PfadnavigationHomeICONISTTrendsSchumacher-HochzeitDas seltsame Vakuum in Ralf Schumachers Hochzeits-DokuStand: 14:29 UhrLesedauer: 5 MinutenRalf Schumacher zeigt sein neues Leben – aber mit einem unerwarteten Fokus Quelle: SKYRalf Schumacher hat geheiratet – und Sky begleitet Vorbereitungen und Hochzeit mit einer Dokusoap. Die erzählt, was man nicht wissen muss, und lässt weg, was interessiert. Dennoch gibt es wahrhaftige Momente. Und viel Wein-Werbung.Sein ganzes Leben hätte sich verändert, sagt Ralf Schumacher ganz zu Beginn der Dokusoap über seine Hochzeit mit Etiénne Bousquet-Cassagne. Denn: Er sei ja jetzt kein Formel-1-Fahrer mehr, sondern „inzwischen Geschäftsmann und Weinbauer“. Joah. Das ist jetzt nicht das, was man als erstes geantwortet hätte, wäre man gefragt worden, was sich denn im Leben des Ralf Schumacher in den vergangenen Jahren so grundlegend verändert hat. Aber es zeigt direkt, was das öffentliche Bild von Ralf Schumacher stets prägte – und wofür er steht: Diskretion, Kontrolle, ein bisschen Langeweile, ein bisschen Spießigkeit. Ralf Schumacher hätte dieses Bild brechen können, einen Einblick geben in die Gedanken, die dazu führten, dass er im Juli 2024 per Instagram seine Beziehung zu einem Mann öffentlich machte – nachdem er 14 Jahre mit seiner vermeintlichen Jugendliebe Cora verheiratet gewesen war. Als Protagonist seiner Sky-Hochzeitsdoku („Ralf & Etiénne – Wir sagen Ja“) ganz in der Tradition von „Sarah und Marc in Love“ oder „Daniela Katzenberger – Mit Lukas im Hochzeitsfieber“. Doch der große Bruch in seinem Leben wird mit keinem Wort erwähnt. Irgendwie ist es ja auch angenehm, dass die Sendung aus der Tatsache, dass hier zwei Männer heiraten, kein großes Thema macht. Nur ist Ralf Schumacher eben nicht aus einem luftleeren Raum direkt in Etiénnes Arme gefallen, seine erste Hochzeit mit Cora war pompös und für die Öffentlichkeit dokumentiert. Parallel erzählt der Boulevard auch weiterhin regelmäßig die Perspektive von Cora Schumacher. So entsteht ein seltsames Vakuum, wenn die Produktion diese Vorgeschichte nicht einmal kurz einordnet. Auch Etiénne Bousquet-Cassagnes Vergangenheit als Politiker im rechten Front National (jetzt Rassemblement National) wird nicht thematisiert, was er aktuell beruflich macht, bleibt unklar. Schumacher ist erschrocken, verlegen und unsicherStattdessen erfindet man harmlose Pseudounternehmungen, begleitet Vater und Sohn beim Golfspielen, obwohl Ralf Schumacher gar nicht gerne Golf spielt – „Schönes Wetter.“ „Das ist ja um die Jahreszeit auch nicht selbstverständlich.“ Vater-Sohn-Dialoge, die in jeder anderen Reality-Show im Schnitt sterben müssten, schaffen es hier in die Sendung. Was man sonst noch erfährt: Ralf Schumacher geht gerne einkaufen, macht viel Sport, mag keine Blumen auf dem Tisch, und trägt oft dunkelblaue Kleidung. „Wir tragen sehr, sehr viel dunkelblau“, sagt er sogar, Sohn David findet das für den Hochzeitsanzug aber nicht gut, „ich fände hellbeige oder hellblau besser“; aber dann ist es ihm irgendwie auch egal. Sendeminuten sind gefüllt. Lesen Sie auchDie einzigen juicy bits erfährt man von Etiénne: Schon beim ersten Date hätte Schumacher gefragt, ob er danach bei ihm übernachten möchte. Beim zweiten Treffen sei es dann so weit gewesen. Auch liefert er eine Storyline, indem er sein Facelift begleiten lässt. Als Ralf Schumacher ihn nach der OP erstmals sieht, ist der Ex-Rennfahrer erschrocken, verlegen und unsicher, – einer der wenigen echten Momente der Sendung. „Ich hoffe, er akzeptiert irgendwann, dass man das Altern nicht aufhalten kann“, sagt er über den 36-Jährigen. Andere hätten sich nach ihrer Rennfahrer-Karriere neu