Babyboomer, die alles tun, um jung zu bleiben, und Botox-Jünger, die nicht altern wollen – in Monte Carlo lernt man, den Tod zu verdrängen.Sacha Batthyany (Text) und Alessandro Mitola (Fotos)31.05.2026, 05.30 Uhr11 LeseminutenHafen in Monte Carlo.Das ist nur Kulisse.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Superjachten im Port Hercule, die Luxusboutiquen an der Place du Casino. Dann dieses Licht, das alles zum Glitzern bringt und jeden Besucher erst einmal blendet, bis man nach einer Weile eben feststellt: alles Theater für eine Handvoll Touristen, die die flügeltürigen Lamborghinis bestaunen, während sie mit sonnenverbrannten Nacken auf den Terrassen der Brasserien auf ihre Île flottante warten.Monte Carlo zehrt noch vom Glamour vergangener Tage. Hält sich ein Kasino, ein Zirkusfestival, ein Formel-1-Rennen, ein Tennisturnier.Doch die Sportler leben längst in Dubai, die Schauspielerinnen fanden es hier schon immer öd, und für steuerflüchtige Milliardäre gibt es andere Möglichkeiten, sich am Fiskus vorbeizuschlängeln.In Wirklichkeit hat sich dieser Ort in den vergangenen zwanzig Jahren in ein exklusives Altersheim unter Palmen verwandelt.Ein Labor für ein gewagtes Experiment.Auf diesem kalksteinigen Felsen am Mittelmeer beschlossen die Menschen, kein Alter mehr zu haben und alles dafür zu tun, den körperlichen Verfall aufzuhalten.Die Verdrängung des Todes ist der wahre Luxus, das Hinauszögern des Sterbens ein letztes Aufbäumen ihrer Macht. Mit einem krokodilgrünen Bentley durch mediterrane Gassen zu gondeln, kann schliesslich jeder.Hunger aufs Leben.Nirgends ist das Durchschnittsalter der insgesamt 38 600 Bewohnerinnen und Bewohner höher. Nirgends leben sie länger. Bereits gibt es im Fürstentum über hundert 100-Jährige.Monaco, eingekeilt zwischen dem überalterten Frankreich und dem hochbetagten Italien, ist an der Spitze einer Entwicklung, die viele Länder betrifft, auch die Schweiz: Die Geburtenraten sinken, die Menschen sterben später, die Alterspyramiden drehen sich auf den Kopf, seit die Babyboomer das Rentenalter erreichen.Ist das die Zukunft Europas? Entsteht in Monte Carlo ein neues Menschenbild, weil die reichste und glücklichste Generation, die es je gab, nicht gewillt ist, ihre Vergänglichkeit zu akzeptieren?Longevity statt High Society.Makrelen statt QuarktörtchenTermin bei Philippe Migliasso und Pascale Gelormini, ein schmuckloser Bau an der Rue Grimaldi, von aussen ist nicht zu erkennen, dass es sich hier um eine der wichtigsten Adressen Monacos handelt. Die beiden Gesundheitsexperten leiten das Gerontologische Zentrum, sie haben den Aufstieg der Alten zur wichtigsten Zielgruppe der Regierung mitgestaltet.«Es begann in den frühen 2000er Jahren», sagt Migliasso, «als man sich mit der Überalterung auseinandersetzte und sie zur Priorität in der Gesundheitspolitik machte.»Jede Bewohnerin und jeder Bewohner über 65 wird in Migliassos und Gelorminis Zentrum auf Staatskosten von Kopf bis Niere durchgetestet: erst die kognitiven Fähigkeiten, dann die Blutwerte, Erbkrankheiten, die psychische Verfassung, der Grad der sozialen Isolation.Ein Team aus Spezialisten setzt daraufhin individuelle Ziele, bewertet ihre Autonomie, kümmert sich um die Finanzierung und motiviert sie, vielleicht einem Schachklub beizutreten, sich einen kleinen Hund zuzulegen, sich der Qi-Gong-Gruppe im Park anzuschliessen oder wenigstens die Zitronenquarktörtchen durch Omega-3-haltige Makrelen zu ersetzen.