Unter dem schmalen Vordach der Talstation für die Herzogstandbahn drängt sich an einem verregneten Maivormittag kurz vor Pfingsten ein Dutzend Fahrgäste. Eine solche Szenerie soll bald der Vergangenheit angehören. Denn die Herzogstandbahn GmbH will ab Herbst eine neue Talstation errichten und den Fahrbetrieb im Frühjahr 2027 wieder aufnehmen.Der energieeffiziente Neubau soll das nur etwa halb so große Gebäude von 1954 ersetzen. Die Kunden können dann künftig ebenerdig und barrierefrei an den Ticketkassen vorbei über einen mit einer Glaskuppel überdachten Innenhof, der als Wartebereich dient, zu den Kabinen der Pendelbahn gelangen. Die Herzogstandbahn soll indes in gewohnter Dimension erhalten bleiben. Höhere Beförderungskapazitäten schließen die Betreiber ausdrücklich aus.So soll die neue Talstation aussehen: Der Eingang wird auf die Südseite verlegt. Das erlaubt einen geradelinigen Zugang zum Einstieg in die Kabinenbahn unter dem Pultdach (rechts am Modell zu erkennen). Jasmin EngelDie Gesellschafter – die Gemeinde Kochel am See und die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen halten 51 beziehungsweise 49 Prozent der GmbH-Anteile – warten nur noch darauf, dass das Landratsamt in Bad Tölz das 5,5 Millionen Euro teure Projekt genehmigt. Die Arbeiten könnten dann spätestens nach Ende der Herbstferien beginnen. Damit würde der Betrieb im Winter 2026/2027 ausfallen. Im folgenden Frühjahr soll die Herzogstandbahn aber wiedereröffnen, ehe das neue Gebäude voraussichtlich im November 2027 in Gänze fertiggestellt sein soll. Sollte sich das Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren zeitlich verzögern, verschiebt sich das Neubauprojekt um jeweils ein Jahr.„Die Gäste erwartet eine State-of-the-Art-Seilbahn“, sagt Daniel Weickel bei einem Pressegespräch an der Talstation. Im neuen Gebäude soll auch die Tourist-Information unterkommen, so der Leiter für Tourismus in der Kochler Rathausverwaltung. „Wir wollen an dem Frequenzpunkt die Kräfte bündeln.“ Ziel des Bauvorhabens sei ein funktionstüchtiges, zukunftsfähiges Gebäude. In einer älter werdenden Gesellschaft sollten auch mobilitätseingeschränkte Menschen die Möglichkeit haben, auf den Berg zu kommen. Zugleich gebe es mehr Komfort für Personen mit Kinderwagen.Die Herzogstandbahn, hier eine Gondel mit Blick auf den Walchensee, soll in ihrer Dimension erhalten bleiben. Höhere Beförderungskapazitäten schließen die Betreiber aus. Harry WolfsbauerVon einem persönlichen Meilenstein spricht Jörg Findeisen, Betriebsleiter und Geschäftsführer der Herzogstandbahn. Mit dem hellen und freundlichen Gebäude der neuen Talstation optimiere das Unternehmen die Infrastruktur für die Fahrgäste und die Mitarbeitenden nachhaltig.Das neue Gebäude auf einer Grundfläche von 828 Quadratmetern wird unterkellert und ein Obergeschoss bekommen. Erschlossen wird der Bau durch einen Aufzug, mit dem die Mitarbeitenden Lasten von bis zu 2,5 Tonnen bequem transportieren können. Werkstätten und Lagerräume sind so angeordnet, dass Arbeitsabläufe effizienter werden. Drei Betriebswohnungen sind im Neubau integriert.Wärmepumpen und eine Photovoltaikanlage mit einer Jahresstromproduktion von 100 000 Kilowattstunden, was dem durchschnittlichen Bedarf von 20 Einfamilienhäusern entspricht, sollen den CO₂-Ausstoß deutlich reduzieren. Projektsteuerer ist die Klenkhart & Partner Consulting ZT Gmbh aus Absam im benachbarten österreichischen Bundesland Tirol. Laut Generalplaner Franziskus Loidl bietet die neue Talstation auch Kapazitäten, um die PV- und Batteriespeicheranlage später zu erweitern.Die Betreiber-GmbH will die Bauphase zudem für Revisionsarbeiten an Laufwerken und Gehängen der Pendel-Kabinenbahn im Herstellerwerk nutzen. Außerdem sollen die Tragseile versetzt werden, was in regelmäßigen Abständen vorgeschrieben ist. So wird die Herzogstandbahn auf den neuesten Stand gebracht.So warb die Herzogstandbahn in den 1970er-Jahren für die Attraktionen der Gemeinde Kochel am See mit dem Trimini, der heutigen Kristalltherme, Bergen und Seen. Jasmin EngelDie bisherige Talstation aus dem Jahr 1954 war ursprünglich nur für den Betrieb des ersten Sessellifts ausgelegt. 1994 eröffneten die Gesellschafter die Kabinenbahn mit dem neuen Einstiegsbereich, der erhalten bleiben soll. Aktuell bringt die Herzogstandbahn um die 155 000 Fahrgäste im Jahr auf den Berg. Dafür sei das 70 Jahre alte Gebäude der Talstation jedoch nicht ausgelegt, sagt der Kochler Bürgermeister Jens Müller. „Die Herzogstandbahn ist ein wichtiges Standbein für den Tourismus, der gepflegt werden muss.“ Der Charme der Fünfzigerjahre sei zwar nett, eine Modernisierung schade aber nicht, so Müller.„Es geht darum, uns zeitgemäß aufzustellen“, betonte Christian Spindler vom Vorstand der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, die Mitgesellschafter ist. Die Bergbahngesellschaft werde das Projekt aus Eigenmitteln stemmen. „Uns geht es nicht darum, den Profit nach oben zu treiben.“ Ziel sei es, die traumhafte Kulisse mit Blick auf den Walchensee und das Alpenvorland erlebbar zu machen. Massive Preissteigerungen schlossen die Gesellschafter aus.