Die Servette-Frauen werden souverän Champion, aber YB steht für die sachte Entwicklung des FrauenfussballsDie Genferinnen holen im einseitigen Play-off-Final gegen YB den Meistertitel zurück. Sie sind die sportliche Referenz. Aber wenn sich nach der Frauen-EM 2025 im Klubfussball etwas bewegt hat, gilt das vor allem für den Platz Bern.29.05.2026, 20.54 Uhr4 LeseminutenYB steht für die sachte Entwicklung des Frauenfussballs. Das Team bedankt sich beim Anhang nach der Finalniederlage in Genf.Salvatore Di Nolfi / KeystoneWer sich dem Frauenfussball nähert, sieht schnell, was ihn von den Männern abhebt. Da strömt zwar weit weniger Menschenmasse zum Stadion, aber dafür gibt’s auch keine Gitter, keine Polizei, keine Explosionen, keinen Rauch und keine Drohkulisse. Und im Stadion wird die Fangruppe des einen Klubs nicht in einem abgetrennten Käfig untergebracht, sondern unmittelbar neben derjenigen des anderen Klubs.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.So geschehen im Play-off-Final zwischen dem Servette FC Chênois Féminin und den YB-Frauen, den die Favoritinnen aus Genf am Freitag vor 5890 Zuschauern deutlich für sich entschieden haben. Schon nach 80 Sekunden führten sie 1:0. Nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel war die Meisterschaft im Rückspiel nach einer Viertelstunde und dem 2:0 entschieden.Man hätte sich eine andere Dramaturgie gewünscht. Aber auch der Frauenfussball ist kein Wunschkonzert.In Bern kamen im Play-off-Final 8000 ins StadionSchon am Pfingstmontag hatten sich im ersten Match im Wankdorfstadion fast 8000 Personen eingefunden. Doch allein das Rückspiel in Genf zeigt, dass der Schweizer Frauenfussball im Jahr nach der Heim-EM-Endrunde nur partiell vorangekommen ist. Je nachdem, wo man sich gerade was zu Gemüte führt, ob man den Alltag oder den raren Festtag herauspickt.Genf liegt hinter der Berner Mobilisierungskraft zurück, das ist bei den Fussballerinnen nicht anders. Das Stade de Genève ist im Alltag auch für das Männerteam zu gross. Vom Spannungsfeld zwischen kleinen und grossen Arenen kommt der Frauenfussball so schnell nicht weg. Aber letztlich kann die Infrastruktur eines grossen Stadions nur von Vorteil sein.Die Frauen des FC Zürich haben 2026 immer im Letzigrund spielen können. Das ist eine direkte Folge der Euro 2025, die an einigen Schaltstellen die Augen geöffnet hat.Man muss sich den Fortschritt im Frauenklubfussball zusammenkratzen, man muss ihn im Kleinen suchen. Immerhin: Der Zuschauerschnitt ist auf fast 1000 pro Match angestiegen, was im Vergleich zum Vorjahr grosszügig gerechnet fast einer Verdoppelung entspricht. Der Final in Bern gilt ebenso als Publikums-Höhepunkt wie ein Meisterschaftsspiel der YB-Frauen Anfang Saison vor 4000 Leuten im vollen Berner Quartierstadion Spitalacker zum 1. Frauenfussballtag.In Bern ist nach dem Meistertitel einiges vorangekommen, obschon das Team nach vielen Abgängen heute nur noch wenig mit dem Meisterteam 2025 gemein hat. In der Stadt weist schon länger ein gelbes Tram auch auf die YB-Meisterinnen hin, zudem sind 2900 Saisonkarten verkauft worden. Der Zuschauerschnitt liegt bei über 3300.Diese beachtliche Zahl ist der Hinweis darauf, dass der Berner Klub «Schub» hat mitnehmen können, wie Franziska Schild sagt. Die Verantwortliche des YB-Frauenfussballs spürt «starken Support im Klub, ein klares Bekenntnis zum Frauenfussball». Der Staff der Trainerin Imke Wübbenhorst konnte