«Das chronologische Alter sagt heute gar nichts mehr aus», sagt Gelormini, deshalb das individuelle Vorgehen. Manche Menschen seien körperlich gebrechlicher, andere dank ihren Personal-Trainern, die auf Osteoporose spezialisiert seien, topfit, fühlten sich aber einsam und zögen sich zurück, was das Risiko einer Demenz erhöhe.«Man muss das Altern ganzheitlich ansehen», sagt Pascale Gelormini und lacht, dass ihre Locken tanzen, weil sie die nächste Frage antizipiert: «Natürlich ist das kostenintensiv» und für bevölkerungsreichere Länder «wohl eher unpraktikabel».Aufstieg der Alten zur wichtigsten Bevölkerungsgruppe der Regierung.Während in der Schweiz darüber diskutiert wird, wie man in einer überalterten Gesellschaft in Zukunft das Rentensystem finanziert, ist die Regelung in Monaco relativ simpel.Wer von den Vorzügen des Gesundheitssystems profitieren will, hatte entweder das Glück, als Bürger dieses Kleinstaats auf die Welt gekommen zu sein. Oder aber man kauft sich ein, hinterlegt mindestens eine halbe Million Euro, besitzt eine Wohnung, einen guten Leumund, einen noch besseren Anwalt oder einen direkten Draht in den Fürstenpalast.Migliasso und Gelormini, die beiden Altersexperten, erzählen derweil vom neuesten Angebot für ihre Senioren aus einer Palette von Dienstleistungen, die jedes Wellnesshotel in Verlegenheit brächte: von den Nachtportiers, die man sich für 35 Euro bestellen könne und die, je nach Bedürfnis, das Geschirr spülen, die Vorhänge zuziehen, die Einnahme der Medikamente kontrollieren oder die Furcht vor der Dunkelheit nehmen und «auch mal am Bettrand sitzen».Ziel sei, dass alte Menschen in Monte Carlo so lange wie möglich zu Hause blieben. Erst wenn es nicht mehr anders geht, sollen sie in ein Pflegeheim wechseln, von denen es nur so wimmelt, je nach Grad der Erkrankung und je nach Kontostand.Mal sind das staatlich geförderte Einrichtungen mit Fenstern zum Hang, mal private mit Butler und unverbautem Blick auf das ewig funkelnde Mittelmeer. Bis 2029 sollen weitere Heime hinzukommen, sagt Migliasso, denn es drohe bereits wieder «eine Bettennot».Das Alter sei eine Einstellungssache, sagt eine Bewohnerin.Sie könne sich keinen besseren Ort vorstellen als Monte Carlo, sagt Diala Sargenti, 79, die seit dem Tod ihres Mannes zweimal wöchentlich den staatlich subventionierten Klub Le Temps De Vivre besucht, in dem alte Menschen zusammenkommen, um «zu angeln, zu segeln oder zu tanzen». Eine Art Kita für Rentner.Erst habe sie Vorurteile gehabt, erzählt Sargenti, die gerade von der Maniküre kommt und lange in Beirut lebte, bevor sie mit ihrem Mann vor zehn Jahren ins Fürstentum zog. «Ich dachte, ich würde lauter älteren Damen beim Stricken begegnen und Männern in Steppjacken beim Kartenspielen zusehen.»Aber das Gegenteil sei der Fall. Der Klub sei wie eine zweite Familie. Neulich hätten sie einen Sushi-Kurs gehabt, nächste Woche gingen sie alle gemeinsam zur Oper.Das Alter sei auch eine Einstellungssache, sagt Sargenti. «Wer sich innerlich gehen lässt, wird schnell zur Greisin.» Sie ziehe es vor, noch ein paar Jährchen Spass zu haben.Die unwürdigen GreiseUnd plötzlich ergeben die vielen Rolltreppen Sinn, die Lifte hoch zum Bahnhof, die flachen Gehwege, die vielen Optikergeschäfte.Es ist wie eines dieser Vexierbilder, das sich plötzlich auflöst: Lässt man die Chanel-Boutiquen ausser acht, denkt man sich den Prunk weg und die Jachtbesitzer, die aussehen wie argentinische Polospieler, sieht man die wahre Stadt; sieht Parkbänke mit