PfadnavigationHomePanoramaKNDS in Mülheim (Ruhr)Aktivisten blockieren Panzerbauer-Werk – Frühschicht kann nicht hineingelassen werdenStand: 21:53 UhrLesedauer: 4 MinutenKlimaaktivisten blockieren die Zufahrt vor dem Werk des Panzerbauers KNDSQuelle: Henning Kaiser/dpaGleich mehrere Demonstrationen haben am Freitag für Aufsehen gesorgt. In Mülheim an der Ruhr blockierten Aktivisten das Gebäude eines Panzerbauers und verhinderten den Schichtwechsel. Bei einem sogenannten „Klimacamp“ war zudem die Aktivistin Greta Thunberg zu Gast.Aus Protest gegen die CO₂-intensive Stahlproduktion haben Klimaaktivisten Werke des Panzerbauers KNDS und eines Pipeline-Herstellers in Mülheim an der Ruhr blockiert. Der Zugang zu der früheren Friedrich-Wilhelms-Hütte sei versperrt und der Schichtwechsel verhindert worden, sagte eine Sprecherin des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“ in der Ruhrgebietsstadt. Sie berichtete von 200 Menschen, die sich an der Aktion beteiligten. Die Nachtschicht sei ab kurz vor 5.00 Uhr zwar herausgelassen, die Frühschicht aber nicht mehr hineingelassen worden.Die Polizei bestätigte eine unangemeldete Versammlung an dem Werk und sprach von 120 Teilnehmern. Die Firmenzufahrt werde blockiert, sagte ein Polizeisprecher. Man sei mit Einsatzkräften vor Ort. Auf Bildern ist zu sehen, wie der Eingang mit Farbe beschmiert ist, auch eine Palästina-Flagge wurde ans Fenster gehängt.Viele Protestierende trugen weiße Maleranzüge, um sich optisch als einheitliche Gruppe mit gemeinsamen Interessen herauszustellen. Einige von ihnen kamen aus dem Klimacamp in Hamm, wo gegen neue Gaskraftwerke protestiert wird. Antimilitarisierung und Klimagerechtigkeit gehörten zusammen, sagte die Ende-Gelände-Sprecherin.NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) appellierte an die Demonstranten, nach links und rechts zu schauen, wer da mitlaufe. „Nicht alle, die ein Transparent hochhalten, meinen es gut mit unserer Demokratie“, sagte Reul der Deutschen Presse-Agentur. Die Polizei, so Reul, schütze das Grundrecht auf Demonstrationen. „Für Klimaschutz auf die Straße zu gehen, ist völlig legitim. Aber ohne Gewalt, ohne Randale, ohne Sabotage“, sagte der NRW-Innenminister.Stahl soll für Windräder statt Panzer genutzt werden, fordern die AktivistenStahl werde mit Unmengen von Kohle und Gas hergestellt – er sollte nicht für Panzer, sondern für Windräder oder Eisenbahn-Schienen genutzt werden, sagte die Ende-Gelände-Sprecherin. Die Aktivisten zeigten am Werktor ihren Worten zufolge Banner mit Aufschriften wie „Another World is possible“ (Eine andere Welt ist möglich). Man müsse raus aus der Kohle und raus aus dem Gas. Wer auf fossile Energie setze, setze auf die Abhängigkeit von Autokraten, die mit den Einnahmen Kriege finanzierten, lautete der Vorwurf.Mit Blick auf das KNDS-Werk in Mülheim sagte die „Ende Gelände“-Sprecherin: „Hier, wo bis vor einigen Jahren noch Rotornaben für Windräder vom Produktionsband liefen, wird nun wieder voll auf Panzerstahl gesetzt, und zwar mit Unmengen von fossilem Gas.