Allergie ab fünfzig: Plötzlich fängt das Deo an zu juckenDie Haut kann auf die komischsten Stoffe und zu den ungewöhnlichsten Zeiten allergisch reagieren. Wenn es so weit ist, helfen nur noch radikale Mittel. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».30.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenAchtung, Allergieauslöser: Duftstoffe in Deos.Light Field Studios / GettyDas Älterwerden, damit muss man sich wohl abfinden, kündigt sich mit lästigen Zipperlein an. Das Knie zwickt nach der Bergwanderung, die Fusshornhaut wird brüchig, die vermeintlichen Sommersprossen auf dem Arm entpuppen sich als Altersflecken. Aber es gibt unangenehme Überraschungen, mit denen hatte ich dann doch nicht gerechnet: Plötzlich fängt es mit Mitte fünfzig in der Achselhöhle an zu jucken, und ich entdecke dort kleine rote Pickel.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Hauptsache, gesund»In dieser Kolumne werfen Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin und Gesundheit. Eigentlich, so hatte ich naiv angenommen, zählt man, was Allergien angeht, als Middle-Ager zu den Glücklichen: Den meisten riskanten Stoffen ist man irgendwann schon einmal begegnet. Bislang konnte ich in der Rubrik «vorhandene Allergien» in ärztlichen Fragebögen stets ein «Nein» ankreuzen. Was zeigt, dass unangenehme Folgen ausgeblieben sind. Das war ein Irrtum, lerne ich jetzt: Viele Patienten mit Kontaktallergien entwickeln ihre Probleme erst mit fünfzig oder sechzig. Zu diesen Unglücksraben gehöre jetzt auch ich.Je intensiver der Kontakt, desto wahrscheinlicher die AllergieDas ist nicht überraschend. Ausgelöst wird eine solche Reaktion, wenn die Abwehrzellen einen Stoff auf unserer Haut als fremd erkennen und attackieren. Je mehr Zeit das Immunsystem hat, einen fremden Stoff kennenzulernen, desto eher kann das eintreten. Das Risiko für eine Kontaktallergie gegen Nickel, ein gängiges Allergen, steigt beispielsweise mit der Häufigkeit des Anlegens entsprechender Schmuckstücke.Wahrscheinlicher wird eine allergische Reaktion auch, wenn der Kontakt auf verletzter oder entzündeter und damit durchlässiger Haut stattfindet. Aus diesem Grund sind beispielsweise Menschen mit einer Neurodermitis besonders gefährdet. Auf Duftstoffe, sie stehen ebenfalls auf der Liste der Allergene weit oben, können die Immunzellen sogar schon bei flüchtigem Kontakt reagieren. Diese Substanzen sind momentan in meinem Deo die Hauptverdächtigen.Ringelblumensalbe, Bienenwachs und Pfefferminzöl bereiten ebenfalls oft Probleme. Was belegt: Auch eine natürliche Herkunft garantiert nicht, dass eine Substanz vom Körper akzeptiert wird.Vom Friseur mit dem Krankenwagen in die KlinikWeitere gefürchtete Kontaktallergene sind Kobalt, Konservierungsstoffe und Färbemittel. Karin Hartmann ist Professorin und Leiterin der Allergologie am Unispital Basel. Sie erinnert sich an Frauen, die sich mit juckendem, rotem Kopf nach einem Friseurbesuch bei ihr im Spital vorstellten. Wegen einer Allergie auf ein Haarfärbemittel.Das beste Mittel in solchen Fällen sind antientzündliche Mittel. In leichteren Fällen kann schon eine Kortisonsalbe Gutes bewirken. Letztlich führt aber kein Weg daran vorbei, dem unverträglichen Stoff aus dem Weg zu gehen. «Eine spontane Besserung der Kontaktallergie ohne Vermeidung des Allergens ist unwahrscheinlich», sagt Karin Hartmann. «Oft bleibt sie ein Leben lang bestehen.»Für mich bedeutet das, ich muss mit der Hilfe eines Allergologen den auslösenden Duftstoff identifizieren. Dann könnte ich auf ein Deo mit anderen Inhaltsstoffen wechseln. Das erscheint mir deutlich attraktiver als die Alternative: ganz auf Deo zu verzichten.Bereits erschienene Texte unserer Kolumne «Hauptsache, gesund» finden Sie hier.Passend zum Artikel