Einen Vertrauensvorschuss kann man das nicht nennen: Gleich 51 Prozent der Parlamentarier stimmten Mitte Mai in den Finanzausschüssen gegen die Berufung von Emmanuel Moulin zum neuen Gouverneur der Banque de France. Für ein Veto hätte jedoch die Schwelle von 60 Prozent überschritten werden müssen. Der 57-jährige Karrierebeamte tritt daher am heutigen Montag sein Amt an und vertritt die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB).Sogar seine Gegner betonen freilich, keine Zweifel an seiner Kompetenz zu haben. Vielmehr ist es seine Nähe zum Präsidenten, die ihm vorgeworfen wird. Dabei hatte Moulin Anfang Mai die Position des Generalsekretärs im Élysée-Palast aufgegeben, um sich „als freier Mann und Beamter im Dienste des Staates“ für die Position des Notenbankchefs zu bewerben. Bei der dreistündigen Anhörung versuchte Moulin zu erklären, dass die Unabhängigkeit der Notenbank schon deshalb gesichert sei, weil Macron nicht mehr lange Präsident sein wird.Macron will wichtige Institutionen absichernIm Frühjahr 2027 stehen Wahlen in Frankreich an. Weil Jordan Bardella und Marine Le Pen vom rechtsextremen Rassemblement National in Umfragen vorne liegen, eröffnete Macron der vorzeitige Rücktritt des langjährigen Notenbank-Chefs François Villeroy de Galhau die Möglichkeit, noch einen Nachfolger zu bestellen. Macron hievt gezielt Vertraute in Schlüsselpositionen – ganz offensichtlich, um sie vor einer möglichen Machtübernahme der Rechtsextremen in Frankreich abzusichern. Der ehemalige Präsident der Nationalversammlung Richard Ferrand wurde zum Chef des Verfassungsrats, des Höchstgerichts, ernannt. Zuletzt nominierte Macron Amélie de Montchalin, die ehemalige Ministerin für öffentliche Finanzen, für die Leitung des Rechnungshofs.Und nun wählte er für die Notenbank Moulin, der allerdings Diener vieler Herren und einer Dame unterschiedlichster politischer Couleur war. Der als Wirtschaftsfachmann ausgebildete Absolvent von Eliteinstitutionen begann Anfang der 2000er-Jahre bei der Weltbank in Washington. Als er vor zwanzig Jahren als Beamter in Paris einstieg, befand er sich an vorderster Front im Kampf gegen die Finanzkrise. Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), kennt Moulin gut, denn er war ihr stellvertretender Kabinettschef, als sie Finanzministerin war. Danach arbeitete er als Wirtschaftsberater von Nicolas Sarkozy im Élysée-Palast. Nach einer Zeit in der Privatwirtschaft bei Eurotunnel und der italienischen Bank Mediobanca übernahm er hohe Positionen im Finanzministerium und wurde schließlich im Vorjahr Generalsekretär im Élysée-Palast.Ein schlechtes Omen?In all seinen Positionen hatte er Probleme zu managen: in der Euro-Zone, die Covid-Pandemie, Inflation, die Energiekrise wegen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Von ihm selbst ist das Bonmont überliefert: „Immer wenn ich einen neuen Posten antrete, ist eine Krise aufgetaucht.“ Wenn das nur kein schlechtes Omen ist, lästern schon manche in Paris.Moulin gilt als umgänglich und humorvoll. Die Anhörungen im französischen Parlament boten dem bisher im Hintergrund agierenden Franzosen Gelegenheit, sich zu positionieren. Allerdings hielt Moulin es für „zu früh“, sich darauf festzulegen, ob der EZB-Rat – dem er in seiner Position automatisch angehört – bei seiner nächsten Sitzung am 10. und 11. Juni eine Zinserhöhung vornehmen soll. Wie sein Vorgänger unterstützt er trotz des Widerstandes der Banken den „digitalen Euro“. Mit der deutschen Regierung bahnt sich bereits ein Konflikt an: Moulin sprach sich bei seinem Auftritt im Parlament für die Aufnahme gemeinsamer Schulden aus, was Deutschland vehement ablehnt. Er vertritt damit die Position seines Präsidenten.Rat, wie man mit den von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Krisen umgehen soll, kann er sich zu Hause holen. Seine Frau Laurence Nardon, mit der er vier Kinder hat, leitet im Französischen Institut für internationale Beziehung (Ifri) die US-Abteilung. Als gefragte Expertin stand sie bisher stärker in der Öffentlichkeit als ihr Mann, was sich nun ändern dürfte.
Leitzinsen: Emmanuel Moulin und die Europäische Zentralbank
Emmanuel Moulin, ein Vertrauter von Präsident Macron, übernimmt die Führung der französischen Notenbank.