Blick auf Blumenarrangements und Zengärten statt Spielplätze; sieht Hautkliniken statt Jugendzentren, Drogerien statt Diskotheken.Sieht den Planeten der Alten. Das Paradies der Ewigjungen.Rolltreppen mitten in der Stadt.Es gibt Länder, die die Überalterung mit Zuwanderung junger Arbeitskräfte ausgleichen. Andere, wie Ungarn unter Viktor Orbán, schaffen finanzielle Anreize für kinderreiche Familien oder debattieren, wie die Schweiz, über die Finanzierung der Renten.Und dann gibt es Monaco. Hier lässt man es am Ende des Lebens, wie Diala Sargenti aus Beirut, noch einmal richtig krachen.Und warum auch nicht?Früher, da sassen Seniorinnen und Senioren still in der Ecke, lösten Kreuzworträtsel und bissen sich lieber die Zunge ab, als dass sie sich erlaubten, von der Zukunft noch etwas erwarten zu dürfen.Bertolt Brecht hatte mit seiner Erzählung «Die unwürdige Greisin» über eine Grossmutter, die nach dem Tod ihres Mannes beginnt, ihre «kurzen Jahre der Freiheit» zu feiern, gesellschaftliche Debatten ausgelöst. Weil es sich nicht ziemte, das späte Glück zu suchen, neugierig zu sein, Hunger aufs Leben zu haben.Doch die kurzen Jahre der Freiheit dehnen sich heute zu Jahrzehnten: Warum also nicht geniessen?Mit Brecht gesprochen wird Monte Carlo von unwürdigen Greisen geradezu belagert, die fröhlich ihre keuchhustigen Zwergmöpse spazieren führen, Austern schlürfen, Pétanque spielen. Die mit Spritzen und Fillern die Spuren des Lebens in ihren Gesichtern glätten und ihr Verwelken auf später verschieben.Das Beste zum Schluss.Die Strassen der Innenstadt sind an diesem letzten Wochenende im März mit Metallgittern versperrt, alle Hotels ausgebucht, die Gassen blankgefegt, lauter rot-weisse Flaggen, die im Frühlingswind flackern. Denn es finden gleich zwei Ereignisse statt, die Monte Carlos neue Identität im Brennglas wiedergeben: Longevity statt High Society.Das Grimaldi Forum, fünfzehn Minuten vom Kasino entfernt, beherbergt den Aesthetic and Anti-Aging Medicine World Congress, eine der grössten Messen für Botox und plastische Chirurgie.Deshalb die vielen jungen Männer und Frauen mit den Matcha-Bechern und ihren vor Reinheit leuchtenden Gesichtern, die ihre bunten Kongressausweise um ihre makellosen Hälse tragen, während sich die Stadt auf die wahre Messe vorbereitet, die Kurzvisite des Papstes, der am Nachmittag im Fürstentum einen Gottesdienst halten wird. Das erklärt die vielen Busse, in denen immer mehr Gläubige angekarrt werden, die am Boulevard Albert, dem Ziel der Formel-1-Strecke, ausgespuckt werden.Die Babyboomer, die Botox-Jünger und die Bibelfesten, sie vermischen sich vor den Fussgängerstreifen der Innenstadt, drei Milieus, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick erscheint: die Alten, die in Monte Carlo ihr Paradies fanden und die alles dafür tun, jung auszusehen und vor allem nicht zu sterben, denn der Tod ist die grösste Demütigung überhaupt.Die Aufgespritzten, aus der ganzen Welt angereist, um auf der Messe zu lernen, wie man nicht älter wird.Und die Nonnen und Pilger, die jenen natürlichen Glow in ihren Gesichtern tragen, den die Botox-Ärzte mit viel Chemie zu imitieren versuchen, und die auf ihre Weise an ein ewiges Leben glauben.Aufhebung der SchwerkraftKaffeepause mit Michael Kane, einem Arzt aus New York, der in den Medien als «Botox-Papst» oder «King of Tox» bezeichnet wird und der von sich behauptet, einer der ersten gewesen zu sein, die das Potenzial des Nervengifts erkannt haben.