erfinden müssen, sagt Schumacher, er nicht, da er schon immer geplant habe, danach Weinbauer zu werden. Und das scheint das Narrativ zu sein, mit dem er in der Öffentlichkeit gesehen werden will, vielleicht auch der Grund, warum er dieser Sendung zugestimmt hat. Der neue Ralf ist der alte Ralf, nur als Weinbauer! Der Zuschauer erfährt kaum etwas über Ralf Schumacher, wenig über seine neue Beziehung, aber dafür viel über Wein. Sehr viel. Der Schumacher-Wein ist der eigentliche dritte Hauptdarsteller der Serie. Die Kamera begleitet Weinmessen, Weinproben und Etiketten-Diskussionen. Eine halbe Folge dreht sich nur darum, wie die Flasche des Weins aussehen soll, der zur Hochzeit serviert wird. „Der Hochzeitswein wird nicht fruchtig, sondern sehr trocken“ – wäre das auch geklärt. Aufnahmen der Flaschen füllen den kompletten Bildschirm. Das Schumacher-Wein-Logo mit einem goldenen, verschnörkelten S erinnert entfernt an das von Roberto Geiss’ Modelabel „Roberto Geissini“. Die Weine heißen „Etiénne“, „David“ oder „Vivien“, nach Ehemann, Sohn und Schwiegertochter. Nur Schumacher selbst gab seinem Lieblingswein nicht seinen Vornamen, sondern nannte ihn schlicht „No. 1“.Die Weinflaschenfamilie mit ihren „verrückten“ schwarz-goldenen Etiketten, die wahrscheinlich „anders als andere Weine“ aussehen sollten, wirkt dabei umso biederer und steht allzu naheliegend stellvertretend für die echte „neue“ Schumacher-Familie. Die fast schon rührend langweilig-spießig am Küchentisch sitzt und es verwegen findet, Witzchen zu machen wie „es ist ja schon die zweite Hochzeit und hoffentlich die letzte“. Dann wird raunend gelacht, so wie damals im Publikum, wenn Harald Schmidt einen Hitler-Witz machte. Einmal verschluckt sich Etiénne an, na klar, Wein und muss husten, das finden auch alle sehr lustig.Lesen Sie auchGenau diese Momente sind es aber auch, in denen ein bisschen Wahrhaftigkeit durchblitzt. Wo man merkt: Ralf Schumacher und sein Sohn sehnen sich so sehr nach Harmonie und Normalität, dass alles andere ausgeblendet werden muss. Die Beziehung von Ralf und Etiénne scheint zu funktionieren, weil Ralf, so sagt Etiénne, „niemals kompliziert ist“. Herausfordernde Themen wie den Tod von Schumachers Mutter, lassen die beiden auch einfach mal weg, darüber hätten sie noch nie so richtig gesprochen. Auch nicht darüber, ob Etiénne den Nachnamen Schumacher annehmen will, was zu einer verlegenen Situation beim Anzugschneider führt, als der die Initialen wissen will. „Mit Etiénne ist alles so harmonisch, das kannte ich vorher nicht“, sagt Schumacher. Die beiden beenden jedes Telefonat mit „Bisou!“. Ein großer Spannungsbogen der Staffel besteht schließlich darin, ob David am Hochzeitstag möglicherweise ein Rennen fahren muss und deshalb fehlen könnte. Dass Perfektionist Ralf Schumacher seine Hochzeit ernsthaft ohne seinen Sohn planen würde, ist vielleicht nicht unbedingt glaubwürdig, wenn andauernd betont und auch durchaus glaubhaft dargestellt wird, wie eng Vater und Sohn miteinander sind. Paparazzi-Bilder der Hochzeit zeigen an diesem Wochenende dann auch: David ist da. Und Ralf und Etiénne tragen, ja, dunkelblau! Sky-Mitarbeiter versuchten, die beiden mit Schirmen zu verdecken, um diesen weiteren Spannungsbogen für die nächste Folge am kommenden Donnerstag aufrechtzuerhalten. Jetzt hat nicht mal das geklappt.
Schumacher-Hochzeit: Das seltsame Vakuum in Ralf Schumachers Hochzeits-Doku - WELT
Ralf Schumacher hat geheiratet – und Sky begleitet Vorbereitungen und Hochzeit mit einer Dokusoap. Die erzählt, was man nicht wissen muss, und lässt weg, was interessiert. Dennoch gibt es wahrhaftige Momente. Und viel Wein-Werbung.
















