Die USA wären militärisch bereit für einen Schlag gegen die kubanische Führung, allerdings nicht mehr mit der gleichen Kraft wie im Januar gegen Nicolás MaduroDer Flugzeugträger «Nimitz» ist in der Karibik eingetroffen. Doch ein zentrales Element kehrt nach zehn Monaten Einsatz in den Heimathafen zurück. Die Supermacht ist überdehnt: Die Navy versucht, in gleich drei Krisenherden gleichzeitig präsent zu sein.30.05.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDer Flugzeugträger «Nimitz» in den Gewässern vor Brasilien. Die Besatzung trainierte gemeinsam mit der brasilianischen Armee.Pilar Olivares / ReutersDer Krieg im Nahen Osten dauerte schon fast zwei Wochen, als die «Nimitz» am 10. März in Bremerton bei Seattle auslief. Es hätte die letzte Reise des Flugzeugträgers sein sollen: um Südamerika herum nach Norfolk an der amerikanischen Ostküste. Dort sollte die «Nimitz» ausser Dienst gestellt werden. Der Flugzeugträger lief 1972 vom Stapel und war das erste Schiff einer ganzen Klasse amerikanischer Flugzeugträger.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch seit ein paar Tagen steht die «Nimitz» wieder im Einsatz: Das Pentagon hat das Schiff in die Karibik umgeleitet und dem Südkommando der Streitkräfte unterstellt. Im April trainierte es laut dem Nachrichtenportal «Axios» zusammen mit verschiedenen Regierungsstellen eine Intervention in Kuba. Präsident Donald Trump erhöht den militärischen Druck auf das Regime in Havanna.Schon Anfang Jahr blockierte Washington die Öl- und Treibstoffversorgung der Insel – mit erheblichen Konsequenzen: Das öffentliche Leben steht praktisch still, in den Läden gibt es kaum mehr Lebensmittel, in den Spitälern fehlen Schmerzmittel und Antibiotika. Vergangene Woche erhob nun ein Gericht in den USA Anklage gegen Raúl Castro, den ehemaligen Staatschef Kubas.Feuerkraft und SpezialkräfteDie Lage erinnert an das Vorfeld der Operation «Absolute Resolve» vom 3. Januar dieses Jahres, als amerikanische Spezialkräfte den damaligen Machthaber Venezuelas, Nicolás Maduro, festsetzten. Washington hat einen juristischen Grund geschaffen, um einzugreifen, und nun auch hinreichend militärische Mittel im Raum, um einen möglichen Plan umzusetzen.Dem Südkommando, das seit Februar von General Francis Donovan geführt wird, waren nach dem Eintreffen der «Nimitz» kurzfristig wieder ähnlich viele Kräfte unterstellt wie vor dem Iran-Krieg. Mit dem Luftgeschwader 17 auf dem Träger, den Lenkwaffenzerstörern «Gridley» und der «Lake Erie», die bereits im Raum kreuzte, könnten die Amerikaner den Luftraum über Kuba beherrschen und verfügten über eine hohe Feuerkraft auf Distanz.Das zweite, zentrale Element im Einsatzraum war bisher der amphibische Flottenverband «Iwo Jima», der seit letztem Sommer in der Karibik im Einsatz stand. Auf dem Hauptschiff fahren unter anderem Transport- und Kampfhelikopter mit. Die Landungsboote im Gefolge der «Iwo Jima» ermöglichten es einem Bataillon Marineinfanteristen, rund 1000 bis 1200 Soldaten, vom Meer aus einen Geländeteil zu besetzen. Doch diese Woche verkündete das Pentagon, der Verband kehre nach zehn Monaten Dauereinsatz in den Heimathafen zurück. Sie könnte aber mit einer neuen Kampfgruppe innerhalb von Tagen ersetzt werden.Weitere rund 2000 Marines befinden sich bereits auf Kuba und halten sich auf der amerikanischen Basis Guantánamo bereit, Aktionen am Boden auszuführen. Zudem steht General Donovan weiterhin eine gemeinsame Kampfgruppe von Spezialkräften zur Verfügung, die eigens für die Festsetzung Maduros gebildet worden war. Sie besteht unter anderem aus «Green Berets» der US Army sowie «Navy Seals».Unterstützung der Spezialkräfte oder eigener Stützpunkt?Die operative Stärke in den Händen General Donovans sind das Feuer und die Spezialkräfte. Über eine mögliche Operation in Kuba haben sich weder der Kommandant im Einsatzraum noch Washington geäussert – trotz reger Kommunikation in den sozialen Netzwerken. Das Südkommando demonstriert Einsatzbereitschaft, allerdings wofür? Zwei Stossrichtungen sind denkbar.Festsetzung von Raúl Castro: Bei dieser Option würden die Amerikaner einfach die Operation «Absolute Resolve» vom Januar wiederholen. Der symbolische Kopf wird abgeschlagen oder ausgeflogen, dann beginnt eine neue Zeitrechnung. Washington initiierte damit eine Form von «regime change», wie ihn die Trump-Administration bereits in Venezuela und zeitweise auch in Iran verkaufte. Die Freiheit und die Demokratie der Bevölkerung spielten eine untergeordnete Rolle. Eine kritische Voraussetzung für den Erfolg eines solchen Vorgehens wäre, dass die Geheimdienste die kubanischen Kommunisten bereits derart infiltriert haben, dass sofort ein Verhandlungspartner dastünde.Begrenzte Aktion am Boden: Washington könnte versuchen, die prekäre Situation in Kuba zu nutzen, und mit den Marines einen eigenen, kleinen Stützpunkt errichten. Von dort aus würden sie die Bevölkerung mit dem Nötigsten versorgen – ähnlich wie 2010 nach dem Erdbeben in Haiti. Die Amerikaner träten als Befreier auf und könnten so den Widerstand anstacheln. Gleichzeitig besetzten die Spezialkräfte die wichtigsten Regierungsgebäude in Havanna. Aber auch für eine solche Option braucht es eine geheimdienstliche Vorbereitung. So muss sichergestellt sein, dass auch die kubanischen Streitkräfte über keinen oder nur noch wenig Treibstoff verfügen.Die verhältnismässig geringe Anzahl Marines im Einsatzraum und auch die angekündigte Rückkehr der «Iwo Jima» sprechen zurzeit gegen die zweite Option. Anders als in Iran oder auch in Venezuela liegt einer starken Fraktion in Washington aber eine echte Befreiung Kubas am Herzen. Ihr Anführer ist Marco Rubio, Trumps Aussenminister und Sicherheitsberater. Er kämpft schon seit dem Beginn seiner politischen Karriere dafür, die Kommunisten aus der Heimat seiner Eltern zu verjagen.Eine Eskalation in Europa wäre kaum zu bewältigenIn Venezuela scheint die Zusammenarbeit mit der Interimsregierung dagegen zu klappen. General Donovan hielt sich kürzlich sogar höchstpersönlich in der venezolanischen Hauptstadt Caracas auf – und bewegte sich, zwar bewacht von Marines, aber doch relativ frei. Laut einem Post des Südkommandos in den sozialen Netzwerken führten die amerikanischen Streitkräfte sogar eine Übung durch: in Venezuela, das noch vor einem Jahr ein erbitterter Gegner der USA war.#SOUTHCOM Commander Gen. Francis L. Donovan was in Caracas, Venezuela, today for his second official visit to the country. He took part in bilateral discussions with senior interim government leaders, met with U.S. Embassy leadership and staff, and observed the joint force… pic.twitter.com/M4Ye22UAMc— U.S. Southern Command (@Southcom) May 23, 2026