes Gewerbe. Ganze 44 Betriebe sind bei der Handwerkskammer Berlin noch registriert. Wer überlebt, profitiert davon.
Rockmusik dröhnt aus der offenen Tür. Drinnen riecht es nach Leder und Klebemittel. Bis obenhin vollgestopft sind die Regale des winzigen Ladens mit Schuhen, die auf Reparatur warten. Einzelstücke, Paare, große, kleine. Eingezwängt mitten drin an einer Schleifmaschine, eine Schürze vor dem Bauch, steht ein großer kräftiger Mann. Der Schuster.
Am Telefon hatte er gesagt, man könne vorbeikommen, aber jetzt möchte er doch nicht so recht mit der Sprache heraus. Nur soviel: Er komme aus der Kaukasusregion, habe Bauingenieur gelernt und vor 20 Jahren auf Schuhmacherei umgesattelt. „Das ist eine ganz schwere Arbeit. Den ganzen Tag stehen. Laute Maschinen.“ Lange halte er das nicht mehr durch, sorge sich um seinen Laden. „Die jungen Leute wollen doch alle vor dem Computer sitzen.“
Schuhmacherei ist ein sterbendes Gewerbe, nicht nur in Berlin. Ganze 44 Schuster sind bei der Handwerkskammer Berlin noch als Betrieb eingetragen, wie deren Hauptgeschäftsführer Jürgen Wittke der taz sagt. Seit der Pandemie sei der Einbruch so richtig spürbar. Vor Corona waren bei der Vertretung des Handwerks noch 64 Schuhmacher registriert. „Im Homeoffice sind alle in Socken rumgelaufen und haben ihre Schuhe geschont“, sagt Wittke, er meint das nicht als Scherz.







