Am 7. Juni wird in Armenien gewählt. Es geht auch um die künftige Position des Landes zwischen Westen, Russland, der Türkei und Aserbaidschan. Der jüngst in Jerewan abgehaltene EPG-Gipfel mit Regierungschefs aus rund 50 Ländern, Washingtons wachsender Einfluss im Südkaukasus und der von Donald Trump vorangetriebene Handelskorridor im Süden des Landes verleihen der Abstimmung eine geopolitische Dimension.
Frankreich und weitere westliche Staaten setzen auf den Premierminister Nikol Paschinjan. Die Opposition wirft ihnen Wahleinmischung vor und betont, Armenien müsse seine außenpolitische Eigenständigkeit bewahren und zu einer multivektoralen Außenpolitik zurückkehren.
Gegenüber Aserbaidschan ist die Lage besonders heikel. Die armenische Niederlage im Jahr 2023 in Bergkarabach – in Armenien Arzach genannt – und die anschließende Flucht von mehr als 100.000 Armeniern prägen das nationale Bewusstsein bis heute. Die Stimmung im Land wird immer angespannter.
Die Berliner Zeitung traf den wesentlichen Oppositionsführer, Samwel Karapetjan, auf seinem Anwesen im Norden Jerewans. Das darf er inzwischen wieder bewohnen, es aber im Hausarrest nicht verlassen. Der Milliardär, Gründer der Partei „Starkes Armenien“ und der Bewegung „Auf unsere Art“, steht seit elf Monaten unter Arrest. Sieben davon verbrachte er nach eigenen Angaben im Keller der Sicherheitsdienste.
