PfadnavigationHomeICONISTFamilieArtikeltyp:MeinungGut verstecktUnd für diese seltsame Still-Bank sollen Mütter jetzt dankbar sein?Stand: 16:27 UhrLesedauer: 2 MinutenDa ist sie gut versteckt, die stillende MutterQuelle: ChildHood Design UGEs ist gut gemeint: Ein Start-up hat eine stillfreundliche Bank für öffentliche Orte entwickelt. Endlich werden Familien mal mitgedacht. Aber ist eine Lösung, die stillende Mütter hinter eine Wand setzt, wirklich das richtige Signal?Eltern hätten ja so viele Wünsche für ein leichteres Leben. Öffentliche Toiletten, die ein bisschen mehr Platz für Kinderwagen lassen. Vielleicht sogar einen Haken! Orte, an denen man das Baby wickeln kann. Mehr als vier Familienplätze in der Deutschen Bahn. Vielleicht ein Wasserspender am Spielplatz? Oder, für alle, die in Berlin wohnen: zumindest drogen- und spritzenfreier Sandkastensand! Und manchmal eine helfende Hand.Was bekommen sie nun? Eine Bank, die zur Hälfte von einer orangefarbenen Wand umgeben ist. Dahinter kann sich die stillende Mutter verstecken, um bloß niemanden damit zu belästigen, wie sie ihr Baby am Leben hält. Denn das stört in Deutschland noch immer viel zu viele Menschen. Regelmäßig liest man von Restaurants, die stillende Mütter rauswerfen, von Stillverboten an öffentlichen Orten. Vor ein paar Tagen erst wurde eine Mutter aus einem Einkaufscenter in Saarbrücken verwiesen, weil sie dort auf einer Bank ihr Baby stillte. Umfragen, etwa von YouGov 2025, belegen: Jeder zehnte Deutsche findet es nicht in Ordnung, wenn Mütter in der Öffentlichkeit stillen. Jetzt wird die Mutter also hinter eine Wand gesetzt.Lesen Sie auchDie Pressemitteilung, mit der die Bank beworben wird, liest sich natürlich anders: Sie solle „zu mehr Akzeptanz fürs Stillen in der Öffentlichkeit beitragen“, sie mache „das Stillen auf Spielplätzen und Parks sichtbar, nicht aber die stillenden Mütter selbst“. „Das Stillen braucht in Deutschland einfach mehr Akzeptanz, vor allem im öffentlichen Raum“, sagt Niklas Schäfer, der die Bank mit seinem Start-up ChildHood Design entwickelte.Aber sollte sich dafür nicht der „öffentliche Raum“, also die kinderunfreundliche Gesellschaft, ändern – und nicht die Mutter sich mal wieder anpassen? Auf einer speziell gekennzeichneten Bank? Sollten nicht eher die hinter eine Wand gesetzt werden, die es nicht ertragen können, wenn eine Mutter stillt?Lesen Sie auchWer unauffällig stillen will, der weiß, wie man das macht, hat einen Stillschal oder ein Stilloberteil – und will erst recht nicht auf einem signalfarbenen Sonderplatz auffallen.Lesen Sie auchJa, die Bank ist nett gedacht – und das andere Projekt der Gründer, ein öffentliches Wickelboard, durchaus sinnvoll. Sie ändert aber nichts an einem gesellschaftlichen Klima, in dem Familien eher ausgegrenzt werden, als dass man sie einfach mal als Teil des öffentlichen Lebens akzeptiert.