«Ich begann 1991 damit», sagt Kane in der Messehalle zwischen Hunderten von Ständen mit Fillern und Faltencrèmes und neuartigen Botox-Spritzen in sich drehenden Schaukästen.Den heiligen Gral aber bilden die medizinischen Fläschchen, die an Impfdosen erinnern und nicht weniger versprechen als ewiges Glück, totale Erlösung und unfassbaren Sex.Auf den Videowänden der Showrooms reiten leicht bekleidete Männer auf wilden Camargue-Pferden in die Freiheit, während sich Frauen in ungemachten, seidigen Betten räkeln.Kane, dessen Haare bis zum Hintern reichen, sagt: «Vor Botox gab es nur die Möglichkeit, das Gesicht aufzuschneiden und die Muskeln zu entfernen.» Als er erkannte, was dieser Wirkstoff leisten kann, da wusste er: Botulinumtoxin Typ A wird die Welt verändern.35 Jahre später sitzt er etwas ratlos inmitten des Trubels dieser Konferenz, die so gut zu Monte Carlo passt, weil sie die Jugendlichkeit zur Religion erklärt, Altern zur Krankheit und Schönheit mit Makellosigkeit verwechselt, und schüttelt den Kopf. «Ich habe ein Monster kreiert.»Mit gut gemachten Botox-Behandlungen können Menschen «zehn Jahre jünger aussehen», und er zeigt auf mein Gesicht, auf die Mundwinkel, Schlupflider, Krähenfüsse, Sorgenfalten. Die Schwerkraft ziehe im Alter alles runter, es beginne zu hängen, zu sacken und zu runzeln.Mit der richtigen Behandlung, ein paar Spritzen hier, ein paar Fillern da, erziele man «einen natürlichen Verjüngungseffekt», die Aufhebung der Schwerkraft, den «Glow», sagt Kane, der Wunder wirke, weil er die Menschen glücklich mache.Doch was er heute sehe, wenn er von seinem Hotel in der Altstadt Monte Carlos zur Messe laufe und den Menschen in ihre Augen blicke, habe damit nichts zu tun: «Ob alt, ob jung, sie tragen dieselben aufgespritzten Gesichter», sagt Kane und formt den Mund zum Entenschnabel.Das Übel begann mit der «Explosion des Marktes». Als er Botox in den neunziger Jahren entdeckte, waren die Messen für plastische Medizin Treffpunkte einer überschaubaren Schar von Spezialisten.Heute dominierten die Produkte, der Lifestyle, der Jugendwahn habe groteske Züge angenommen. «Es wird gespritzt, gefillert, gelasert und mikrooptimiert, als gäbe es kein Morgen», sagt der «King of Tox». Hinter ihm blinkt eine rosa LED-Werbetafel so aufgeregt, dass man Kopfschmerzen bekommt: Your Face Deserves to Shine.Die Anzahl der Eingriffe in den USA sei im letzten Jahr noch einmal um 20 Prozent gestiegen, weil die Kundinnen und Kunden immer jünger würden und sich immer mehr Männer (Bro-Tox!) den Nadeln ergäben. Dazu kämen zweifelhafte Ärzte, die nicht pro Behandlung abrechneten, «sondern pro Injektion», was zur Folge habe, «dass wir uns mal kurz zum Lunch viel zu viel Zeugs in die Gesichter jagen».Monacos Ideologie: Wer gut aussieht, fühlt sich besser.Auf der Messe wie bei den Gerontologen an der Rue Grimaldi wird der Zerfall verzögert, die Zeit eingefroren, der Körper von der Biografie gelöst und das Alter zum Spektrum erklärt. Hier ist man nicht vor 67 Jahren zur Welt gekommen, sondern fühlt sich wie 43 – und je nach Geschick des Arztes sogar jünger.Nichts darf welken, nichts darf hängen! Man spürt den Imperativ des Straffens an sich nagen, wenn man sich verstohlen in den Spiegeln der Messestände sieht und plötzlich erschrickt: diese Runzeln, die Flecken, die weissen Strähnen, das sich lichtende Haar.Sollte man nicht doch etwas tun?Man spürt die Logik der Ingenieure in sich aufkeimen und schielt auf die Fläschchen mit dem Jungbrunnenwasser, dem