Noch weniger Geld für die Digitalisierung des GesundheitswesensKaum ist das Grossprojekt Digisanté gestartet, kommt es unter massiven Druck. Für das kommende Jahr steht nur die Hälfte des geplanten Geldes zur Verfügung. Weitere Kürzungen sollen folgen.30.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie skizzierten Einsparungen treffen das Digisanté-Programm in einer heiklen Phase.Illustration Simon Tanner / NZZDie Schweiz hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Bei der Digitalisierung hinkt das Land aber seit Jahren hinterher; in globalen Rankings landet die Schweiz jeweils bestenfalls im Mittelfeld. So rasch wird sich das auch nicht ändern. Digisanté, das zentrale Bundesprogramm zur digitalen Transformation des Gesundheitswesens, muss mit deutlich weniger Geld auskommen als geplant.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im kommenden Jahr steht nur rund die Hälfte des ursprünglich vorgesehenen Budgets zur Verfügung. Das zeigt eine interne Notiz des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), die der NZZ vorliegt. 2027 muss Digisanté demgemäss mit knapp 28 Millionen Franken weniger auskommen. Auch für die nachfolgenden Jahre seien «jährliche Kürzungen in der Höhe von mehreren Millionen Franken vorgesehen», heisst es in der Notiz.Digisanté betrifft praktisch die gesamte Gesundheitsbranche: Spitäler, Arztpraxen, Apotheken, Labore, Pflegeinstitutionen, Versicherer, Kantone und Bundesverwaltung. Innert zehn Jahren – von 2025 bis 2034 – sollen damit die Grundlagen für eine tiefgreifende digitale Vernetzung und Standardisierung geschaffen werden.Im Jahr 2024 bewilligte das Parlament für Digisanté einen Verpflichtungskredit von knapp 400 Millionen Franken. Für 2027 sollen nun aber 19,5 Millionen Franken nicht gesprochen werden. Dazu kommt eine weitere Kürzung von 8 Millionen, als Teil einer zusätzlichen Einsparung im Rahmen des Entlastungspakets 2027, die das Parlament in der Wintersession beschlossen hat: Das Innendepartement muss die laufenden Kosten in den kommenden drei Jahren um insgesamt 90 Millionen Franken kürzen – und zwar explizit auch bei Digisanté.Kürzungen in einer heiklen PhaseWie hoch die künftigen Einsparungen genau sein werden, hänge von den Budgetbeschlüssen des Parlaments ab, heisst es in der BAG-Notiz. Doch schon jetzt ist absehbar, dass weitere Einsparungen in der gleichen Grössenordnung das Gesamtprojekt massiv gefährden könnten, sollten sich Kürzungen in dieser Grössenordnung bis zum geplanten Projektende 2034 fortsetzen.Die skizzierten Einsparungen treffen das Programm in einer heiklen Phase. Digitalisierungsprojekte sind im Aufbau besonders anfällig, wenn Strukturen und Standards gesetzt werden. Kürzungen wirken sich hier nicht nur auf einzelne Projekte aus, sondern auf die gesamte Infrastruktur des Programms.Das BAG und das Bundesamt für Statistik (BFS), die Digisanté gemeinsam verantworten, reagierten bereits im April auf die geplanten Einsparungen. Es sei wichtig, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen «im Rahmen der vorhandenen finanziellen Möglichkeiten weiter vorangetrieben wird», hielten die beiden Bundesämter in einer gemeinsamen Mitteilung fest.Offene FragenUrsprünglich wollten die Bundesämter zusammen mit den Kantonen und Branchenvertretern bis Ende Mai einen detaillierten Plan ausarbeiten, wie die Sparvorgaben umgesetzt werden sollen. Dieser liegt bis jetzt nicht vor, wie das BAG auf Nachfrage mitteilt. Die genaue Umsetzung sei «noch nicht abschliessend entschieden, ein definitiver Entscheid zu den Kürzungen für 2027 steht noch aus».Zu weiteren Fragen nimmt das BAG keine Stellung. Offen bleibt damit, welche der 22 Digisanté-Projekte verschoben oder redimensioniert werden müssen und ob der ursprüngliche Zeitplan bis 2034 eingehalten werden kann. Fest steht aber: Ein zentrales Digitalisierungsprojekt des Bundes kommt damit massiv unter Druck.