Beide haben in Barcelona gespielt, beide haben von Pep Guardiola gelernt. Und doch treffen im Champions-League-Final mit Paris Saint-Germain und Arsenal unterschiedliche Stile aufeinanderLuis Enrique und Mikel Arteta sorgen für eine Vergöttlichung der spanischen Trainerschule. Dabei stehen sie aber auch für eigene Ideen.Florian Haupt, Budapest30.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenKennen sich, seit sie beide für den FC Barcelona spielten: Arsenals Trainer Mikel Arteta und sein Kollege von Paris Saint-Germain, Luis Enrique (rechts).Kieran McManus / ImagoLuis Enrique ist bekannt dafür, zu sagen, was er denkt. Man darf ihm also Glauben schenken, wenn er vor dem Champions-League-Final seines Paris Saint-Germain in höchsten Tönen vom Kollegen des Finalgegners Arsenal spricht: «Immer wenn ich Mikel Arteta sehe, bringt er etwas Positives in mein Leben.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die beiden Trainer kennen sich, seit sie zusammen beim FC Barcelona spielten. Gemeinsam auf dem Platz standen sie dabei freilich nur im Training, weil der junge Nachwuchsprofi Arteta keine einzige Einsatzminute bekam. Auf ihrer Position im Mittelfeld verbaute ihm neben Enrique auch Pep Guardiola den Weg ins Team. Um das Bild der flüchtigen Überschneidungen abzurunden: Damals wechselte Arteta zu PSG.Nun bringen sich Enrique, 56, und Arteta, 44, also ein Finalduell auf höchster Ebene in ihre Leben – und sorgen damit für die Vergöttlichung der spanischen Trainerdominanz im europäischen Fussball. Es ist das erste Mal, dass ein Finalspiel von zwei Landsleuten gecoacht wird, von denen keiner ein Team aus der eigenen Nation trainiert. Und schon im Frauen-Final am vergangenen Samstag hiess es Spanien gegen Spanien. Pere Romeu (Barcelona) besiegte seinen Vorgänger Jonatan Giráldez (Lyon).Offensive gegen Defensive in Budapest? «Ich glaube nicht, dass wir Gegensätze darstellen», sagt Luis Enrique (links) über Mikel Arteta.IMAGO/MichtofBeide haben von Pep Guardiola gelerntAuch die Geschichte der Trainer Luis Enrique und Mikel Arteta ist von Barça geprägt. Enrique begann dort bei der zweiten Mannschaft, als Guardiola zur ersten Mannschaft aufrückte. Noch als er später selbst das Fanionteam übernahm und dort seine erste Champions League gewann, bezeichnete er Guardiola stets als seine Referenz. Denselben Guardiola, unter dem dann Arteta während gut drei Jahren als Assistent bei Manchester City das Trainerhandwerk erlernte.Allerdings haben sich beide inzwischen von ihrem Lehrmeister emanzipiert – jeder auf seine Weise. Enrique hat es gern etwas vertikaler und aggressiver als die klassische Pep-Schule. Mit seiner derzeitigen PSG-Melange hat der Asturier den bisherigen Gipfel seiner Laufbahn erreicht. Die Titelverteidiger sind zur massgeblichen Mannschaft in Europa avanciert, bieten spektakulären Angriffsfussball und haben auch diese Saison wieder die meisten Champions-League-Tore erzielt (44).Enrique ist jetzt seinerseits stilprägend – auch mit jener Aussage von vor zwei Jahren, der PSG werde ohne Kylian Mbappé «besser sein». Damals verliess mit Frankreichs Topstürmer auch der dritte Superstar nach Lionel Messi und Neymar den Verein, und Skeptiker fanden die Prophezeiung mindestens tollkühn. Inzwischen gilt sie auf der ganzen Welt als Denkmal einer restaurierten Prävalenz der Teamidee gegenüber dem Heldenfussball von Teams wie Mbappés Real Madrid.Artetas über Jahre aufgebautes Arsenal hatte von vornherein keine Einzelkönner solcher Prominenz auf dem Personalblatt. Die beeindruckende Kompaktheit seiner Mannschaft wird zunehmend mit Adjektiven wie «industriell» oder «wissenschaftlich» versehen, seit Arsenal eine ultrapragmatische Wendung genommen hat und bevorzugt 1:0 durch Standardsituationen gewinnt. Von 14 Champions-League-Spielen in dieser Saison haben die Londoner keins verloren, neunmal spielten sie zu null. «Seit Jahren die defensivstärkste Mannschaft Europas», lobt der Finalgegner Enrique. «Die Leute mögen sagen, dass sie keine Tore aus dem Kollektivspiel heraus erzielen – aber wen kümmert das?»Das Duell gab es schon im vergangenen JahrZusammen mit Aston Villas Europa-League-Sieger Unai Emery, einem Basken wie er selbst, kann Arteta wohl als der untypischste Spitzentrainer aus Spanien gelten – wenn man unter der spanischen Schule die stets offensive Grundausrichtung von Barça oder der Nationalauswahl und all ihrer Jugendmannschaften versteht. Allzu verwunderlich ist diese Diskrepanz bei einem Blick auf den Werdegang des Arsenal-Coaches allerdings nicht. Zwar spielte Arteta zusammen mit dem gleichaltrigen Xabi Alonso im Stadtteilverein Antiguoko in San Sebastián, konnte sich anders als dieser aber nicht beim grossen Klub der Stadt, Real Sociedad, durchsetzen, als er mit 22 Jahren in seine Heimat zurückkehrte. Nach 479 Spielminuten war er schon wieder weg, mehr sollte er in La Liga nie bestreiten, und auch für die spanische A-Nationalmannschaft wurde er nie nominiert. Einen grösseren Namen als Profi machte er sich erst in England beim kampfstarken Everton.Offensive gegen Defensive also heute in Budapest? «Ich glaube nicht, dass wir Gegensätze darstellen», sagt Enrique über die Finalteams und erinnert an den gemeinsamen Ausgangspunkt mit Arteta: «Ganz klar hat er bei der Ideologie von Pep Guardiola angefangen, die auf ballbesitzorientiertem Fussball basiert.»Vergangene Saison trafen beide Teams schon im Halbfinal aufeinander, Paris gewann beide Spiele (1:0, 2:1). Arteta nannte danach als entscheidenden Faktor für das Pariser Weiterkommen die Paraden von Gianluigi Donnarumma und verstieg sich zu der Behauptung, das bessere Team sei ausgeschieden. Der Goalie ist mittlerweile zu Manchester City weitergezogen, der Weg wäre insofern frei. Enrique allerdings ist noch da. Und der hat als Klubtrainer noch nie einen Final verloren.Passend zum Artikel