Gabriele Nunziati sitzt an einem Tisch in der Pressebar des Europäischen Parlaments in Straßburg. Der Italiener hat sich auf die Berichterstattung über die Europäische Union spezialisiert und ist dafür nach Brüssel gezogen.Doch nach einer kritischen Frage zum Nahostkonflikt verlor er seinen neuen Job bei einer italienischen Nachrichtenagentur. „Ich hätte solche Konsequenzen nie im Leben erwartet“, sagt er sieben Monate später im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Eine Frage – und der Job war weg

Am 13. Oktober stellte Nunziati bei einer Pressekonferenz der EU-Kommission eine Frage, die innerhalb kurzer Zeit große Aufmerksamkeit erhielt. An die Sprecherin der EU-Kommission, Paula Pinho, gerichtet, fragte er: „Wenn Russland für den Wiederaufbau der Ukraine zahlen muss, muss dann Israel für den Wiederaufbau des Gazastreifens zahlen?“

Pinho bezeichnete die Frage als „sehr interessant“, erklärte jedoch, sie könne diese „nicht kommentieren“. Der Mitschnitt verbreitete sich anschließend rasch in den sozialen Netzwerken und wurde von zahlreichen Accounts und Medien aufgegriffen.

Nach „zwei sehr angespannten Telefonaten“ habe Nunziati am 27. Oktober schließlich die Kündigung von seinem damaligen Arbeitgeber erhalten, der italienischen Nachrichtenagentur Agenzia Nova. „Sie begründeten den Schritt damit, dass die Frage technisch unkorrekt gewesen sei“, sagt der 29-Jährige.