Wer sich als Anhänger der Disziplin Darts bezeichnet, ist nicht zwingend und stets zu beneiden. Präzisionspfeilwurf zieht sich bisweilen arg hin – manche Matches sind zäh wie britisches Pubfood. Und so darf man den 14 000 Zuschauern ausnahmslos gratulieren, die am Donnerstagabend den Weg in die O2 Arena von London fanden. Für ein Erlebnis, das als Delikatesse des Dartssport in Erinnerung bleiben wird.Ein Dartsspiel dauert selten 90 Minuten, aber am Ende gewinnt stets ein Mann namens Luke Littler. Auch das bleibt von dieser Nacht in London – in der die vier Finalisten der Darts-Premier-League erahnen ließen, warum sie die vier Finalisten der Premier League sein mussten. Acht vom Darts-Weltverband zu diesem Einladungsturnier berufene Spieler aus England, Wales, den Niederlanden und Nordirland hatten sich in 16 Runden seit Anfang Februar duelliert. Gerwyn Price und Jonny Clayton, beide aus Wales, und die beiden britischen Lukes, Littler und Humphries, sollten nun den Titel unter sich ausmachen. Und tatsächlich, auch das ist eher selten, hätte jeder von ihnen das Rennen machen können.Darts-Weltmeister Luke Littler:Der Auserwählte des Pfeilewerfens„Zeitweise bin ich nicht aufzuhalten“ – sagt Luke Littler über sich selbst. Der 18-Jährige wird so überlegen erneut Darts-Weltmeister, dass sich die Konkurrenz fragt: Wer soll ihn in den nächsten Jahren schlagen?In beiden Halbfinals, jeweils britisch-walisische Duelle, ging es über die sogenannte komplette Distanz. Der 19 Jahre junge Littler hatte gegen Price eine 9:4-Führung verspielt, 9:9 stand es plötzlich, doch im finalen Durchgang machte der Weltmeister wieder weltmeisterliche Littler-Dinge und gewann 10:9. Humphries’ Halbfinale gegen Clayton schien auch bereits entschieden zu sein, 6:2 führte der 31-Jährige, ehe Claytons Pfeile fortan das Triple-20-Feld belagerten. Plötzlich lag der Außenseiter 9:7 vorn und stand kurz vor dem Einzug ins Endspiel. Doch nun machte der Premier-League-Champion des Vorjahres Humphries-Dinge. 10:9. Und wie so oft lautete die Finalpaarung: Luke gegen Luke.Luke Littler, 19, holte sich im dritten Premier-League-Endspiel in Serie gegen Luke Humphries den Pokal – 11:10, auch im dritten Match des Abends ging es bis in die letzte Runde. Und so sammelt Littler in diesem Jahr weiter Titel wie Flugmeilen: WM, World Masters, UK Open – jetzt die Premier League. „Achterbahnfahrt“, sagte er hinterher ins Mikro und meinte damit nicht nur das Spiel. Tatsächlich wischte sich dieser stets so abgebrühte junge Mann Tränen aus dem Gesicht. Die Buhrufe bei seinen Walk-ons, die Kritik an seinem selbstbewussten Auftreten setzen ihm durchaus zu. In London hörte man beides: Pfiffe vor dem Halbfinale, Applaus nach dem letzten Pfeil – nach dem engsten Premier League-Finale seit der Einführung 2005.Gourmets des Dartssports dürften sich die Zeit vom 11. bis zum 14. Juni vorgemerkt haben, wenn in Frankfurt am Main die Darts-Team-WM ansteht. Dem Vernehmen nach gehen die Nummer eins und die Nummer zwei der Weltrangliste dann – ausnahmsweise – als Team an den Start: zwei Lukes, die dann eventuell über ihren, wie heißt es so schön, eigenen Schatten springen müssen.