PfadnavigationHomeWirtschaftDMKDeutschlands größte Molkerei wird dänisch – der Plan hinter dem Arla-DealStand: 14:53 UhrLesedauer: 7 MinutenArla-Produkte in einem dänischen SupermarktQuelle: Steffen Trumpf/dpaDie EU-Kommission hat die Großfusion zwischen Deutschlands größter Molkerei und dem dreimal größeren Konkurrenten Arla Foods freigegeben. Marken wie Milram, Humana und Alete bleiben – doch ein Name verschwindet.Deutschlands größte Molkerei wird ins Ausland abgegeben. Das Deutsche Milchkontor (DMK) aus Bremen fusioniert mit dem dreimal größeren dänisch-schwedischen Branchenriesen Arla Foods. „Wir werden zu einer Tochtergesellschaft von Arla“, sagt Ingo Müller, der Vorstandschef der genossenschaftlich organisierten DMK. Durch den Zusammenschluss entsteht die größte Molkerei in Europa mit einem gemeinsamen Milchpool von gut 19 Milliarden Kilogramm und einem Umsatz von über 20 Milliarden Euro. Hauptsitz des Unternehmens ist künftig das dänische Viby, dem Sitz von Arla, das ebenfalls eine Genossenschaft ist. Und auch der gemeinsame Name lautet künftig Arla Foods, zudem steht deren bisheriger Vorstandschef Peder Tuborgh weiter an der Spitze. DMK entsendet allerdings eigene Vertreter in den Vorstand und Aufsichtsrat. Das neue Unternehmen startet schon am 1. JuniAngekündigt hatten beide Unternehmen die Fusion schon vor einem Jahr. Die Milchbauern, die Eigentümer der Genossenschaften sind, stimmten in Gesellschafterversammlungen jeweils mit großer Mehrheit für einen Zusammenschluss. Nun hat die Europäische Kommission nach eingehender Kartellprüfung grünes Licht gegeben für ein solches Bündnis. Es gebe keine Wettbewerbsbedenken, hieß es aus Brüssel. Man habe die Auswirkungen der Übernahme auf zahlreiche Märkte untersucht, etwa auf die Beschaffung von Rohmilch bei landwirtschaftlichen Betrieben, aber auch auf die Lieferung von Milcherzeugnissen und Zutaten auf Molkebasis an Einzelhändler, Großhändler und Industriekunden. Das Ergebnis: „Der Wettbewerb auf diesen Märkten wird durch den Zusammenschluss nicht erheblich abnehmen.“Lesen Sie auchSchon zum 1. Juni kann das neue Unternehmen starten. Beide Seiten rechnen allerdings mit einer Integrationszeit von bis zu zwei Jahren. Mit der Freigabe beginnt nun eine vertiefte Prüfung und Analyse aller Zahlen, was vorher aus wettbewerbsrechtlichen Gründen noch nicht möglich war. Mit großen Konsolidierungseffekten rechnet das Management dabei nicht. „Das ist jetzt nicht der große Hammer, der da kurzfristig um die Ecke kommt“, sagt DMK-Chef Müller im WELT-Gespräch. Ohnehin sei der Zusammenschluss mehr ein Wachstumsprojekt, denn ein Synergieprojekt, das davon lebt, dass Werke geschlossen und Mitarbeiter abgebaut werden. „Denn alle Werke sind zurzeit vollständig ausgelastet.“ Müller betont daher auch, dass DMK seine Eigenständigkeit nicht aus wirtschaftlicher Not heraus aufgibt. Der langjährige Konzernchef verweist zum einen auf die Eigenkapitalquote in Höhe von fast 40 Prozent und zum anderen auf das gute Jahr 2025 bei DMK mit rund vier Prozent Umsatzwachstum und einem „sehr guten Milchpreis“ für die Landwirte. „Stattdessen geht es um Stabilität und Resilienz in Zeiten zunehmender geopolitischer Unsicherheiten. Der Milchmarkt ist schließlich volatil. Und es geht darum, sich gemeinsam weiterzuentwickeln, was Themen wie KI, Forschung und Entwicklung und neue Produkte betrifft. Wir wollen gemeinsam das nächste Level erreichen.“ Der Name DMK verschwindetErste Anknüpfungspunkte gab es dabei schon durch ein gemeinsames Joint Venture zum Thema Molkenproteine. „Das hat uns gezeigt, wie ähnlich wir ticken und wie sinnvoll eine enge Kooperation sein kann“, beschreibt Müller. Nun werde mehr daraus, zumal sich beide Unternehmen nach Aussage von Müller gut ergänzen mit ihren jeweiligen Produktportfolios. Und tatsächlich gibt es kaum Überschneidungen, sagen Experten. Arla habe starke internationale Marken und sei mit zum Beispiel Buko, Arla Skyr und Kaergården global orientiert. Dazu gilt der Konzern als führend in der Molken- und Proteintechnologie. DMK wiederum hat starke regionale Marken wie Milram und Oldenburger und ist dazu in der Nische Babynahrung aktiv mit Humana und Alete. Und der Konzern sei stark im Bereich Käseherstellung, wo wiederum bei Arla noch Nachholbedarf gesehen wird. Die neue Arla Foods ist dann künftig einer der größten Lieferanten für den deutschen Lebensmittelhandel, auch was die Lieferung von Eigenmarken-Produkten betrifft, wo DMK besonders aktiv ist in der eigenen Branche. Der Name DMK verschwindet allerdings. Und dagegen hatte die DMK-Seite auch nichts einzuwenden, gibt Müller zu. „Die emotionale Bindung vieler Mitarbeiter und Landwirte liegt ohnehin viel mehr im großen Teamgeist und bei den einzelnen Marken. Und die werden bleiben.