Was, wenn die Wissenschaft vor allem weiße Erfahrungen beschreibt? Eine Schwarze Psychologin über Rassismus und Heilung.

S tellen wir uns vor, einer 27-jährigen Schwarzen Frau geht es nicht gut. Sie schläft schlecht, isst mehr, geht weniger aus dem Haus und ist ständig traurig und reizbar. Nennen wir diese Frau Aisha. Aisha hat gerade einen neuen Job angefangen. Wenn sie in Konferenzen ihre Meinung sagt, heißt es schnell, sie sei aggressiv. Ein Kollege kommt an ihren Schreibtisch, bestaunt ihre Locken und fasst ihr ungefragt ins Haar. „Du hast ja eine schöne Schokoladenhaut“, sagt eine Kollegin beim Mittagessen. Auf dem Weg nach Hause überhört sie einige Kollegen dabei, wie sie sich beschweren, dass man heutzutage ja nichts mehr sagen dürfe, ohne direkt „rassistisch“ zu wirken.

Aisha hat letzte Woche endlich einen Therapieplatz gefunden. Sie freut sich, ist aber auch skeptisch. Kann Therapie ihr wirklich helfen? Trotzdem traut sie sich, ihrer Therapeutin von einer Situation auf der Arbeit zu erzählen. Eine Kollegin hatte zu ihrem Geburtstag „Negerküsse“ mitgebracht. Ihr Herz rast noch immer, wenn sie daran denkt. Sie ist wütend: auf die Kollegin, die anderen, die den Ausdruck nicht kommentiert haben, aber am meisten auf sich selbst, weil sie nichts gesagt hat.