Gift der Begierde: Wenn es Mittel zur Auffrischung gibt, warum sie nicht gebrauchen?Zum Glück wird am Nachmittag Champagner ausgeschenkt, ein uraltes Rezept, um sich kurzzeitig jünger zu fühlen und sich einen Glow anzusäuseln, während einem Satzfetzen der Nebentische zuwabern.Frauen in mit Strass besetzten Pumps reden mit Männern in engen Viskoseanzügen über den neusten Branchentratsch, über Peptide, Stammzellenkuren, Haarfollikel-Injektionen. Es gibt Gesichtsbehandlungen, die so geläufig sind, dass sie Namen tragen wie Teenie-Bands: Forever 35 oder Mini Diamond. In gewissen Kreisen Amerikas gibt es den Wunsch nach dem Mar-a-Lago-Face.Der Geist des Jugendwahns, der die Messe und diese ganze Stadt vernebelt, wird im Bauch des Konferenzzentrums mit Zahlen und Statistiken zur Ideologie. In fensterlosen Räumen mit Kinosesseln, in denen man immer tiefer versinkt, präsentieren gut gebräunte Leiter von Schönheitskliniken aus Rio, Belgrad und Athen ihre Erfahrungsberichte, die sie mit Vorher-nachher-Bildern ihrer Patientinnen füttern.Sie sind nach Monte Carlo gereist mit einer gemeinsamen Botschaft zur Rettung der Welt: Wer gut aussieht, fühlt sich besser.Wer seine absackenden Mundwinkel mit Fillern zu einem künstlichen Lächeln biegt, seine Geheimratsecken mit Follikeln bespickt, seine Falten glättet und mit ihnen die Sorgen, der ist im Job erfolgreicher, auf Dating-Apps begehrter, kurzum: ein wertvollerer Mensch.Mikroänderungen im Gesicht, sagen diese Ärzte und verweisen auf Studien irgendwelcher Psychologen, würden die Stimmung heben. Weil das Gehirn auf erste Eindrücke reagiere, strahle das Glühen im Gesicht auf andere ab. Eine Gesellschaft dauerlächelnder Menschen.Botox gegen die Trübsal unserer Zeit. Fillern für den Frieden?Applaus brandet auf. Das Licht geht an. Mein Champagner-Glow, der mich beinahe dazu bewegt hätte, meine Schlupflider zu straffen, hat sich in sirrende Kopfschmerzen verwandelt.Es ist Zeit für ein wenig frische Luft.Draussen, auf der Avenue Princesse-Grace, hat sich der Wind abgekühlt, die Stadt hat sich geleert.Der Papst, der erst vom Balkon des Fürstenpalastes von ungerechten Machtverhältnissen auf der Welt sprach und später, vor 15 000 Gläubigen im Fussballstadion des AS Monaco, einen Freiluftgottesdienst hielt, ist bereits abgereist zu den Armen und Kranken, die er hier nicht fand.Die Gläubigen sitzen beseelt in ihren Bussen. Und die Alten haben es sich auf den Liegestühlen ihrer Terrassenappartements gemütlich gemacht und blicken aufs Meer Richtung Afrika, wo die Jugend explodiert.Nur die Botox-Jünger stehen verloren vor dem Kongressgebäude und warten, ob noch etwas geschieht. Sie nuckeln an ihren Vapes, bevor sie in hochhackigen Schuhen giraffig ins Hotel schreiten für ihren Beauty-Schlaf.Auf dem Friedhof, etwas ausserhalb des Zentrums, flackern die Kerzen hinter rotem Glas. Manche Grabsteine sind so alt, dass sie bröckeln. Anders als die Gesichter der Menschen von heute sind sie vom Wetter versehrt und von der Zeit gegerbt.Sie zeugen von der Geschichte Monacos. Italiener, Polinnen und Griechen, die sich im vergangenen Jahrhundert hier niederliessen, ihr Glück suchten, das noch nicht aus der Spritze kam, und die mal mit 61, mal mit 73 Jahren starben.Ein volles Leben.Es ist der schönste Ort der Stadt. Dieser Blick aufs Meer, diese Ruhe, dieser Frieden.Hier möchte man ewig liegen.Friedhof in Monaco. Mit Blick auf das ewig glitzernde Meer.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel