Zürcher Google-Angestellter wegen Insiderwetten auf Polymarket verhaftetWelche Person wurde 2025 am meisten gegoogelt? Dieser Ingenieur wusste das vor der Öffentlichkeit – und machte die Information auf einer Wettplattform zu Geld. Es ist die zweite Festnahme wegen Insidertrading auf Prognosemärkten.29.05.2026, 16.35 Uhr4 LeseminutenMit wenigen Klicks Wetten auf die Zukunft abschliessen: Das erlaubt die Plattform Polymarket.Wyatte Grantham-Philips / APWer wurde 2025 am häufigsten gegoogelt? War es der US-Präsident Donald Trump? Oder vielleicht der ermordete rechte Redner Charlie Kirk? Oder Papst Leo XIV.? Im Herbst war das eine der unzähligen Fragen, über die man auf der Plattform Polymarket Wetten abschliessen kann. Das Prinzip: Alle setzen Geld, und wer die Zukunft richtig vorhergesagt hat, gewinnt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der IT-Ingenieur Michele Spagnuolo machte mit. Er setzte auf «D4vid», einen Musiker, der einen weiblichen Teenager ermordet haben soll. Damit war er ziemlich einsam – die Gewinnchance für das Ergebnis auf der Plattform stand bei nahezu null. Umso höher war Spagnuolos Gewinn, als Anfang Dezember Googles Liste der meistgesuchten Personen 2025 erschien. «D4vid» war auf Platz eins.Es war nicht die einzige Wette, die Spagnuolo auf Google-Suchrankings abschloss. Mehr als 2 Millionen Franken setzte er zwischen Oktober und Dezember 2025 bei etwa 25 solcher Wetten ein. Fast ohne Ausnahme lag er richtig. Er gewann in Summe etwa eine Million Franken.Das alles und weitere Details kann man in der Strafanzeige des US-Justizministeriums gegen Spagnuolo nachlesen. Denn mit seinen Wetten gab es ein Problem. Als Google-Angestellter hatte er vorab Zugriff auf die Listen der meistgesuchten Personen. Das FBI kam ihm auf die Spur. Nun muss er sich wegen Betrugs und Geldwäsche vor dem Bundesgericht in New York verantworten.Spagnuolo verschleierte seine Identität durch Krypto-TransaktionenMichele Spagnuolo ist ein Zoogler. Seit 2014 ist der Italiener für Google tätig, zuletzt war er «Staff Engineer» im Bereich der Informationssicherheit in Zürich. Laut seinem Linkedin-Profil, das im Hintergrundbild die Limmat zeigt, bekam er den Job bei Google direkt nach der Universität. Matura, Hochschule, zwei Master renommierter Universitäten – alles schloss Spagnuolo mit Bestnoten ab.Michele Spagnuolo vor acht Jahren bei einem TEDx-Talk über Blockchain.Ein «Staff Engineer» bei Google verdient laut Jobwebsites und Medienberichten zwischen 400 000 und einer halben Million Franken im Jahr, wenn man Grundgehalt, Aktien und Boni zusammenzählt. Man kann nur darüber spekulieren, was den 36-Jährigen dazu bewogen hat, all das aufs Spiel zu setzen. Offenbar dachte er, keiner werde ihm auf die Schliche kommen.Dabei waren die erstaunlich akkuraten Wetten von «AlphaRaccoon» – so nannte sich Spagnuolo bei Polymarket – schnell aufgefallen. Auf den Plattformen Discord und X diskutierten Nutzer, dass es sich um einen Google-Insider handeln müsse. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» berichtete am 4. Dezember wie folgt über den Trader: «22 von 23 solchen Vorhersagen richtig zu treffen, ist, als würde man nicht nur den Sieger von 23 Pferderennen richtig vorhersagen, sondern auch die genaue Reihenfolge bis hin zum vierten oder fünften Platz in jedem einzelnen Rennen.» Wenig vorher hatte «AlphaRaccoon» das exakte Datum der Veröffentlichung eines von Googles KI-Modellen vorhergesagt.Infolge dieser Berichte änderte Spagnuolo seinen Nutzernamen auf der Plattform und versuchte, seine Identität zu verschleiern. Es war aber zu spät. Weil Krypto-Transaktionen zwar anonym, aber nicht geheim sind, konnte das FBI die Geldflüsse nachverfolgen, bis zu einem Zahlungsabwickler. Der dient dazu, Kryptowährung in normales Geld umzutauschen. Und dort war der Google-Mitarbeiter mit seinem echten Namen und dem Personalausweis registriert.Am Mittwoch wurde Spagnuolo verhaftet und in New York vor einen Bundesrichter gebracht. Google sagt, man habe den Mitarbeiter beurlaubt. Laut einer Unternehmenssprecherin handelte es sich bei den von Spagnuolo genutzten Informationen um Marketingmaterial, das potenziell allen Mitarbeitern zugänglich ist – diese Informationen für Wetten zu verwenden, sei allerdings ein schwerwiegender Verstoss gegen die Unternehmensrichtlinien.Zweite Festnahme rund um illegale Wetten auf PrognosemarktEs ist nicht der erste Fall von Insidertrading auf Polymarket und Kalshi, den beiden bekanntesten Plattformen für Prognosemärkte. Als Instrument für bessere Prognosen, etwa von Wahlausgängen, gefeiert, stehen die Plattformen auch immer wieder in der Kritik. Unter anderem wegen suspekter Gewinner.So wettete ein Angehöriger des US-Militärs auf Vorgänge rund um die Entführung und Verhaftung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro – im April gab es verdächtige Wetten rund um den Waffenstillstand zwischen den USA und Iran.Wer gewinnt auf Prognosemärkten wie Polymarket? Die Antwort: nur eine kleine Minderheit.Im Fall der Wetten um Maduro wurde inzwischen ein Soldat verhaftet – wie Spagnuolo vom Bundesgericht New York. Dort hat Polymarket seinen Hauptsitz. Die beiden Fälle sind die ersten, die Insiderhandel auf Prognosemärkten ahnden. An der Börse ist das Nutzen vertraulicher Informationen ganz eindeutig durch das Wertpapierrecht geregelt. Dieses gilt bei Prognosemärkten nicht. Deshalb geht es in den Klageschriften um Betrug.Polymarket äusserte sich auf der Plattform X erfreut über die Festnahme Spagnuolos. Laut den Angaben hat das Unternehmen «AlphaRaccoon» wie auch den Soldaten selbst den Ermittlern gemeldet.Proud to announce Polymarket's market integrity infrastructure flagged another trader who was arrested this morning in New York for insider trading.With 2 out of 2 arrests in this industry resulting from our criminal referrals, Polymarket has emerged as the enforcement leader.…— Polymarket (@Polymarket) May 27, 2026