“Lesen Sie auchWenig später zogen Aktivisten zum Mülheimer Werk der Firma Europipe, die Rohre für Pipelines herstellt. Mit weiteren 200 Menschen habe man Schienen blockiert, auf denen das Werk beliefert wird. Personengleise seien nicht betroffen. Laut Polizei waren dort etwa 100 Protestierende. Mitarbeiter konnten in das Werk hinein- und hinausgehen, die Blockade galt nur den Gleisen.In Voerde am Niederrhein versuchten laut Polizei etwa 400 Aktivisten am Nachmittag, auf das Gelände eines stillgelegten Steinkohlekraftwerks zu gelangen. Einsatzkräfte hätten das verhindert und den Bereich abgesperrt, sagte ein Polizeisprecher.Lesen Sie auchAuch auf ein Kraftwerksgelände in Gelsenkirchen waren Aktivisten eingedrungen. Laut Polizei waren rund 200 Menschen im Stadtteil Scholven illegal unterwegs. Die Polizei prüfe derzeit, welche Verstöße und Straftaten vorliegen.Beim Klimacamp in Hamm war am Donnerstag auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg eingetroffen. Für Freitag hatte das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ Aktionen zivilen Ungehorsams angekündigt. Ob Thunberg daran teilnahm oder in Hamm beim eigentlichen Camp blieb, ist derzeit unklar. Das von Klimaaktivisten ehrenamtlich organisierte Camp findet aus Protest gegen neue Gaskraftwerke statt. Zusätzlich mobilisiert das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ seit Wochen für Aktionen zivilen Ungehorsams.Ebenfalls am Freitagmorgen versammelten sich auf dem Hammer „Klimacamp“ einige Hundert Menschen und zogen in Begleitung der Polizei in Richtung Innenstadt. Laut Polizei waren es 300. Der Demozug startete etwas verspätet, da die Polizei zunächst auf das Vermummungsverbot hinwies – erst als die Gesichter der Teilnehmer erkenntlich waren, konnte es losgehen. Es wurden ein Stopp des Kohleabbaus und mehr Tempo für den Klimaschutz gefordert. Alle Aktionen seien am Abend beendet worden, teilte die Polizei mit.Auch in Unna Großdemo gegen GaskraftwerkEinen Tag vor einer geplanten Großdemonstration vor einem Gaskraftwerk in Werne im Kreis Unna waren die Klimaschützer mit einem zweiten Eilverfahren gescheitert. Nach dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Donnerstag wies auch das Oberverwaltungsgericht für das Land NRW am späten Freitagabend die Beschwerde gegen Auflagen der Polizei ab. Die hatten den Startpunkt der Großdemonstration, zu der rund 5000 Menschen erwartet werden, wegen Sicherheitsbedenken weg vom Eingangstor des Gersteinwerks zu einer mehrere 100 Meter entfernten Kläranlage angeordnet.Zu Recht, wie das OVG entschieden hat. Laut dem Gericht gebe keine Zweifel daran, dass es durch einzelne Teilnehmer der Versammlung zu Störaktionen gegen kritische Infrastruktureinrichtungen auf dem Gelände des Kraftwerks und des gegenüberliegenden Umspannwerkes kommen könne. Die Gruppierung „Ende Gelände“ habe dazu seit längerem öffentlich aufgerufen.„Derartige von einzelnen Teilnehmern zu erwartende Störungen der öffentlichen Sicherheit sind der gesamten Versammlung unter den gegebenen Umständen zuzurechnen“, sagte das OVG zur Begründung der Ablehnung des Eilentscheids. Denn trotz Kenntnis der Aufrufe von „Ende Geländ“e habe sich die Veranstalterin hiervon nicht öffentlich distanziert und zu einer ausschließlich gewaltfreien Demonstration aufgerufen.dpa/lay
Mülheim (Ruhr): Aktivisten blockieren Panzerbauer-Werk – Frühschicht kann nicht hineingelassen werden - WELT
Gleich mehrere Demonstrationen haben am Freitag für Aufsehen gesorgt. In Mülheim an der Ruhr blockierten Aktivisten das Gebäude eines Panzerbauers und verhinderten den Schichtwechsel. Bei einem sogenannten „Klimacamp“ war zudem die Aktivistin Greta Thunberg zu Gast.