“Rund 11.200 Landwirte in sieben Ländern stehen dann bei der Großmolkerei unter Vertrag. Und mehr können es vorerst auch nicht werden. „Wir sind voll und könnten zusätzliche Mengen aktuell gar nicht verarbeiten“, sagt Müller. Der Schwerpunkt liege jetzt aber ohnehin erst mal auf dem Onboarding der bestehenden DMK-Landwirte auf die Arla-Standards. Die seien zwar nicht unbedingt schärfer als bei DMK, was Nachhaltigkeit, Haltungsstufen und Co. angeht, aber doch noch etwas anders.Kritik an der Fusion kommt von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und dem MEG Milch Board. „Wir haben die Fusion kritisch gesehen und deshalb Auflagen gefordert, um die Position der Bauern zu stärken. Etwa eine Ex-Post-Kontrolle, um Transparenz innerhalb solcher großen und genossenschaftlichen Strukturen in die Preisbildung zu bringen. Diese fehlt teilweise, da genossenschaftliche Milch auch in Tochterunternehmen verarbeitet wird“, sagt zum Beispiel Frank Lenz, der Vorsitzende des MEG Milch Board. Daher sei unklar, ob Gewinne ausreichend weitergegeben und ob Verluste für Fehlinvestitionen am Ende nicht von den Bauern getragen werden. Die AbL-Bundesvorsitzende Claudia Gerster verweist zudem auf die Monopolkommission und deren Einschätzung, dass die zunehmende Konzentration auf Molkereiebene eine Ursache dafür sei, dass die Schere zwischen den Preisen, die Verbraucher bezahlen, und den Einnahmen, die Landwirte bekommen, immer größer wird. „Wir sind absolut empört, dass die Belange der Bauern offenkundig viel zu wenig berücksichtigt wurden und die Fusion ohne eine vertiefte Prüfung durchgewunken wurde.“EU-Kommission folgt der Kritik nichtBeide Verbände hatten sich als sogenannte Drittparteien anerkennen lassen und eine Stellungnahme zur Kartellprüfung abgegeben. Die allerdings wurde von der EU-Kommission nicht weiter berücksichtigt. Stattdessen führt die Behörde aus, dass die Unternehmen zwar vor allem in Norddeutschland Konkurrenten seien bei der Rohmilchbeschaffung. Arla sei aber aufgrund der genossenschaftlichen Struktur verpflichtet, die gesamte Milch ihrer angeschlossenen Landwirte abzunehmen und allen denselben Preis zu zahlen, unabhängig von ihrem Standort. Arla könne deshalb den Milchpreis in Gebieten mit hohen Marktanteilen gar nicht senken. Und dazu gebe es auch keinen Anreiz, steht in der Stellungnahme, da Landwirte dann zu anderen Genossenschaften wechseln würden. Bei der Belieferung von Einzelhändlern mit Milchprodukten und der Lieferung von Zutaten auf Molkebasis – konkret Permeatpulver und Molkenproteinkonzentrat – seien die Unternehmen ebenfalls Wettbewerber. Nach Einschätzung der Kommission wird es dort aber weiter genügend Wettbewerbsdruck durch andere Unternehmen geben, sodass keine Verzerrung zu befürchten sei.Lesen Sie auchDass der Fusionstermin auf den 1. Juni fällt, wirkt dabei wie bestellt. Immerhin ist der betreffende Montag der Internationale Tag der Milch. Der Deutsche Bauernverband (DBV) weist daher auf die Herausforderungen der Branche hin. „Stark schwankende Erzeugerpreise, hohe Energie- und Betriebsmittelkosten sowie unsichere politische Rahmenbedingungen erschweren die langfristige Betriebsplanung“, sagt DBV-Vizepräsident Karsten Schmal. „Investitionen in Tierwohl, moderne Technik und nachhaltige Bewirtschaftung lassen sich betriebswirtschaftlich nur rechtfertigen, wenn politische und wirtschaftliche Grundlagen verlässlich sind.“ Sein Verband fordere daher die im Koalitionsvertrag ohnehin zugesicherte Einführung der steuerfreien Risikoausgleichsrücklage sowie den konsequenten Abbau von Bürokratiekosten. „Benötigt werden verlässliche, investitionsfreundliche und bürokratisch entlastete Voraussetzungen, die Milcherzeugern die unternehmerische Freiheit verschaffen, die für ihre Arbeit unerlässlich ist.“Druck auf die Branche sehen auch die Experten von Roland Berger. Jedenfalls reduziert sich die Zahl der Molkereien schon seit vielen Jahren. „Die deutsche Milchindustrie steht vor einem historischen Wandel“, heißt es in einer aktuellen Untersuchung der Beratungsgesellschaft. „Schwankende Rohstoffpreise, ein beschleunigter Strukturwandel, wachsender Margendruck im Commodity-Geschäft und der technologische Wandel durch Künstliche Intelligenz verändern die Spielregeln der Branche grundlegend.“ Um die eigene Zukunftsfähigkeit sicherzustellen, rät Roland Berger-Berater Tobias Kramolowsky den Molkereien, „künftiges Wachstum durch strategische Partnerschaften, milchnahe Diversifikation, anorganisches Wachstum und gezielte Internationalisierung in dynamische Märkte sicherzustellen“. Das Zusammengehen von DMK und Arla passt dabei genau zu diesen Anregungen. Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.
DMK: Deutschlands größte Molkerei wird dänisch – der Plan hinter dem Arla-Deal - WELT
Die EU-Kommission hat die Großfusion zwischen Deutschlands größter Molkerei und dem dreimal größeren Konkurrenten Arla Foods freigegeben. Marken wie Milram, Humana und Alete bleiben – doch ein Name verschwindet.













