Der neue Direktor könnte aus dem „Vertriebenenmuseum“ endlich etwas Tolles machen: ein Labor der Emphatie, in dem man Geflüchteten aller Art zuhört.
D as Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung bekommt an diesem Montag mit Roland Borchers einen neuen Direktor. Vorausgegangen war ein Machtkampf um die Absetzung seiner Vorgängerin Gundula Bavenkamp. Und der Bund der Vertriebenen, auf dessen Initiative das Haus überhaupt entstand, wird weiterhin auf eine Überarbeitung der Dauerausstellung drängen. Dabei müsste, statt der 2021 fertiggestellten Ausstellung Nadelstiche zu versetzen, das Haus radikal geöffnet werden, damit mehr Touristen und Berliner die Geschichte und Gegenwart von Zwangsmigration hinterfragen.
Die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums ist ein Kompromiss, der nach der Gründung des Hauses geschlossen wurde. Er ermöglichte, ein „sichtbares Zeichen“ dauerhaft in Berlin zu etablieren. Die Geschichte von zwölf Millionen deutschen Vertriebenen wird als Teil einer europäischen Entwicklung und als Folge des deutschen Vernichtungskrieges im östlichen Europa erzählt. Im ersten Obergeschoss machen die Kuratoren die Geschichte von Nationalismus und der Idee „ethnischer Säuberungen“ als Form staatlicher Bevölkerungspolitik sichtbar. Im zweiten Obergeschoss wird die Zwangsmigrationserfahrung von ethnischen Deutschen aus unterschiedliche Regionen im östlichen Europa minutiös dargestellt.









