„Broken glass everywhere, people pissin’ on the stairs, you know they just don’t care“ – mit diesen Zeilen begann 1982 der legendäre HipHop-Song „The Message“ von Grandmaster Flash and the Furious Five. Wer mit halbwegs offenen Augen vom Kottbusser Tor zum Alexanderplatz läuft, könnte den Eindruck gewinnen, der Song beschreibe nicht die South Bronx vor über 40 Jahren, sondern sei Teil einer Reportage aus Berlin-Mitte.

Die Frage nach dem Stadtbild ist keine humoristische, sondern eine soziologische: Wird die Stadt schmutziger, weil die Menschen verrohen – oder verrohen die Menschen, weil ihre Stadt ihnen täglich signalisiert, dass ohnehin niemand mehr aufpasst?

Die Forschung legt nahe, dass beides ineinandergreift. Öffentliche Räume sind soziale Infrastruktur. Orte, an denen Vertrauen, Zugehörigkeit und Normen entstehen oder erodieren. Kriminologische Studien zur sogenannten collective efficacy – also zur kollektiven Handlungsfähigkeit und der Bereitschaft von Anwohnern, im Zweifel selbst einzugreifen – zeigen, dass Nachbarschaften mit hohem gegenseitigen Vertrauen die Verwahrlosung eher begrenzen.

Was an „Broken Windows“ plausibel ist

Eine berühmte These der US-Politikwissenschaftler James Q. Wilson und George L. Kelling aus dem Jahr 1982 lautet: Ein zerbrochenes Fenster sendet das Signal aus, dass sich niemand kümmert. Die soziale Hemmschwelle für weitere Regelverstöße sinkt. Kelling selbst erklärte später, die Metapher solle Behörden dazu bringen, Störungen ernst zu nehmen, bevor sie eskalieren.