zum Beispiel sukzessive ausgebaut werden.Ein gewichtiges Zeichen ist auch der YB-Transfer von der bis jetzt verletzungsbedingt abwesenden Ramona Bachmann, mit der in der nächsten Saison gerechnet wird. Sie ist 35 Jahre alt und weist 153 Länderspiele vor.In Zürich ist die Bilanz teilweise ernüchterndAber es kann eben auch sein, dass man 2025 in Zürich das Sportzentrum Heerenschürli aufsuchte und während eines Frauenspiels des FC Zürich platschnass wurde, weil in der Anlage kein Dach vor Regen schützt. Im FC Zürich ist die finanzielle Unterstützung der Frauen gesichert, dafür steht allein der Name der Präsidentengattin Heliane Canepa. Das ändert wiederum nichts daran, dass nach der EM-Endrunde im Sponsoringbereich nicht nur in Zürich nichts geschehen ist. Die Verantwortlichen sprechen sogar von einer «Ernüchterung». Stillstand statt Fortschritt.Der Frauenfussball bleibt weitgehend auf Subventionen und ideellen Sukkurs in den Klubs angewiesen. Die Eintrittspreise sind bescheiden und auf Familien ausgerichtet. Anders kann’s nicht vorangehen, weil er nicht selbsttragend ist. Eine weitere Stufe zur Eigenständigkeit hin steigt der Frauenfussball hoch, wenn der Schweizerische Fussballverband (SFV) die angekündigte Ausgliederung der Liga in eine Aktiengesellschaft vollzieht.Unlängst wurde der Fernsehvertrag zwischen der SRG und dem SFV verlängert, womit in der Liga die Hoffnung auf mehr Sichtbarkeit verbunden ist. Nicht in Streaming-Übertragungen für Insider, sondern auf einem Hauptkanal. Die Rede ist davon, dass die Anzahl SRG-Live-Spiele am Freitagabend von 10 auf 20 erhöht werden soll. Das wäre für die Sichtbarkeit und das Sponsoring nicht unwesentlich.Wie die Fussballerinnen um Akzeptanz und Identifikation ringen, zeigt das Exempel des Servette FC Chênois Féminin, wie die Abteilung genannt wird. Servette ist international ausgerichtet. Auf den spanischen Trainer José Barcala, der zu den Frauen des FC Bayern München wechselte, folgte 2025 der Argentinier Cristian Toro, der sich vor den Medien aus sprachlichen Gründen vom Assistenten vertreten lässt.Im Gegensatz zu den YB- oder den FCZ-Frauen könnte das Genfer Team internationaler nicht sein. Da war in Zürich während der Meisterschaft an Medienkonferenzen von einem «Kampf der Gegensätze» die Rede, von Nachwuchsförderung statt Zukauf («Trainings statt Transfers»).Die Genfer Überfliegerinnen sind ein FC InternationalDie Genferinnen haben nur wenige (Laura Felber, Amina Muratovic) mit lokalen Wurzeln. Sie wirken zwar etwas losgelöst, entfremdet, sind aber nach ihrem Sololauf zum Titel sportlich die Referenz für die Konkurrenz schlechthin. Auch die Super League der Männer ist von ständiger Kritik begleitet, dass die eigenen Jungen nicht mehr Spielminuten erhalten.Servette zeigt auf, wie eklatant im Frauenfussball in gewissen Konstellationen das Gefälle sein kann. Die Genferinnen gewannen die Meisterschaft mit 42:5 Toren, im Play-off kamen 16:2 Tore dazu. Mit solchen Abständen ist die Schweiz indessen nicht allein: In Deutschland flog Bayern München unter der Leitung des früheren Servette-Trainers Barcala mit 90:9 Toren vorne weg zum Meistertitel.Solche Zahlen bleiben die Grundlage dafür, dass die Schweizer Frauen-Liga im Play-off entschieden wird. So konnte YB bis zum letzten Tag die Hoffnung auf die Titelverteidigung beschwören. Aber nicht bis zur letzten Minute.Passend zum Artikel
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