Sie machten sich Ende der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre mit Revierkämpfen gegen Neonazis und verfeindete Gangs sowie mit Graffitis überall in Kreuzberg einen Namen und waren rund um das Kottbusser Tor, zwischen Naunyn- und Waldemarstraße bis hin zum Görlitzer Bahnhof, zu Hause. Nur wer die 36 Boys kennt, versteht, wie Tim Raue heute tickt – das sagt der Sternekoch zumindest selbst. Wie einige andere bekannte Berliner – der Gruppenname verrät bereits, dass sich das Gendern an dieser Stelle erübrigt – war der Gastronom Mitglied der wohl bekanntesten Gang, die es in der Hauptstadt je gab. Das Buch des Journalisten und Autors Paul Christoph Gäbler beleuchtet nun den Einfluss der 36 Boys auf einige ihrer damaligen Mitglieder, die Entstehungsgeschichte – und warum die Gang vor allem das Ergebnis einer gescheiterten Politik war. Zur Vorstellung lud Raue in sein mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnetes Kreuzberger Restaurant.

Zusammenhalt, Respekt und ein Gefühl von Stärke

„Sie wollten dazugehören, sie wollten gesehen werden. Und wenn die Gesellschaft einem dieses Gefühl verwehrt, dann sucht es sich einen anderen Weg“, erklärt Gäbler am Freitagmittag im Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße in Kreuzberg. Mit seinem Buch „36 Boys – Wie eine Kreuzberger Gang zur Legende wurde“ wollte er der Frage nachgehen, was Jugendliche tun, wenn sie sich in ihrer eigenen Heimat nicht akzeptiert fühlen, und was es über ein Land aussagt, wenn junge Menschen im Stich gelassen werden.