Zwischen Mall of Berlin und Bundesrat, zwischen Hipster-Café und Dönerbude liegt ein Gelände, das aus einer anderen Welt kommt: Personenkult statt Demokratie, Propaganda statt Werbebanner, Militärparaden statt Touristenströme. 8000 Quadratmeter überwuchertes Terrain, graue Fassaden, blickdichte Fenster – und an der Fassade das Wappen der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK). Nordkorea, mitten in Berlin, Glinkastraße. Hier gilt das Recht einer der letzten sozialistischen Diktaturen der Welt. Die Zeit scheint stillzustehen – als hätte jemand 1989 vergessen, die Uhr aufzuziehen.

Eine Botschaft hat im Normalfall einen klaren Daseinszweck: Sie pflegt die diplomatischen Beziehungen zwischen zwei Ländern. Doch zwischen Deutschland und der DVRK gibt es weder Handelsabkommen noch nennenswerte diplomatische Kontakte – spätestens seit Kim Jong-un öffentlich mit Atomwaffen westlichen Mächten droht, herrscht weitgehend Funkstille. Für Deutschland erfüllt diese Botschaft also keinen erkennbaren Zweck. Für Nordkorea hingegen ist sie vor allem eines: ein Außenposten zur Geldbeschaffung, so die Vorwürfe.

Geteilte Schicksale

Deutschland und Korea verbindet mehr, als die geografische Ferne vermuten lässt: Beide Länder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ideologisch gespalten. Mit dem Ende der 35-jährigen japanischen Besatzung teilten die Siegermächte USA und Sowjetunion die koreanische Halbinsel in zwei Besatzungszonen – der sowjetisch kontrollierte Norden wandte sich dem Kommunismus zu, der amerikanisch geprägte Süden dem Kapitalismus. Ein Schicksal, das Deutschland nur allzu gut kannte.